Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 35 (23.8.1847)
- Date
- 1847-08-23
- Page
- Seite 531 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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531 Hebräischen, der heiligen Schrift und Geschichte angestellt, und der literarische und philosophische Unterricht ist zwei Prosessorm des königl. Kollege zu Metz übergeben worden. Das Konsistorium beantragt daher eine unmittelbare Hilfe von 1VVV Frs. für den Lehrer des Hebräischen und 4000 Frs. zum Ankauf neuer Mobilien, Bücher, zu Bauten rc., so wie den Kammern ein Budget von 15,000 statt 10,000 Frs. abzufordern. — Ueber das Reglement in der folgenden Nummer. Großbritanien. Aus Barer», im August. (Privatmitth.) Es ist geschehen, was wir schon seit Monden erwarten und wünschen — ein Jude, Rothschild — ist in's Parlament gewählt. Ja gewiß, wer nur ein wenig Interesse hat für die Sache seines Volkes, der blickte in den letzten Wochen sehnsüchtig hinüber nach den Ufern der Themse, bestieg im Geiste mit den Kandidaten der Altstadt dieHustings, zählte „im Poll" die Stimmen — und siehe da, aus der Urne stieg — der Jude empor. Die Wichtigkeit und Bedeutsamkeit dieses Ereignisses ist außerordentlich und nur wer mit den Verhältnissen Englands etwas vertrauter ist, wird sie ganz zu würdigen wissen. Die erste Wählerschaft Londons, ja der Welt, die Wählerschaft der City hat dem Juden faktisch die Befähigung zugesprochen, über sie als Richter und Gesetzgeber zu sitzen, und der Regent der ersten Weltmacht — denn das ist der jedesmalige englische Premier — der edle Lord John betritt Hand in Hand mit dem Juden die Stufen der Rednerbühne und fürchtet nicht, daß seine aristokratische Rechte entweiht werde durch die Berührung des unkirchlichen Mannes. Es ist dieses, meines Erachtens, der wichtigste Schritt, den die Sache der Emanzipation seit Jahren gemacht, denn wenn in anderen Landern in Folge blutiger Umwälzungen die Sache der Freiheit sich Bahn gebrochen und in deren Folge die gleiche Berechtigung der Konfessionen ausgesprochen wurde, hat hier die Sache der Humanität auf dem Wege ruhiger Ueberlegung, auf dem Wege langsamen aber sichern Fortschrittes das Terrän Schritt vor Schritt sich erobert. Während dort an der Spree das Prinzip des „christlichen Staates" geltend gemacht wurde, hat das hoch kirchliche Albion seine unchristlichen Mitbrüder faktisch gleichgestellt und — ich bin es überzeugt — kömmt die Frage im Parlamente zur Verhandlung, so werden sich Whig und Tory, Protektionist und Freetrader die Hände bieten, um das arme Brudervolk in ihre Mitte auszunehmen und nur der bicimrebman Sir Robert Jnglis, der hochkirchliche Vertreter des hochkirchlichen Oxfort, wird mit wenigen Gleichgesinnten seine Stimme dagegen erheben. Während sie dort „im Sande" an Menschenrechten herummäckelten, hat das Handelsvolk Albions, haben die Krämer an der Themse alle Theorieen und Sophismen jener über den Haufen geworfen, haben den „großen Handelsmann" in ihre Mitte ausgenommen und nicht gefürchtet, daß ihnen ein Geschäftchen zu Grunde gehe. Ja, die erste Macht der Welt hat es mit Lapidarschrift eingegraben das große Wort in die Tafeln der Geschichte: Gleichheit allenKonfessionen, und keine Macht der Welt vermag es mehr zu löschen. Und gewiß, wir geben uns keinen zu sanguinischen Hoffnungen hin, wenn wir behaupten, daß dieses für uns so jfreudige Ereigniß seinen Einfluß ausüben werde auf den ganzen Kontinent. Sie werden hinüberschauen die Völker Europa's nach jenem Eilande, sie werden sehen was das edle Brudervolk an den Ufern der Themse gethan für feine gedrückten Mitmenschen, sie werden sich dem unaufhaltsam fortrollenden Zeitenrade nimmer in die Speichen werfen, der mächtige Ruf der Zeit wird auch zu ihren Ohren dringen, sie werden zu sühnen suchen eine alte tausendjährige Schuld, sie werden brechen die Ketten eines unglücklichen Volkes und es aufnehmen als Eines der ihrigen. H. Hochheimer, Prediger. Deutschland. Mainz, 6. August. (Privatmitth.) Sie erlauben mir wol, folgende Details über einen, auch in Ihrer Zeitung schon berührten Gegenstand, Ihnen mitzutheilen. Vor einigen Tagen begaben sich die Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, welchen sich Deputationen der Gemeinden von Bingen, Worms und Alz ei angeschloffen hatten, zu dem Abgeordneten, Herrn ObergerichtsrathDr. Glaubrech, und überreichten ihm in dankbarer Anerkennung seines folgereichen Wirkens auf dem letzten Landtage für Aufhebung des sogenannten Moralpatents eine Adresse, begleitet von einem silbernen Pokal, der, in seiner