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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-08-30 · Heft 36 (30.8.1847) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 36 (30.8.1847)
Date
1847-08-30
Page
Seite 545 (sequence 9)
Language
German
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545 Bon der Donau, im Juli. (Privatmitth.) Nach den stürmischen Bewegungen in unseren Gemeinden sollte man wahrlich zu schließen berechtigt sein, es wäre Leben in die versteinerten Massen gekommen — und das Gekreische sei der Vorbote einer nahen Geburt des Bessern und Guten. — Aber blickt man etwas tiefer in die Wirren, so ersieht man bald, daß es das rohe Gepolter rauher Körper ist, die einander nicht tragen und nicht vertragen wollen. In der amulettenreichen, frommen Gemeinde Ujhelio wurde der Rabbiner schubirt, weil er Chassid ist; und Szegedin, das längst freidenkende, entläßt ihren Rabbiner, weil er ein rationelles Büchlein geschrieben haben soll. Czüküthurn, das minder fromme, jagte ihren Rabbiner weg, weil er einem Reichen das späte Nachhausekommen am Freitag Abend mit Schonung nachsah; — und das orthodoxe Körmend versagt ihrem orthodoxen Rabbiner schon drei Monate den Gehalt, damit er — gehe. Neusatz, die Gemeinde, in welcher schon einige orthodoxe Rabbiner Märtyrer wurden, hat einen deutsch predigenden Rabbiner aus Assad gewählt; es wurde auch ihm bereits gerichtlich aufgekündigt, und nur ein 8tut»sguo- Befehl der k. Statthalterei erhält ihn noch für einige Wochen auf seinem Posten. Palota, wo man vor 6 Monaten protokollirte: es werde kein Rabbiner angestellt, der nicht vom preßburger und bonyhürder Rabbiner eine mntt habe, wählte einen studirten Rabbiner: Peter Singer, von welchem man ungarische Predigten (!!!) zu erwarten hat; — und Papa, das unter dem rigorosen Paul Horwitz die fürchterlichsten Kämpfe hatte, prozessirt nun gegen Löw. In Rechnitz, wo der Rabbiner den großen Schwur gethan: ninnar •’Sib« >n, es sei ein -iiw iicpb den Almemor hinauf zu rücken, errichtet man Schulen; — und in Pesth, das alle kleinen Manieren und großen Fehler der Stadt Paris hat, bildet sich eine fron o'to — und will man durchaus keinen allgemeinen Chortempel haben. Die Virtuosen im Genüsse des “ins ’-im sind Korrespondenten der orthodoxen Blätter — und Schüler des Rabbi Sophers, rathen zur irvso! — Kann man also ähnliche Regungen Leben nennen? Sind es nicht vielmehr krankhafte Zuckungen? In Ujhelly würde ein moderner Rabbiner, und in Papa ein Orthodoxer die nämlichen Kämpfe haben und — von einer und derselben Partei. Körmend würde einem modernen Rabbiner steinigen und den Szegedinern wäre ein obskurer Rabbiner unerträglich. In Rechnitz und in Pesth werden sich die neubegründeten Institute nicht erhalten können — und was in Ungarns jüdischen Gemeinden geschieht, verdient, wie unser Land überhaupt — keinen Kredit. Die Grundmotive der Auf- und Anregungen unserer Gemeinden sind: erstens, die zusammengelaufenen, weder in Schulen, noch in den Gemeinden gleichzeitig herangewachsenen und herangebildeten Glieder der meisten Gemeinden, stehen einander schroff, fast feindlich gegenüber. Für gut und schlecht hat man keinen Sinn. Man will nur das begründen, was der Andere nicht zu begründen denkt — und das verhindern, was der Wille eines Zweiten Hervorbringen will. Man hat zweitens nicht mehr den Glauben an einen nhnpn pan; man vergönnt also dem Rabbiner, der als Solcher bezahlt werden will, den Gehalt nicht — und will den wissenschaftlichen Rabbiner dafür nicht zahlen, daß er die Großen und die Kleinen, indem er sie manches Bessern belehren will, zu dominiren Veranlassung findet. Daß man überhaupt die Rabbiner und Lehrer zahlen muß, ist eine vorzügliche Veranlassung der bitteren Kämpfe. Denn in jeder Gemeinde bestehet die überwiegende Zahl in Solchen, welche in der Meinung leben: es würde ihnen ein Leichtes sein, so sie sich nur Zeit nehmen wollten, Gelehrte zu werden; folglich gegen Talent und Wissen gar keine Achtung in sich verspüren — und denen Alles leichter ist, als sich ihr Brod verdienen zu können, folglich mit grimmigem Neide jene verfolgen, die sie für Etwas bezahlen sollen — das ihnen kein Bedürsniß ist. Und die wirklich Gebildeten? Die Erwählteren? Von diesen weiß ich nur so viel, daß sie in allem dem eben Gesagten mit mir nicht übereinstimmen. Sie schreiben für Emanzipation, die eine Chimäre ist, sprechen vom Fortschritte in Ungarn, der nicht vorhanden ist; — wünschen innere Verbesserungen von Seiten des Landtages, ohne zu wissen, daß Erziehungswesen und Religionalien überhaupt, eine Sache der Regierung ist — wohin allein man sich mit ähnlichen Wünschen zu wenden hätte; sie vergessen an die allem Guten und Bessern widerstrebenden Arroganz und Rohheit, und wie der ungarische Jude erst Etwas achten lernen müsse — um Etwas wollen zu können! * x. y, z. 36*

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