Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 35 (23.8.1847)
- Date
- 1847-08-23
- Page
- Seite 528 (sequence 4)
- Language
- German
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528 spruch geralhen; sie soll ausgleichen und zugleich gutachtlich entscheiden, und dies Ln einer und derselben Arbeit. Würde der Kommission eine unmittelbare Verbindung mit den Gemeinden frei stehen, so würde sie zuerst die Ausgleichung versuchen können, und wenn dies fruchtlos wäre, ein entscheidendes Gutachten abgeben. Also auch hier wird eine nähere Deklaration nothwendig sein. 2) im Einzelnen. Die Gemeinden haben eine Verfassung erhalten, die repräsentativ ist. Administration von Seiten des Vorstandes, Vertretung von Seiten der Repräsentanten. Hingegen hat die Gemeinde an sich außer der Wahl der Individuen keinen Einfluß. Die Repräsentanten haben keine Instruktion von ihren Kommittenten zu nehmen, und die Gemeinde ist den Beschlüssen derselben unterworfen. Der Zustand der preußischen Gemeinden ist dadurch ein ganz neuer geworden. Allerdings finden sich in einigen Gemeinden diese Institute seit langst, die und die stellen dies dar. Allein in Preußen ist dies seit geraumer Zeit in den meisten Gemeinden anders geworden. Theils standen die Aeltesten autokratisch, theils galten Gemeindeversammlungen, und die Majorität der Stimmenden entschied. Beides soll nicht mehr sein, und der Mittelweg ist eingeschlagen. Hierbei ist nur das Eine bemerkenswerth, daß in religiöser Beziehung eine Vertretung sehr mißlich oder fraglich ist. So weit es die äußeren Gemeindeangelegenheiten betrifft, wird man wol einer Anzahl gewählter Männer sich gern anvertrauen. Aber sobald es innere, religiöse Fragen betrifft, so kann kaum eine Vertretung von Hunderten und Tausenden durch höchstens 21 Männer, bei denen eine Stimme wieder die Majorität bilden kann, angenommen werden. Man kann hierbei kaum von irgend einer Erfahrung sprechen: denn wer weiß nicht, daß die neuere Zeit Ln religiöser Beziehung so viele eigenthümliche Erscheinungen, so viele Extreme und Konflikte hervorgebracht hat, daß der Maßstab früherer Zeit gar nicht angelegt werden kann. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Nordamerika. New-Uork, 5. Juli. (Privatmitth.) Die deutschen Gemeinden in New-Pork, die zu dem Rabbinate des vr. Lilienthal sich zählen, feierten den 4. Juli, den Tag der Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1776, auf echt patriotische Weise. Sonntags, den 4. Juli Abends 7 Uhr versammelten sich die Mitglieder der Gemeinden und ein zahlreiches Auditorium in der Synagoge Schaare Schomajim, die reich verziert und erleuchtet war. Nachdem der Chor Psalm CX1II gesungen hatte, beteten die drei Vorsänger wechselsweise Psalm 33. Dann bestieg der Oberrabbine die Kanzel, und hielt die Festrede über Psalm 33, V. 16.17.18. '31 Nb “roa bTi ana siaia ^bnirt 'ps. In dem ersten Theile derselben behandelte er die Segnungen der amerikanischen Freiheit für die Menschheit im Allgemeinen, im zweiten Theile behandelte er diese Segnungen für die Juden in's Besondere; und sprach sich in folgender Weise aus: „Und wenn wir nun als Menschen uns mitzufreuen haben und dem Herrn des Weltalls unsere Lieder Dank und Preis und Anerkennung zujubeln, so haben wir, wir Juden uns noch ganz besonders zu freuen; denn welch großes Gut hat der 4. Juli dem Juden nicht gebracht! Hat man uns in diesem Lande emanzipirt? Hat man uns, wie es die Besseren in Deutschland versuchen, in diesem Lande aus altem Joche befreit? Nein, Brüder; das wäre ja aber eine Erinnerung daran, daß wir einst Sklaven waren; daß man Gnade für Recht uns erwiesen und die Ketten uns abgenommen hat. Selbst das Wort Emanzipation erinnert noch immer an die alten Schand- und Ausnahmegesetze, wie man es dem entlassenen Gefangenen ansieht, daß er in Ketten gelegen und nun aus dem Kerker entlassen wurde. So tief sind Männer, wie Washington, Jefferson und alle die Unsterblichen, die die Unabhängigkeitsakte Unterzeichneten, nicht gefallen! In das Wort: „Alle Menschen sind gleich und haben gleiche Rechte", in dies Wort legten sie es hinein, daß wir als Menschen gleichen Anspruch auf alle Rechte haben; daß wir so viel sind und bedeuten, als auch alle Anderen sind; keine Freigelassenen, keine Emanzipirten, sondern Gotteskinder, Freigeborene, bestimmt zu Lust und Freude, wie jeder andere Mensch. In dieser Wahrheit liegt die Freude des heutigen Festes für das jüdische Herz; frei erheben wir das Haupt, wie jeder Andere, reichen ihm die Bruderhand, geben ihm den Bruderkuß, und fühlen nach achtzehn-