Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-08-30 · Heft 36 (30.8.1847) · p. Seite 550

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 36 (30.8.1847)
Date
1847-08-30
Page
Seite 550 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225497-3225534--08825-3239659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

550 Kürze die durch die früheren Konferenzen erzielten Resultate nochmals vor Augen und ermahnte sie mit kräftigen und eindringlichen Worten, auf dem eingeschlagenen Wege muthig und wandellos zu beharren, kein Opfer und kein Mittel zu sparen, um das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Hierauf wurde statutengemäß zur Wahl des Präsidenten und des Sekretärs geschritten. Die Erstere fiel mit Stimmeneinheit auf den Herrn Oberrabbiner, die Letztere auf Cohen aus Uedem. Sehr zu bedauern war, daß sich von dem vielen Lehrern des hiesigen Sprengels nur neun eingefunden hatten, eine Lauheit, die hoffentlich in Zukunft nicht mehr staltsinden wird. Als Grund der geringen Theilnahme wurde von einem Anwesenden angegeben, weil die gefaßten Beschlüsse der vorigen Konferenzen aus Mangel an gesetzlicher Kraft nicht allgemein und durchgängig in's Leben getreten seien und derselbe nannte sogar zwei Kollegen, die dieserhalb die gegenwärtige Lehrerversammlung zu besuchen, sich nicht veranlaßt gefühlt hätten. Nach einer kurzen Debatte über diesen Gegenstand stellte sich allgemein die Ansicht heraus, daß bei Fortbestehen dieses Uebelstandes von den Konferenzen, selbst wenn diese auch ferner noch gehalten würden, keine gedeihliche und ersprießliche Folgen zu erwarten ständen, da dem Zufall und der Willkür zu viel freier Spielraum gelassen wäre. Der Präsident wurde einstimmig ersucht, durch die geeignetsten Mittel den Konferenzbeschlüssen gesetzliche Kraft zu verschaffen, worauf derselbe versprach, sämmtliche Beschlüsse durch Zirkuläre allen Gemeinden des Sprengels anzuzeigen und falls die Ausführung derselben auf Hindernisse stieße, das Konsistorium sodann die geeigneten Schritte bei den betreffenden Behörden thun würde. Der Präsident warf jetzt die Frage auf: woher in den meisten jüdischen Elementarschulen, selbst in den sonst anerkannt guten, bei den Kindern die Lauheit gegen die Erlernung der hebräischen Sprache herrühre und auf welchem Wege dieselben mehr für diesen Unterrichtszwcig gewonnen werden könnten. Die Wahrheit dieser Frage einsehend und von deren glücklichen Lösung einen gänzlichen Umschwung in diesem hochwichtigen Lehrgegenstande erwartend, sprachen sämmtliche Anwesende ihre Meinung darüber ausführlich aus. Als Hauptursache dieser erwähnten Lauheit wurde Folgendes geltend gemacht: „Nicht alle Lehrer besitzen die erforderliche Fähigkeit, einen gründlichen und gediegenen Unterricht in der hebräischen Sprache zu erlheilen, ebenso wenig sei aber auch zu verkennen, daß häufig Jndiffercntismus von Seiten der Eltern, begründet in der gegenwärtigen religiösen Zeitrichtung, ferner ihr Mangel an würdigem und geziemendem Benehmen und Verhalten bei Verrichtung religiöser Handlungen und die Andachtslosigkeit beim Gebete in Haus und Synagoge, und endlich das strenge und unbedingte Anhalten der Kinder, von ihrem zartesten Alker an, zum Hersagen und Nachplaudern der ihnen von Vater und Mutter, nicht selten von rohen und ungebildeten Knechten und Mägden, ohne Sinn und Verstand, ohne Gefühl und Gemüthlichkeit in der verkehrtesten und grammatikwidrigsten Aussprache vorgesagten Gebete und Segenssprüche alle Lust und Liebe, Neigung und Geschmack für das spätere Erlernen der heiligen Sprache schon vor Besuch der Schule in dem Kinde ersticken, sogar in Abneigung und Widerwillen gegen dieselbe verwandeln. Bis zur Zeit sei aber auch in den meisten Schulen eine gänzlich verfehlte und durchaus falsche Methode gehandhabt worden, indem das viel zu frühe Beginnen mit dem Hebräischen, bevor noch einigermaßen die Begriffe und Seelenkrafte des Kindes durch anderweitigen vorangegangencn Unterricht entwickelt worden, das mechanische und unzusammenhangende Uebersetzen nach dem alten hergebrachten Schlendrian, die Rücksichtslosigkeit in Betreff der Auswahl des Lehrstoffes, so wie der Mangel an inniger Aufeinanderbeziehung der Theorie und Praxis unmöglich zu irgend einem erwünschten Resultate hätten führen können. Um diesem Lehrgegenstande nun eine anziehendere und interessantere Seite für die Kinder abzugewinnen und mehr Fluß und Leben hineinzubringen, wurden verschiedene Mittel vorgeschkagen: der Schüler soll nicht mehr wie bisher die hebräische Sprache so frühe zu erlernen anfangen und diese wie jede andere fremde Sprache auf eine naturgemäße und der kindlichen Fassungskraft angemessene Weise gelehrt werden. Nachdem der Schüler nach der bewährten Methode von Ahn, Seidenstücker, Ehrenberg und Markus genugsam vorbereitet wäre, das Nothwcndigste aus der Theorie wisse und durch geeignete Uebungsstücke einige Fertigkeit im Uebersetzen erlangt habe, schreite man zu mas rmbw von Zohlson, dessen Sprachlehre gleichfalls jetzt anzuempfehlen sei. Ist dieser Auszug aus der heiligen Schrift durchgemacht, so würde das Uebersetzen des ganzen Pentateuchs, mit Weglassung der für das zarte, jugendliche Alter anstößigen Stellen, keine große Schwierigkeit mehr darbieten, und für das Uebersetzen der wichtigsten Gebete und der leichteren Propheten noch hinlänglich genug Zeit gewonnen werden, wohingegen aber jeder Kommentar, als in die Elementarschule nicht ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.