Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 33 (9.8.1847)
- Date
- 1847-08-09
- Page
- Seite 506 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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506 Literarische Nachrichten. Magdeburg, 12. Juli. nis^hs isd Bechinot OJam. Betrachtungen über das Weltleben von Sedajah Penini Bedarschi, mit interpunktirtem ebräischen Text und einer neuen, metrisch-gereimten, treuen Übersetzung von M. E. Stern. Nebst einer biographischen Einleitung von Joseph Weiße, Rabb. in Gaya. Wien, 1847. Es ist ein eigenthümlicher Gedanke, ein, zwar vielfach dem Jdeenschwunge nach poetisches, aber im Original der Reimfeffel freies Werk in metrisch-gereimter Form wiederzugeben, und damit fast gänzlich umzuschaffen. Wenn indeß diese Form glücklich gehandhabt wird, und das Werk, wie es hier der Fall, durch seinen Gedankengang und seine Ausdrucksweise der poetischen Auffassung nicht fern liegt, so wird dadurch das Werk dem neuern Leser naher gebracht, und gewinnt einen neuen Reiz, der, bei gewisser Einförmigkeit des Inhalts, die Lesung angenehmer macht. Bot daher eine solche Bearbeitung dem Uebersetzer besondere Schwierigkeiten, indem sie gar zu sehr zu Umschreibungen und Weitschweifigkeiten, so wie zu Abschwächung des Originals verleiten konnte: so können wir doch dem Uebersetzer mit wahrem Danke nachsagen, daß er diese Klippen möglichst vermieden hat, und daß es ihm geglückt ist, in den meisten Fällen prompt den Sinn wiederzugeben, und flüssig geblieben zu sein. Sicher wird, wenn wir das Werk vorzutesen hatten, in dieser Form es gefälliger und nachhaltiger sich Eingang in die Gemüther der Hörer erwerben. Das Werk, welches unter den asketischen Schriften der Juden stets eine hohe Stelle einnahm, wird in dieser neuen Form seinen alten Ruhm behaupten. Anpassend hätten wir es gehalten, wenn derVerf. eine besondere blos deutsche Ausgabe, ohne den hebräischen Text und die, allerdings sehr tüchtige und erschöpfende hebräische Einleitung des Herrn Rabbiner Weiße, veranstaltet hätte, die dann durch ihre Wohlfeilheit sich vielfachen Eingang in alle Kreise der Lesewelt erworben hätte. Korrespondenz. Blatzheim, 20. Juli. Die Allgem. Zeit. d. Jud. bringt in No. 28 einen der B. Z. entnommenen Artikel, nach welchem der Sohn eines hiesigen Israeliten (das ist mein Sohn) gegen die katholische Religion geschrieben haben soll, wodurch ein fanatisch aufgeregter Volkshaufe mein Haus zerstört und mich nicht länger in Blatzheim habe dulden wollen. Dieser Artikel enthält eine solche Entstellung des Faktums, eine so maßlose Uebertreibung des Vorgefallenen, daß ich mich zur Steuer der Wahrheit zur Einsendung folgender Berichtigung veranlaßt sehe, und eine verehrliche Redaktion der Allgem. Zeit. d. Jud. ergebenst bete, diese in ihr geschätztes Blatt aufnehmen zu wollen. Und wenn ich auch allerdings besorge, daß die hier stattgehabten Ereignisse für den weiten Kreis der Leser dieses geschätzten Blattes nicht von so großer Bedeutung seien, um sie so ausführlich zu schildern, so geschah dies doch aus dem Grunde, da sie abermals einen Beweis liefern, wie noch immer hier und da die betrübenden Erscheinungen leider wieder auftauchen, daß die Religion zum Deckmantel des Neides, des Hasses, der Verfolgungssucht und anderer niedriger Leidenschaften dienen muß. Ich will nun das Sachverhältniß der Wahrheit getreu hier mittheilen. Mein Sohn, ein Freund und Verehrer der Poesie, erhält durch Zufall einen Band von Heine's Gedichten, den er einem seiner hiesigen Bekannten, einem Christen, mit der ausdrücklichen Bemerkung leiht, unter Absetzung von dem Inhalte und der Tendenz der Gedichte, sie blos des poetischen Werthes wegen zu lesen. Dieser findet eine kleine Stelle gegen das Christenthum darin, und erfreut über diesen Fund, wodurch er dem Juden Etwas anhaben zu können glaubt, eilt er in heimtückischer Weise zum Pastor hiesigen Ortes, bei welchem er meinen Sohn anzuschwärzen und zu verdächtigen sucht, als habe dieser ihm absichtlich dieses Buch gegeben, um ihn gegen das Christenthum zu stimmen; als habe er noch mehr antichristliche Bücher verbreitet. Der Pfarrer, erbittert hierüber, und in seiner wegen nicht angestellter Untersuchung über die Klage etwas zu voreiligen frommen Besorgniß, eifert alsbald von der Kanzel herab gegen die, gegen das Christenthum gerichteten, (vermeintlich) verbreiteten Bücher; malt mit grellen Farben die daraus entstehende, das Seelenheil der Gemeinde bedrohende Gefahr; spricht von einem Wolfe, der unter die Heerde gelaufen 2C. rc. Inzwischen waren Verleumdung und Jntcigue auch nicht müßig; und alsbald wurde das Gerücht ausgestreut, als habe mein Sohn zwölf antichristliche Bücher verbreitet, woraus denn gar bald die Nachricht wurde, er habe selbst ein Buch gegen die katholische Religion geschrieben.