Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1847)
- Date
- 1847-08-30
- Page
- Seite 539 (sequence 3)
- Language
- German
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539 und Wittwenunterstützungsverein für jüdische Lehrer überwiesen worden. Zur Gründung des Letztem ist ein Komitv gewählt worden. *) Königsberg, 5. Juli. Der Voss. Zeit, schreibt man: Wie man hört, wollen die hiesigen orthodoxen Juden gegen die Einräumung der Synagoge zu dem deutschen Sonntagsgottesdienste protestiren und der zweite auf den nächsten Sonntag festgesetzte Gottesdienst soll daher in der Synagoge schon nicht mehr stattsinden dürfen. Die Reformjuden-sehen sich aber nach einem andern Lokale um, und die freie Gemeinde soll sich bereit erklärt haben, ihnen Eins ihrer beiden Lokale einzuräumen. Bei dem ersten Sonntagsgottesdienste waren übrigens 4 exekutive Polizeibeamten am Eingänge und im Innern der Synagoge aufgestellt. Stolp, 3. August. (Privatmitth.) Mögen wir einstweilen mit den Verhandlungen des vereinigten Landtags zufrieden sein. Denn mag auch das Resultat ein weniger günstiges sein: das Volk, und zwar der Kern des Volkes hat für uns gesprochen; und dieser Kern, der sich im hohen Königssaale nicht beirren ließ, uns ein so glänzendes lestimouium maturitatis auszustellen, läßt sich noch weniger zu Hause beirren, und diese gute Stimmung und Gesinnung reift allmälig zu guten Früchten. Haben wir doch in unserm Pommern einen recht schlagenden Beweis! Auf den früheren Provinziallandtagen gehörte Pommern zu jenen Provinzen, welche die Judensache gar nicht zur Sprache brachten, und wo man also noch allgemeine Abneigung dagegen voraussetzen durfte; und wie brav haben diesmal seine Abgeordneten gesprochen! Ging doch von einem Abgeordneten Pommerns zuerst eine Petition für Emanzipation der Juden aus, von dem edeln, wahrhaft humanen Herrn v. Gottberg! und war es doch derselbe, welcher durch seine Interpellation an den Marschall die Debatte über den Entwurf hervorrief! — Aber außerdem ist die Stimmung der Bürger in den Städten eine sehr günstige für die Juden und giebt sich auch vielseitig zu erkennen durch das offene Vertrauen, das den jüdi- *) Auf die Nothwendlgkeit eines solchen Vereins haben wir schon 1836, Ist. Pred. und Schulmagazin Bd. III- S. 333 aufmerksam gemacht, und einige Grundlinien des Statuts daselbst entworfen. Red. fchen Einwohnern zu Theil wird. Thatsachen sprechen. In Köslin ist Herr B. Behrend, ein geachteter und gebildeter Kaufmann, Rathsherr; in Bublitz werden fortwährend Juden zu städtischen Aemtern gewählt; in Neustetrin, wo ein musterhafter Bürgersinn Juden und Christen vereinigt, ist Herr Ely Wehrend (Bruder des Vorigen), ein durch trefflichen Charakter wie durch Bildung hervorragender Israelit, von den Stadtverordneten einstimmig zu ihrem Protokollführer gewählt worden; derselbe wurde auch neuerdings zum Vorstandsmitgliede des Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger Gymnasiasten gewählt, und so spricht sich hier wie auch an anderen Orten am Schönsten das Vertrauen gegen die israelitischen Bürger aus. — An wem es nun sei, reif für die Ideen und Anforderungen der Zeit zu werden, wollen wir dem Urtheile jedes Unbefangenen selbst überlassen. K—n. Münster, 5. August. Wer die Beilagen der Ministerialdenkschrist zu dem Gesetzentwurf über die Verhältnisse der Juden gelesen, der wird sich erinnern, in welcher breiten Ausführlichkeit daselbst nach Berichten einzelner Beamten über die Art und Weise gesprochen worden, auf welche die Juden in Westphalen mit den Bauern verfahren und zur Verarmung derselben beitragen sollen. Man wird sich auch erinnern, daß aus gleichen Berichten ein Ausnahmegesetz für die Juden einiger Theile Westphalens hervorging, das erst vor Kurzem wieder aufgehoben worden. Die Juden haben stets diese Anklagen bestritten, indem diese nur aus Uebertreibungen einiger vorgekommenen Fälle hervorgegangen seien. Je jünger also die wiederholten Beschuldigungen sind, desto eifriger müssen wir nach schlagenden Beweisen greifen. Ein Solcher ist der folgende Artikel, den die Köln. Zeit, enthält, und der die Sachlage in so ganz anderm Lichte zeigt, daß wir ihn hier abdrucken lassen, so fern auch der Gegenstand uns eigentlich liegt. Er lautet: „Nicht nur in den Kreisen Marburg, Höxter und Paderborn ist die Lage der westphälischen Bauern — wie die „Deutsche Zeitung" berichtet — sehr drückend, sondern auch in dem -nördlichen Theile der Provinz, im eigentlichen Münsterlande, in der Gegend von Warendorf und Ahlen ist sie nicht günstiger. Ist es auch bei uns noch nicht bis zum Aeußersten gekom-