Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 35 (23.8.1847)
- Date
- 1847-08-23
- Page
- Seite 530 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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wieder mehrere junge Gemeinden, und haben schon Individuen alsChasan und Schächter angestcllt; wie: Patterson, Herdsord, etwas entfernter, Buffalo, Chicago. Dr. Lilienthal. Die Schweiz. Bern, im Juli. Vor einigen Wochen legte das Ziviltribunal von Bern einem Israeliten den Eid more judaico auf. Es wurde hierzu der Rabbine Nordmann zu Hegenheim (Elsaß) requirirt. Am Tage des Termins erschien R. Nordmann an der Barre, erklärte sich bereit, einen einfachen Eid, die Hand auf die Bibel gelegt, abzunehmen, daß aber sein Gewissen ihm nicht erlaube, sein Amt für Formen (de» wowerie») zu leihen, die in Frankreich abgeschafft und durch seine Religion verurtheilt seien. Seine Gründe entwickelte er in einer sehr beredten Rede, die die Richter so überzeugte, daß sie nach kurzer Berathung beschlossen, daß der Forderung des Rabbinen genügt werde, und votirten sie demselben einen Dank. (Nach der kur. Ver.) Frankreich. Paris. Zn der Sitzung vom 8. Juli hat die Kammer das Budget des israelitischen Kultus in Algerien mit einer von der Kommission vorgeschlagenen Reduktion von 5000 Frs. votirt. — Das israelitische Konsistorium von Oran ist den 22. Juni sehr feierlich installirt worden. (l’Univ. isr.) — Die israelitischen Lehrer aus dem Departement des Oberrheins wollen den 27. Oktober eine erste Konferenz zu Mühlhausen abhalten. Als Fragen für diese erste sind aufgestellt: „Welche sind die wirksamsten Mittel, um den Kindern die Liebe zur Arbeit einzuflößen?" „Genügt das vom Zentralkonsistorium eingeführte krecis eiementaire zum Religionsunterrichte?" (kur. Ver.) —. In Frankreich besteht seit 1829 eine Rabbinerschule zu Metz, aus welcher die französischen Rabbinen hervorgehen müssen. Sie hat ihres gleichen nur eine zu Padua, denn die s. g. Rabbinerschule zu Warschau ist längst eine tüchtige höhere Bürgerschule geworden. Das Zentralkonsistorium hat die Wichtigkeit dieser Schule erkannt, sie jüngst durch Franck und Munk untersuchen lassen, und nunmehr einen sehr interessanten Bericht an das Ministerium der Kulte gerichtet. Die Bedeutsamkeit des Gegenstandes wird es rechtfertigen, wenn wir aus diesem Berichte ein Näheres mittheilen. Derselbe zerfällt in zwei Theile, deren erster die äußeren Verhältnisse der Schule bespricht, der zweite ein neues Reglement der Anstalt der Approbation des Ministers unterbreitet. — Ueber den moralischen Zustand des Instituts spricht sich der Bericht sehr belobend aus. „Lehrer und Schüler sind gleicherweise von ihren Pflichten durchdrungen, und erfüllen sie mit einem Eifer, in welchem man die kräftige Einwirkung des religiösen Gefühls erkennt. Lehrer und Schüler sind gleicherweise vom besten Geiste beseelt, und verbinden mit einer soliden Frömmigkeit, mit einem unerschütterlichen Glauben die glühendste Liebe Frankreichs und seiner Institutionen, eine wahre Einsicht in die Bedürfnisse der Zeit, und die tiefe Ueberzeugung, daß die Pflichten des Menschen und Bürgers nicht von denen der Israeliten getrennt werden können." Vier Großrabbinen, 15 Rabbinen und 5 Lehrer sind bereits aus dieser Rabbinerschule hervorgegangen. Desto erbärmlicher ist ihr äußerer Zustand. Die Lokalitäten der Schule und ihr Mobiliar sind dermaßen zerfallen und drohen den Einsturz, daß man sie gar nicht berühren darf. Die genauere Schilderung erregt Mitgefühl und Entrüstung. Die Bibliothek ist höchst mangelhaft, keine Klassiker, Keines der neueren Werke Frankreichs und Deutschlands, die für die jüdische Theologie unentbehrlich geworden. Es ist dies eine Folge der schlechten Dotation aus der Staatskasse, die nur in jährlich 10,000 Frs. (2666 2/3 Thlr.) besteht. Davon müssen 9 Schüler, 1 Direktor und 4 Professoren, Miethe für ein Nebenlokal rc. getragen werden. Der Direktor, Einer der tüchtigsten Theologen, der täglich 3 Stunden unterrichtet und die Verwaltung allein besorgen muß, hat 1400 Frs. (373'/3 Thlr.), jeder Professor 1000 Frs. (2662/z Thlr.), der Musiklehrer 200 Frs. (53'/» Thlr.), und davon müssen sie noch bisweilen einen Theil erlassen, um ein Defizit zu vermeiden.— Hinsichtlich des Studiums ist die Anstalt in einem, den schwachen Hilfsmitteln und der bisherigen Organisation nach, guten Zustande. Dennoch müssen die Studien, um den veränderten Bedürfnissen zu genügen, große Veränderungen erfahren. Einstweilen hat das Konsistorium den Gebrauch der deutschen Sprache beim Talmudstudium ab ge sch afft, und dafür die französische eingeführt; es ist ein neuer Lehrer des