Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 33 (9.8.1847)
- Date
- 1847-08-09
- Page
- Seite 507 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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507 So wurde ein unschuldiges Verleihen eines Buches durch Verleumdung nach und nach zu einer Lawine, die den ganzen christlichen Glauben der Blatzheimer zu verschütten drohte. Wessen bedurfte es mehr, als jener Worte von der Kanzel, und der ausgestreuten Gerüchte, um das Volk aufzuregcn und besonders den Pöbel zu erbittern. Rasch benutzten diese Aufregung der Gemüthcr Einige, deren Beweggründe besonders Gcschaftsneid und Judenhaß waren, den Pöbel immer mehr zu erhitzen und zu Gewaltthaten zu reizen, und — es gelang auch zum Theil. Ein Pöbclhause durchzog bald Abends tobend und lärmend die Straße und versammelte sich vor meinem Hause. Hier wurden unter Ausstoßung fürchterlicher Drohungen die gemeinsten Schimpflieder gesungen; jedoch ist es weiter zu keinen Gewaltthaten gekommen, als daß an einigen Abenden mit Steinen nach dem Hause und einige Scheiben entzwei geworfen wurden. Jenes tumultuarische Versammeln vor meinem Hause und Singen wurde noch an vielen Abenden wiederholt, jedoch ist mein Haus weiter nicht beschädigt worden. Es mußten mich diese Austritte um so tiefer schmerzen, als ich immer mit der hiesigen Einwohnerschaft im besten Einverständnisse und Frieden gelebt und mir schmeicheln durfte, mir die Liebe und Achtung Aller erworben zu haben. Als der Pfarrer über den wahren Hergang der Sache eines Bessern belehrt worden, und gehört hatte, daß nicht 12 Bücher sondern 1 Buch, und auch dies nicht verbreitet, sondern nur geliehen worden war, ermangelte er auch nicht, von der Kanzel herab mehrmals jene Tumulte mit Entrüstung zu rügen. Die Besseren, die ohnehin durch Aufklärung über die Sache beinahe beruhigt waren, dachten wenig mehr daran. Aber nur von geringem Erfolge waren die Strafpredigten bei dem Pöbel, der immer von Neuem wieder aufgeregt, und, man bedenke, zum Theil für seinen Tumult bezahlt und in seinen Unruhen förmlich geleitet wurde von den auch schon oben angegebenen Neidern und Hassern. Eine besondere Rolle spielte hierbei Einer meiner Konkurrenten, der in heiliger Angst war, nicht über die der Religion drohende Gefahr, nein, über die sich immer mehr erweiternden Geschäftsverhältnisse der Juden, welchen er durch seine Machinationen Grenzen setzen wollte. Die Tumultuanten sind zum Theil vom Gerichte bestraft, zum Theil noch in die Untersuchung verwickelt. Ich erkläre, mit Bezug auf den Eingangs erwähnten Artikel der Itg. des Jud., daß ich allerdings den hiesigen Ort aus Anlaß der Unruhen und besonders wegen der Gesinnungen, die sich hier kund gegeben, verlassen werde, aber nur aus eigener, freier Entschließung. Ich schließe mit der Hoffnung zu Gott, daß die Zeit nicht mehr fern sein möge, wo das Licht der Aufklärung auch bis in die entlegensten Orte dringt, die Finsterniß immer mehr aufzuhellen, die Nebel des Vorurtheils und des Wahnes immer mehr zu zerstreuen, und die Sympathien der Menschen näher zu bringen; wo Toleranz und gegenseitige Achtung die Gemüther erfüllen, damit die Bosheit endlich aufhöre, zu ihren Schandthaten die Maske von der Religion zu erborgen. Js. Kaufmann, Vorsteher der israel. Gemeinde zu Kerpen und Mitglied des israel. Konsistoriums zu Krefeld. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1^4 Ngr. (I gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Gesuche. Für die hiesige Gemeinde wird f'Hri ^8 rn ein Religionslehrer, Vorbeter und Schächter gesucht. Derselbe erhält einen fixen jährlichen Gehalt von 158 Thlc. nebst der sogenannten Schechite und Akzidenzien. Hierauf Reflektirende wollen sich unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse bis den 1. Oktober a. c. bei Unterzeichnetem Vorstande melden. Ellrich, den 27. Juli 1847. Der israelitische Gemeindevorstand. Z. H. Marburg. Eine deutsch-israelitische Gemeinde zu New-Vork, an welcher zugleich der Oberrabbiner vr. Lilienthal als Prediger angestellt ist, sucht einen Ehasan, welcher 1) ein wissenschaftlich gebildeter Mann sein muß, 2) muß derselbe musikalisch sein, um einen Chor leiten zu können, 3) muß derselbe, was man im Allgemeinen darunter versteht, ein guter sein, und 4) hat derselbe über sein moralisches und religiöses Betragen glaubhafte Zeugnisse beizubcingen, wofür ein jährlicher Gehalt von 1008 preuß. Thaler» ausgesetzt ist. Die Stellung des bei dieser Gemeinde ist sowol angenehm als ehrenvoll, da derselbe Niemandem unter-