Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1847)
- Date
- 1847-08-16
- Page
- Seite 520 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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520 Deutschland. Mainz, 31. Juli. Gestern wurde dem Herrn Obergerichtsrath Glaubrech dahier, dem wackern, unermüdlichen Kämpfer für Beseitigung des Jud enpatents, von Seiten der Israeliten der Provinz Rheinhessen ein silberner Pokal als Zeichen der Anerkennung und Würdigung seiner edelen Bestrebungen überreicht. Sondershausen, im Juli. (Privatmitth.) Beim Rückblick auf den ersten vollendeten preußischen Landtag und über so manche dabei von oben herab gethane Aeußerungen, die uns wahrhaft schmerzlich berührten uud die anfängliche Begeisterung in Etwas kühlten, können wir es uns nicht versagen, aus unserm Kreise einiges Bezügliche in Kürze zu berichten. — Unser Rabbiner Heidenheim, Kollaborator an der fürstlichen Realschule, unterrichtet nun schon seit länger als 7 Jahren in der ersten Klasse Jünglinge von 15—18 Jahren in der allgemeinen Geschichte zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten, ohne daß diese je ein religiöses Bedenken gesunden hätten; ja, er trägt sogar im Werlaus des Kursus auch dieReformationsgeschichte vor, wobei er natürlich rein objektiv verfährt. — Seine Ausdrucksweise in der deutschen Sprache, worin er gleichfalls unterrichtet, bezeichnete der Direktor oft schon als musterhaft; durch sie zog er bereits vor Jahren die hohe Aufmerksamkeit seines durchlauchtigsten Fürsten auf sich. Die Schüler sind ihm mit voller Liebe zugethan, und hinsichtlich der Disziplin hatte er nie Klage zu führen, obwol er fast nur erwachsene Schüler unterrichtet. — Seit Ostern ist er auch, von seinem Fürsten, unter höchster Anerkennung mit seinen bisherigen Leistungen, zum Mathematikus der Anstalt ernannt undinnerhalb des letzten halben Jahres zweimal mit einer Gehaltszulage erfreut worden.— Auch die israelitische Gemeinde hat ihn damit vor Kurzem nach Kräften bedacht um ihn seinem gedeihlichen Wirkungskreise zu erhalten. — Um überhaupt Haupt einen sprechenden Beweis zu geben, wie wenig man hier Ursache hat es zu bereuen, die christliche Jugend von Israeliten mitbilden zu lassen, mag der Umstand dienen, daß seit Ostern c. nun auch der israelitische Religionslehrer Goldschmidt in den Elementar! lassen der Realschule von unsrer humanen Dberschulbehörde beschäftigt worden, und auch er entspricht vollkommen den gehegten Erwartungen und wirkt mit zur Widerlegung und Entkräftigung kränkender Vorurtheile; denn facta Ioquuntnr! — Von Pfingsten c. ab wird der israelitischen Jugend mit Genehmigung hochfürstlicher Landesregierung auch der Religionsunterricht unter Leitung unsers Rabbinen in den Räumen der Realschule ertheilt, wobei von dem würdigen Direktor dieser Anstalt etwaige Kollisionsfälle bereitwillig ausgeglichen werden. — Es war ein erhebender Moment, als dieser edle Mann bei dem Eintritt dieser erfreulichen Maßregel Worte der Liebe und der echten Humanität an die israelitische Jugend richtete, und unser Rabbiner ihm dafür innig gerührt dankte. Abgesehen von dem großen moralischen Werthe dieser Gewährung, erwächst der israelitischen Gemeinde auch ein nicht unbedeutender pekuniärer Nutzen daraus, und so vermochte der löbliche Vorstand, der so gern alles Gute und Treffliche fördert, dem Rabbinen das ganze Gemeindehaus als Amtswohnung zu überweisen. Dabei müssen wir uns jedoch ausdrücklich dagegen verwahren, als ob Jndifferentismus die Triebfeder zu all diesen Ereignissen wäre, wir können vielmehr feierlich versichern, daß hier beiderseits ein echt religiöser Geist obwaltet. — Gegenwärtig ist auch unser Landtag wieder versammelt. Da der letzte Landtagsabschied ein Gesetz über die staatsbürgerlichen Verhältnisse der Israeliten in Aussicht gestellt, so hat der Gemeindevorstand eine kernige Petition, worin namentlich die etwaigen Einwürfe im Voraus widerlegt sind, abgefaßt von unserm Rabbiner, an den durchlauchtigen Fürsten ergehen lassen, und wir dürfen uns den erfreulichsten Hoffnungen hingeben. Die Verhandlungen werden durch den Druck veröffentlicht; jedoch kommt unsre Lage erst nach Ablauf einer bevorstehenden Vertagung des Landtags im kommenden Herbste zur Sprache. Wir werden zur Zeit Bericht darüber erstatten. — Zum Schluß noch die Thatsache, daß seit einigen Jahren hier eine gemischte, vom Staate sanktionirte Ehe besteht. Der Mann ist ein Beamter des fürstlichen Hofmarschallamtes, und die Frau die Tochter eines hiesigen Israeliten. Oesterreich. Aus der Bukowina, 20. Juli. (Privatmitth.) Wie schwer das Leben dem Juden gemacht werden