Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1847)
- Date
- 1847-08-30
- Page
- Seite 543 (sequence 7)
- Language
- German
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543 Z. 9973 haben Se. Maj. zu genehmigen geruhet, daß persönliche Begünstigungen für Staatsbürger jüdischen Glaubens von der Ablegung der jüdischen Eracht als Bedingung abhängig gemacht werden sollen, und daß alle geeigneten Anlässe benützt werden mögen, daß die Anzahl derjenigen sich mehre, welche diese Kleidung und die darauf beruhenden Vorurtheile ablegen. Nachdem übrigens seit dieser allerhöchsten Entschließung die Verhältnisse der Judenschaft zu Lemberg sich wesentlich geändert, die Judenweiber ihre bisherige jüdische Tracht mit Ausnahme der Stirnbinden größtentheils bereits abgelegt haben, und auch viele Männer sich großentheils deutsch kleiden; so hat die hohe Landesstelle mit Erlaß vom 18. v. Mts. Z. 34958 der Polizeidirektion aufgetragen, von dem lemberger Gemeindevorstande im Vereine mit den Ausschußmännern, dann dem Kreisrabbiner ein umständlich motivirtes Gutachten abzuverlangen, ob es nicht etwa dermalen an der Zeit wäre, wegen Ablegung der Judentracht einige und welche vorbereitende Verfügungen diesfalls zu treffen, besonders da selbst bei einem großen Theile der Judenschaft der Wunsch, die bisherige Tracht ablegen zu dürfen, bereits laut geworden ist. Der löbl. Gemeindevorstand wird demnach angegangen, die diesfalligen Aeußerungen anher vorzulegen. Lemberg, 2. Juli 1847." Aus diesem Reskript geht zur Genüge hervor, welche Bedeutung die österreichische Regierung der Ablegung der auszeichnenden Tracht mit Recht beilegt, einem Gegenstände, den sie schon seit Joseph II. einigemal in Angriff genommen, aber immer wieder fallen gelassen hat. Jetzt wird es hoffentlich Ernst werden, zumal den Schenkern auf dem Lande die Anlegung der deutschen Tracht bereits zur Pflicht gemacht worden. Das Beste und Klügste wäre wol, wenn die Konservativen sich mit einem Male zur Ablegung der alten Tracht entschlössen, ohne eine Verordnung abzuwartcn. Sie hätten wahrlich noch etwas Besseres zu konserviren als die Bekische und das Streimel, so wie die Aufgeklärten in anderen Dingen der vorausgeeilten Zeit nachzukommen als in der Kleidung nach der Mode. Erst bis man über den Kampf um diese Erbärmlichkeiten hinaus sein wird, wird man zu etwas Rechtem kommen können. Gebe Gott, daß man, bis es dazu kommt, nicht ganz erschöpft sei und glaube ausgekämpft zu haben! iVost iV PreßburK, Anfangs August. (Ungarische Briefe I.) Der bevorstehende Reiseplan unseres sehnlichst erwarteten Erzherzog-Statthalters ist durch die Zeitungen bekannt gemacht worden; der Zusammentritt der Reichsstände soll, — wie sonst Wohlunterrichtete versichern, — auf den 7. November festgesetzt sein, und Jedermann sieht der Zukunft mit gespannter Erwartung entgegen. Daß es in Ungarn anders und zwar besser werden wird, sprechen Viele mit aller Zuversicht aus, ohne — wie früher — eines schwärmerischen Optimismus beschuldigt zu werden. Nur die Emanzipationsfreunde — die jüdischen und die christlichen — sind etwas kleinlauter, schüchterner geworden. Zwar hat der edle Franz Pulsky vor Kurzem neuerdings den Versuch gemacht, die öffentliche Meinung von philanthropischem Standpunkte aus für uns zu gewinnen; zwar hat das von ihm angeführte Schreiben Leo Holländers die Engherzigkeit mehrer königl. Freistädte in's klarste Licht gestellt: die öffentliche Meinung scheint indeß von den stärksten Stimmen nur sehr schwach berührt zu werden. Es fallt dies um so mehr auf, als durchaus nicht zu leugnen ist, daß sich die ungarische Tagespresse im Ganzen von judenfeindlichen Tendenzen ziemlich frei zu halten wußte. Das Hirlap, Organ der äußersten Linken, redet der Emanzipation bei jeder Gelegenheit das Wort. Der Jclenkor, Organ des vermittelnden Fortschrittes, nimmt apologetische Artikel bereitwillig auf. Der Hirado, halboffizielles Regierungsblatt, hat seine Spalten einer Apologie des Talmuds geöffnet, und seitdem die Pesther Zeitung, Organ des deutschen Bürgerstandes, aufgehört hat, dem germanisch-herkömmlichen Judendrucke das Wort zu reden, ist es die wenig gelesene und unbeachtete Nationalzeitung, Organ der katholischen Priesterschaft, allein, welche ihren Mitarbeitern gestattet, die jüdische Bevölkerung als staatsgefährlich darzustellen. Allein trotz dieser günstigen Konstellation will die Emanzipationsfrage nicht wieder populär werden; ja Vielen erscheinen die menschenfreundlichen Emanzipationsverhandlungen vom Jahre 1849 wie ein schöner Traum! — Woher mag das kommen? — Fragt man unsere Komitatsredner und Publizisten über die Ursache dieser Umwandlung, so haben sie zweierlei zu erwidern. Erstens ist es dem Ungar eigen, für das, was durch seine Neuheit auf sein leicht entzündliches Ge-