Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1847)
- Date
- 1847-08-30
- Page
- Seite 547 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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547 um die verkündeten Prinzipien zu verwirklichen? Unsere Rabbinen leben in einer anarchischen Insubordination. Hat das Konsistorium ein Reglement entworfen, um sie zu zwingen, ihre Pflichten zu erfüllen, jeden Sabbat zu predigen, die Sterbenden zu besuchen, die Leichen zu begleiten, die Kinder zu konfirmiren? Wo ist das Reglement für den Gottesdienst, um ihn würdig und uniform zu machen? Hier unterdrückt man die Piutim, dort führt man die Orgel ein, anderswo schleudert man den Bann dagegen, und während man im geringsten Dorfe des Elsasses den Verkauf der Mitzwot abschafft, blüht er noch im Konsistorialtempel zu Paris. Wo ist das Reglement für Erbauung der Tempel, aus denen die Einen Wagenschoppen, die Anderen Salons, die Dritten Theaterbühnen machen? Seit 40 Jahren kündigt man an, daß der Gottesdienst verbessert werden müsse, Verkürzungen und Veränderungen der Gebete, aber keine Maßregel, um zum Ziele zu kommen, wird getroffen. Die Kinder bleiben der Religion fremd, die Erwachsenen verlassen sie aus Mangel an Unterricht und religiösen Büchern, und Niemand denkt daran, dem abzuhelfen. Ein Theil unserer Rabbinen ist ungenügend und unwissend, haben keinen Charakter, keine Talente. Was hat nun das Konsistorium gemacht? ... Einen Bericht. Das Zentralkonsi'storium besteht aus Männern, die in ihrer Person den äußersten sozialen Fortschritt enthalten. Aber wir fragen, was hätten die blindesten Stillstandshelden weniger thun können? — Großbritanien. London, 18. August. In einem Artikel über die Wahl des Herrn von Rothschild giebt der „Globe" zu verstehen, daß die Regierung in nächster Session eine Bill für die Emanzipation der Juden vorlegen werde. Dagegen wüthet der torystische „Standard" ungemein gegen die Wahl und den Einlaß von Juden in's Parlament. Korrespondenzen. New-York, 11. April 1847. Russisch-jüdische Skizzen. (Fortsetzung.) Solche Männer saßen bisher in den Kahals (Gemeindevorständen), die, wie bekannt, von der russischen Regierung jetzt aufgehoben worden sind. Es ist über diese Maßregel mannigfach geurtheilt worden, und Sie werden mir erlauben, auch mein Urtheil hierüber abzugeben. Die jüdischen Gemeinden sind durch dieses Gesetz eigentlich nicht weiter zurückgekommen als die jüdischen Gemeinden in Deutschland nun stehen. Die Kahals hatten die Kopfsteuer pr 8 Rub. Ass., die jeder Israelit zu zahlen hat, zu kollektiren, und den Betrag ihrer Gemeinde an die Kronsrenterei abzuliefern. Dieses Recht ist ihnen nun genommen und jeder Israelit hat selbst seine Kopfsteuer an die Renterei zu zahlen. Die Kahals hatten ferner das Recht, die treffende Anzahl Rekruten aus ihrer Mitte zu erheben und sie der Regierung des Gouvernements, das sie bewohnen, zu stellen. Es ist nämlich in Rußland keine allgemeine Mititärpflichrigkeit, wie in Deutschland, eingeführt, wo ein Jeder, der das 21. Jahr erreicht hat, wenn nicht besondere Ursachen vorhanden sind, konskriptionsfähig ist. In Rußland werden vielmehr von je tausend Seelen fünf, sechs bis sieben, wie es das Bedürfniß des Staates eben erheischt, zum Militär genommen, und blos die Familien des Adels, der Kaufleute und Gelehrten sind in der Weise eximirt, daß sie in dieser Beziehung nicht mitgezählt werden. Obwol nun bei der Aushebung der Rekruten die Familien der Reihe nach darankommen müssen, so hat jede Gemeinde das Recht, die moralisch-schlechten Subjekte derselben abzugeben, und dadurch die ordentlichen zu verschonen. Da es in den starken jüdischen Gemeinden Rußlands an Pöbel auch nicht fehlen kann; die Kahals alle diejenigen kannten, die sie zu dieser Klasse rechnen durften, so gaben sie natürlich, wo sich die Gelegenheit darbot, dieselben ab, und verschonten dadurch die besseren Familien. Auch dieses Recht ist den Juden genommen, und die Magistrate in jeder Stadt haben die Rekruten ihrer Stadtbewohner zu stellen. Die Kahals waren ferner diejenige Behörde, an welche sich die Regierung in allen allgemeinen jüdischen Angelegenheiten wandte, sie waren es auch, die alles jüdische Interesse bei der Regierung vertraten. —