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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-08-30 · Heft 36 (30.8.1847) · p. Seite 549

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 36 (30.8.1847)
Date
1847-08-30
Page
Seite 549 (sequence 13)
Language
German
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549 bildeten, seit ihrer Einwanderung in das Königreich Polen, das damals alle diejenigen russisch-polnischen Provinzen umfaßte, Ln denen die Juden jetzt wohnen dürfen — den eigentlichen Bürgerstand. Zu den Sklaven, die die Bauernarbeit versahen, konnten sie nicht gezählt werden, da sie erst eingewandert waren, und also das Sklaveneigenthum keines Großen, nicht einmal des Königs waren, wie in Deutschland; zum Adel, der sich immer um die Krone stritt und voll polnischer Anmaßung war, wollte und konnte der Jude nicht hinauf. Und so ergriff er von selbst die Gewerbe, die zwischen beiden Standen mitten inne liegen, und wurde ein Bürgecstand, der insofern frei war, als er nicht, wie der Sklave, verkauft, besteuert und zur Robote verwendet werden konnte. Der Jude trieb Handel und alle Arten von Handwerken, hatte die Branntweinbrennereien, und pachtete von den Großen die Wirthshauser für sehr bedeutende Summen. Letztere waren die bekannten, sogenannten Rentare. Der polnische Große liebt mit Bücklingen geehrt und gefürchtet zu werden, und da der Jude ihm hundertmal den Aermel küßte, so ließ er ihn gewahren, und die Juden hatten trotz der ungeheuersten Plackereien, an denen die katholische Geistlichkeit und die einflußreichen Jesuiten viel Schuld hatten, dennoch sehr gute Tage, und waren größtentheils bemittelt und wohlhabend. Die polnische Regierung kümmerte sich um die jüdischen Gemeindeangelegenheiten gar nicht, und so konnten sich diese sehr selbstständig und zu der Blüte — besonders in Betreff der jüdischen Gelehrsamkeit — entwickeln, in der wir sie in den vorigen Jahrhunderten fanden. Der polnische Adel hatte seine Launen, oft seine sehr traurigen Launen; wußte der Jude dieselben überzukommen, so kam nicht nur Alles wieder in's alte Geleise, sondern wurde oft noch sehr verbessert. Wie oft ereignete es sich nicht, daß solch ein Pan (Herr), wenn der Branntweinpachter ihm die Pacht brachte, seinen Dienern befahl, dem Juden 10V Stockprügel zum Spaße des großen Herrn aufzuzählen. Und wenn der Jude dieselben erstanden, und in seinem Schmerze dann jammerte, sprach der lachende Herr: Schadet nichts. Mosche, dafür sollst Du die Pacht fünf Jahre lang unentgeldlich haben. Am Drolligsten fand ich immer eine solche Geschichte des Fürsten R.l. Er, der immer unter den Bewerbern um die polnische Krone war, ritt einst mit einer großen Gesellschaft auf die Jagd, und kehrte in bester Laune bei einem Rentar ein. Nachdem die Herren sich gütlich gethan und muthig einander zugetrunken hatten, befahl der Fürst, daß man dem Juden, der gesund wie ein Fisch im Wasser war, zur Ader lassen, und das Blut so lange fließen lasse, bis er seine Pfeife ausgeraucht hätte. Der Jude bat, schrie, wehrte sich — umsonst; es wurde ihm die Ader geschlagen. Der Fürst, der hinausgegangen war, kam erst spät wieder zurück; man stillte dem Juden das Blut, der Fürst ritt auf seine Jagd, und als er nach mehreren Tagen zurückkam, lag der Jude gefährlich krank. Der Fürst befahl seinem Leibarzte, den Juden zu behandeln, und wenn er genesen wäre, ihn auf das fürstliche Schloß zu schicken. Nach einigen Monaten erschien der Jude auf dem Schlosse und der Fürst sprach: Mosche, geh' in die Schatzkammer und suche Dir zur Entschädigung irgend ein Stück heraus, das Dir gefällt. Dem Juden gingen die Augen über, als ec die ungeheueren Reichthümer sah, die hier angehäuft vor ihm lagen. Er wählte und wählte, und die Wahl that ihm immer weh. Endlich sah er einen mächtigen, mit altfränkischen Blumen gestickten Rekfcock, den die Großmutter des Fürsten getragen. Ach, was für schöner Schabbesrock für meine Frau, rief der Jude, nahm ihn und eilte überreich nach Hause. — Wie es hier im Kleinen, so ging es auch im Großen. Der Pole wollte Jemanden, an dem er seine Launen und sein Müthchen kühlen konnte; gab der Jude sich dazu her, so ließ er ihn dann gewähren. Und der Jude, dessen Ansprüche ohnehin nicht groß waren, war somit wenn auch nicht nach unseren Begriffen — doch nach feinen Bedürfnissen glücklich und zufrieden. — Mit der Theilung Polens und Einverleibung des einen Theils desselben in das russische Reich änderten sich diese Zustände. Der Jude, der belehrt durch die traurigen Geschicke in seiner Geschichte, von jeder Veränderung nur Schlechteres befürchtete, bangte auch den Folgen dieses eingetcetenen Wechsels entgegen. Dr. Lilienthal. (Fortsetzung folgt.) Krefeld, 6. August. Der jüdischen Lehrer dritte Konferenz zu Krefelds im Mai 1847. Nachdem der Oberrabbiner, Herr Bodenheimer, die im Schullokale versammelten Lehrer mit dem freundlichen Gruße des Boas an die Schnitter, V2N2 ’n, bewillkommt hatte, führte er der Versammlung in gedrängter

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