Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 35 (23.8.1847)
- Date
- 1847-08-23
- Page
- Seite 534 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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534 daß die Wahrheit und das Recht zuletzt doch immer den Sieg erringen, wenn man nur nicht müde wird, dieselben zu vertreten und zu vertheidigen. Denn war ich auch im Jahre 1836 sogar in einem eventuellen Anträge aufRevision der Verfügungen über das Patent unterlegen, so hatte ich doch vor Ablauf eines Jahrzehend die Freude und Genugthuung, für meine in der Sitzung der zweiten Kammer vom 13. Februar 1845 erneuerte Motion auf gänzliche Aufhebung des Patens nicht nur die einstimmige Zustimmung der beiden Kammern der Stände, sondern auch die Genehmigung der höchsten Staatsregierung zu erhalten, ja sogar noch vor dem Schluffe desselben Landtages eine jenen Beschlüssen entsprechende Vorlage großherzoglicher Staaatsregierung zu begrüßen, welche, von der Standeversammlung angenommen, in diesem Augenblicke bereits als Gesetz verkündet ist. Diese Geschichte der Aufhebung des Patentes zeigt Ihnen, meine Herren, schon jetzt auch die Geschichte und das demnachstige Resultat des Kampfes für die allgegemeine Emanzipation Ihrer Glaubensgenossen inDeutschland; sie verbürgt Ihnen die vollständige Emanzipation und zwar, wie ich hoffe, in einer nicht fernen Zukunft. Schwierig ist zwar allerdings dieser Kampf noch immer, zahlreich und mannigfach sind noch immer die Einwände und Hindernisse, die ihr entgegengesetzt werden. Allein eine Thatsache steht fest, die Thatsache nämlich, daß in allen gesetzgebenden Versammlungen derjenigen Staaten, in welchen die vollständige Emanzipation Ihrer Glaubensgenossen noch nicht ausgesprochen ist, mit jedem Jahre, die bisherige, die Emanzipation bekämpfende Majorität schwächer, mit jedem Jahre die auf die Anerkennung derselben dringende Minorität stärker wird. Mit Zuversicht dürfen wir uns daher der Hoffnung hingeben, daß sowol in unsecm Großherzogthum als in dem gesammten großen Vaterlande diese Minorität bald, recht bald zur Majorität werden wird. Meine Herren, mit der Entwickelung und Sicherung der bürgerlichen und politischen Freiheit geht Hand in Hand und ist auf das Innigste verwebt die Anerkennung und der Schutz der religiösen Freiheit, bestehend in dem Rechte und der Freiheit der Gottesvecehrung, ohne deshalb bürgerlichen oder politischen Nachtheilen ausgesetzt zu sein. Diese Prinzipien sind die Grundlagen, die Leiter und Richtschnur, welche in meiner parlamentarischen Laufbahn von jeher meine Handlungsweise bestimmt und welche von dem Tage an, wo ich mich zu denselben bekannte, mir Pflichten auferlegt haben, durch deren treue Erfüllung allein ich dem wichtigen Berufe, welchem ich mich seither gewidmet, entsprechen und meine eigne Befriedigung erlangen konnte. Indem ich daher die Aushebung der harten und drückenden Bestimmungen über das Patent als einen Akt der Gerechtigkeit für Ihre Glaubensgenossen begehrte und wiederholt dafür meine Stimme erhob, habe ich — eben so, wie bei einer andern Gelegenheit, wo ich, eine im Interesse der Mennoniten gestellte Motion eines Freundes unterstützend, für Aufhebung der politischen Nachtheile, denen diese achtbare Klasse unserer Bevölkerung wegen ihrer religiösen Ansichten bezüglich des Eides ausgesetzt war, kämpfte,— nur jene Prinzipien, zu welchen ich mich von jeher bekannte, vertheidigt und angerufen, nur deren Ausführung begehrt. Ich habe somit nur meine parlamentarischen Pflichten erfüllt und zwar ohne auf irgend einen besondern Dank zu rechnen. Denn wer nur handelt im Gefühle seiner Pflicht, fordert keinen Dank noch Lohn. Dagegen erkenne ich gern an, daß mir Nichts höher, schätzbarer und ehrenvoller ist, als die Anerkennung meiner Mitbürger. Die Adresse, welche Sie, hochgeehrteste Herren, mir im Namen sämmtlicher israelitischen Gemeinden der Provinz Rheinhessen so eben überreicht haben, ist mir daher als ein Zeichen der Anerkennung so vieler Tausende meiner Mitbürger und einer ganzen achtbaren und ehrenwerthen Bevölkerung ein höchst schätzbares und werthvolles Dokument und hat mich als Solches lebhaft bewegt und gerührt. Sie haben diesem Ausdrucke einer mir so schätzbaren Anerkennung auch noch einen kunstvollen Pokal beigefügt, als ein Zeichen Ihrer Hochachtung und der Hochachtung Ihrer Glaubensgenossen, meiner Mitbürger. In dieser Weise dargebracht, als ein Zeichen Ihrer Achtung und als eine Erinnerung an das wichtige Ereigniß, dessen wir uns Alle freuen, darf ich wol kein Bedenken tragen, denselben mit der mir überreichten Adresse anzunehmen und sage Ihnen hiermit für Beide meinen aufrichtigen und herzlichen Dank. Beide werden stets mir rheuere Andenken an einen Zeitpunkt sein, wo es mir gelungen ist, mitzuwirken zur Beseitigung einer Ungerechtigkeit, zur Aufhebung eines drückenden Ausnahmsgesetzes, welches in unseren Tagen nur noch von Vorurtheil oder Befangenheit vertheidigt werden könnte. Als solche theuere Andenken sollen sie stets in meiner Familie erhalten werden. Mögen meine Nachkommen dereinst bei dem Anblicke derselben keine anderen Gefühle haben, als das