Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1847)
- Date
- 1847-08-30
- Page
- Seite 544 (sequence 8)
- Language
- German
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544 mütl) wirkt, schnell Feuer zu fangen, und mit aller Glut der Begeisterung dafür einzustehen. Aber die schnell auflodernde Flamme erlischt bald wieder; die Begeisterung verwandelt sich in Kalte und Gleichgiltigkeit. Dies erfuhr der Schutzverein, die siumaner Eisenbahn, das Mathiasdcnkmal und — die Judenemanzipation. Das Räsonnement zu Gunsten der bedrängten Brüder hat den Reiz der Neuheit verloren, die menschenfreundlichen Redensarten sind abgenützt, das „Strohfeuer" — wie die Ungarn selbst ihre Begeisterung zu nennen pflegen — glimmt wol noch hie und da, doch ist's an den meisten Orten erloschen. Zweitens siel die Emanzipationsdiskussion unglücklicher Weise mit zwei Ereignissen zusammen, welche einem günstigen Resultate nichts weniger als förderlich sein konnten: mit dem neuen Wechselgesetze nämlich und der bekannten Geldkrise des vierziger Jahres. Die Erbitterung von der einen und die Empfindlichkeit von der andern Seite hat das Urtheil über diesen Punkt vielfach getrübt; kein Unbefangener kann aber die Thatsache leugnen, daß die neue Wechselordnung, welche der leichtsinnige, an die frühere Prozedur gewöhnte ungarische Edelmann nicht berücksichtigte, und die Geldkrise, welche den Zinsfuß selbst jenseits der Leitha erhöhte, und in Ungarn den Werth der Kapitalien um so höher steigerte, viele adelige Familien zu Grunde gerichtet, und mehr als einen jüdischen Wucherer bereichert hat. Ist es also zu verwundern, daß die Sympathien sichtbar abnahmen, und daß die verarmten oder ihre Freunde in Komitatsversammlungen gegen die Juden perorirten? Dazu kommt aber noch drittens, daß in den letzten sieben Jahren leider viel zu wenig geschehen ist, um für die Emanzipation einen festen Grund und Boden zu gewinnen. Junge Zeitungskorrespondenten, welche die Zustände Deutschlands besser kennen, als die ihres Heimathlandes, übersehen und übersehen es häufig, daß die Emanzipation in Frankreich und Deutschland ganz andere Antezedentien hatte, als in Ungarn. Während nämlich in Frankreich die Emanzipation konsequent aus anerkannten Prinzipien folgte; während in Deutschland die Theilnahme unserer Glaubcnsbrüder an dem Befreiungskämpfe den sechzehnten Artikel der Bundesakte hervorrief; sind wir in Ungarn gezwungen, uns auf Gleichheit der Pflichten, auf Gewissensfreiheit und auf eine liberale Politik zu berufen. Wie wenig Gewicht kann aber eine solche Berufung in einem Lande haben, wo gerade derjenige Theil der Bevölkerung die meisten Rechte genießt, der die wenigsten Pflichten zu erfüllen hat, wo den Unitariern kein Gottesdienst gestattet ist, und wo den zahlreichen und intelligenten Protestanten, die bei den Komitatsversammlungen und bei allen Dikasterien vertreten sind, noch so Vieles zu wünschen übrig bleibt. Hiebei ist nicht zu übersehen, daß die ungarische Gesetzgebung sich von jeher viel mit Religionsangelegenheiten beschäftigt hat, und daß die bürgerliche Berechtigung der Protestanten erst auf Grundlage ihres öffentlich abgelegten Glaubensbekenntnisses anerkannt wurde. Die Forderung, daß die Israeliten Ungarns ein Gleiches thun sollen, ist mithin von ungarischem Standpunkte vollkommen gegründet. Die Motion Schwads, bei der pakserRabbinerversammlung, ein Religionsbuch zu verfassen und einzuführen, war also auch in dieser Beziehung zeitgemäß. Auch die Motion Löws, den Beschlüssen des pariser Sanhedrins beizustimmen, hätte ihre wohlthätige Wirkung schwerlich verfehlt. Aber diese Motionen fanden keine Beachtung! Dies kann indeß nur den befremden, der unsere Zustände nickt kennet. Erlauben Sie mir, Ihnen dieselben in meinem Nächsten etwas näher zu beleuchten. Pesth, 10. August. (Privatmitth.) Diese Tage hat sich hier im Stillen ein Verein gebildet, der nichts Geringeres beabsichtiget, als in Preßburg während der Dauer des bevorstehenden Landtages auf seine Kosten einen Gottesdienst mit Predigt und Choralgesang einzurichten und auf seine Kosten zu unterhalten*). Die Primärschule wird ohne Zweifel das Lokal hergeben, und unsere tüchtigen Rabbinatskandidaten werden gegen eine angemessene Remuneration abwechselnd predigen. Zur Eröffnungspredigt soll unser würdiger Rabbiner Schwab aufgefordert werden. Manche geben sich bereits der sanguinischen Hoffnung hin, daß die Angelegenheit in Preßburg selbst eifrige Unterstützung finden werde; jedenfalls steht zu erwarten, daß die dortigen Kasinomitglieder sich neuerdings regen und das einmal unterbrochene Werk nunmehr mit Eifer fortsetzen werden. »,. — *) Soll dieser <Ar den Landtag sein, »der für die Juden? Red.