Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 35 (23.8.1847)
- Date
- 1847-08-23
- Page
- Seite 529 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225533--08805-3239638- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
529 hundertjährigen Leiden uns wieder als Menschen, als Gottessöhne! Ja, frei sind wir, und ohne daß man uns Bedingungen gestellt, ohne daß man mit unserm Glauben geschachert und gemäkelt hätte. Hat man uns in diesem Lande den Sabbat als ein Hinderniß in der Erfüllung unserer Bürgerpflichten vorgeworfen? Nimmermehr! Das Gesetz ordnet nur an, daß jeder Bürger dieses Landes einen Lag in der Woche feiern müsse — welcher Lag, das bleibe der Religion eines jeden Einzelnen überlassen; und der Sabbat mit seiner Weihe und seiner Feier und seiner Ruhe scheint ihnen so wenig ein Hinderniß, daß es sogar christliche Sekten giebt, die am Sabbat ruhen und am Sonntag arbeiten. — Hat man uns den Lalmud vorgeworfen? Hat man uns zugerufen: die Gesetze des Talmuds hindern Euch, gute Bürger zu sein? Nimmermehr; denn die Gesetze des Talmuds, der einen Rabbi Mba sagen läßt: ^iaa ‘pnb nanai nnria bni bba inr, der einen Hillel als oberstes Prinzip der jüdischen Religion den Satz aussprechen läßt: «Via nmnn it ab ^nunb *]b noi na mal bn uwirnv ■prat, die Gesetze dieses Talmuds sind freisinniger, als die sklavischen Gesetzgebungen Europa's, die solcher Fundamente in ihren Gesetzbüchern entbehren. Was kümmert sich hier der Staat um die Weise, wie der Mensch Gott verehren will; glaube und bekenne Jeder, was er wolle; der Staat als Staat will hier nur, daß ein Jeder ein wackerer und nützlicher Bürger sei. — Hat man Euch hier, wie in Deutschland, zugerufen: Ihr müßt erst besser werden, d. h. Ihr müßt erst Euch taufen, ehe wir Euch als Menschen und Bürger betrachten, ehe wir Euch Freiheit geben? Nimmermehr; dies Land und sein Gesetz ruht auf dem Worte: der Mensch ist zur Freiheit geboren; lasset ihm den freien Gebrauch seiner Kräfte, öffnet ihm Mittel und Wege, um sich zu ernähren, und ein Jeder wird gut und brav sein. — So hat man Euch hier keine Bedingungen gestellt; so hat man Euch Keines vorgeworfen. Hier hat die Geschichte von Neuem begonnen, und in diesem Beginne will man Nichts von den Ungerechtigkeiten Europa's wissen. Ein Gott im Himmel und auf Erden, und alle Menschen seine Kinder — alle von ihm, dem Allergnädigstcn, zu gleichen Rechten, gleichen Pflichten und gleichem Genüsse bestimmt; das ist das Gesetz dieses Landes, der Jubelruf, der Siegespäan des heutigen Festes — frei, frei stehen wir hier, Brüder, und haben wir nicht Grund genug, des heutigen Tages uns zu freuen. — O so lasset uns streben, des heutigen Tages, der neuen Freiheit, des neuen Gesetzes würdig zu werden rc. rc. rc." Nachdem die Rede mit einer dringenden Aufforderung zu Vaterlandsliebe geschlossen hatte, beteten die drei Vorsänger einen zweiten Psalm. Dann nahm der Oberrabbine die Tora aus der heiligen Lade, und sprach das Gebet für das Land und seine Behörden, in das aber ein besonderes Seelengebet für Washington, Jefferson, Adams und Franklin und alle die Männer, die die Unabhängigkeitsakte unterzeichnet haben, eingeschaltet wurde. Der Gottesdienst wurde dann von dem Chore mit einem Psalm geschlossen. Begeistert ging die Menge dann auseinander, und rühmlichst anerkannten es die christlichen Amerikaner, daß ein solcher Geist der Freiheit unter den Juden wohne, daß sie mit solchem Feuer an dem „domo ok tbeir adoption" hangen. Es verdient dabei noch besonders bemerkt zu werden, daß der 4. Juli in diesem Jahre auf Sonntag fiel, und die Feier, wie gewöhnlich, deshalb auf den 5. verlegt wurde; da der Sonntag mit seiner Feier die Juden aber Nichts angeht, so feierten Letztere das Fest Sonntag Abends, was allgemein gut ausgenommen wurde. Die Gemeinde „Shaare Tephila" dahier hat am 25. Juni ihre neue Synagoge eingeweiht. Sie kostet über 30,000 Dollars und ist im byzantinischen Style erbaut. — In New-Orleans hat Herr Juda Touro, Einer der angesehensten und reichsten Juden, die dort leben, eine Kirche für 40,000 Dollars (100,000 Fl.) käuflich an sich gebracht, dieselbe auf seine Kosten in eine Synagoge umwandeln lassen, und das ganze Gebäude der jungen jüdischen Gemeinde daselbst geschenkt. Die Synagoge soll eine Zierde der prachtvollen Seestadt sein, und wahrscheinlich den Tempel der Gemeinde in Charlestown übertreffen, der bisher als das schönste jüdische Gotteshaus nicht nur in den vereinigten Staaten, sondern auch in Europa betrachtet wurde. — Wie bekannt gehört der Tempel in Charlestown einer portugiesischen Gemeinde unter Leitung des Herrn Posnanski, der seit seiner Anstellung den ■>2ia ri"' abgeschafft hat; diese Neuerung hat eine Trennung in der Gemeinde herbeigcführt; die Alten traten zurück, und haben sich jetzt eine neue Synagoge erbaut. — In der Nähe von New-Pork organisiren sich