Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 33 (9.8.1847)
- Date
- 1847-08-09
- Page
- Seite 505 (sequence 9)
- Language
- German
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505 nun doch einmal in Thätigkeit treten wird. Sie hatte mächtige Feinde, welche aber die Aufklärung unserer Zeit wol verdrängen mußte, jetzt, wo man doch anfängt, den Menschen im Menschen und nicht in seiner Aeußerlichkeit zu achten. Zwar ist bis jetzt noch nicht jenes Ziel gänzlicher Gleichstellung von Juden und Christen erreicht, doch hat sich schon, bei Gelegenheit der Frage über Aufnahme der Juden in Konstanz, eine höchst erfreuliche Richtung gezeigt. Man hat den Juden hier doch das Ortsbürgerrecht verliehen. Aus Rorddcutschland, im Juli. (Privatmitth.) Je mehr die Anforderungen unsrer Zeit im Zunehmen begriffen sind, und je bewegter das religiöse und soziale Leben sich gestaltet, desto besorgter blicken wol treue Eltern in die Zukunft ihrer Lieblinge, in die sie, um mit Jean Paul zu reden, gleich wie Moses in das gelobte Land auch nur hineinzuschauen vermögen. Oft rathlos, wem sie ihr Theuerstes unbedingt anvertrauen dürfen, halte ich es dennoch für eine heilige Verpflichtung, aus eigenem Drange auf die überaus treffliche Lehr- und Erziehungsanstalt des Herrn vr. Schwarzauer in Dresden, der im Verein mit einer wahrhaft gebildeten Gattin und einer Anzahl gelehrter Schulmänner schon herrliche Früchte erzielt, wovon ich mich, aus einer pädagogischen Reise begriffen, zu überzeugen vielfach Gelegenheit gehabt, hiermit ganz besonders aufmerksam zu machen. — Die Anstalt bereitet sowol für die wissenschaftliche, als auch künstlerische und namentlich merkantilische Laufbahn tüchtig vor, und habe ich in der That inmitten der frohen, geistig und leiblich frischen, geweckten und kenntnißreichen Jugend einige höchst angenehme Stunden verlebt. Der Herr Dr. Schwarzauer selbst ist ein höchst wissenschaftlich gebildeter Mann, ein tiefdenkender Pädagog, der von seinen Zöglingen kindlich verehrt und geliebt wird und sich seinem Berufe mit warmer Liebe, mit hingebender Begeisterung gewidmet, dem der geläuterte Glaube Israels noch das Heiligste auf Erden ist. — Zu den früheren Schülern dieses Gelehrten gehören schon Männer, die bereits als Geistliche und Volkslehrer einfluß- und segensreich wirken, und die es mit dankbarer Freude bezeugen würden, zu seinen Füßen gesessen zu haben. Deshalb wird ihm auch immer mehr das vollste Vertrauen im stets sich erweiternden Kreise zu Theil, und sein Institut blühet vielversprechend und leistend auf. — Möge der Segen des Himmels ihm nimmer fehlen! Italien. Rom, 12. Juli. Gestern ward ein zweites Festessen, oder vielmehr eine zweite Volksversammlung, bei Torre de Quinto gehalten. Bei 5000 Personen sollen ihr beigewohnt haben, und unter diesen sehr viele Juden, mit denen schon bei der ersten Versammlung eine Aussöhnung war zu Stande gebracht worden. — Die Hoffnungen der hiesigen Judenschaft, aus ihrem Ghetto in ein gesünderes Stadtviertel versetzt zu werden, sind übrigens für lange Zeit wieder verschwunden. Nach den Vorgängen der letzten Tage und bei den fortdauernd vom Pöbel, den der Aberglaube und seine Helfershelfer gegen sie fanatisirte, öffentlich ausgestoßenen Drohungen von Mord und Brand in dem neuen israelitischen Quartier, haben sie es für's Klügste gehalten, dem Papste für seine gnädigen Absichten, ihre Wohnungen zu verbessern, für jetzt zu danken. Sie bleiben also, wo sie seit vielen Jahrhunderten vermoderten. Doch hat ihnen Pius IX. andere Gnadenerweise gewährt, nämlich eine jährliche Unterstützung von 300 Scudi (450 Thlr.) an ihre Armen und 60 Scudi lebenslängliche Pension jedem jüdischen Ehepaar, aus dessen Verbindung 12 Kinder entsprießen. Dieselbe Unterstützung hatten in Rom nur christliche Eltern. —. Nach neueren Nachrichten sollen übrigens die Aufläufe gegen die Juden, so wie die anderen durch entlassene Polizeibeamten der vorigen Regierung und gesammelte Landstreicher hervorgerufen worden sein. Großbritanien. London, 20. Juli. Bei dem letzt gewesenen Meeting der Wähler hat sich Lord John Ruffel für die Kandidatur des Herrn v. Rothschild ausgesprochen. Indirekt hat er als Premierminister hiermit die Verpflichtung übernommen, den Eintritt der Juden in das Parlament zu bewirken. 33*