Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-08-09 · Heft 33 (9.8.1847) · p. Seite 501

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 33 (9.8.1847)
Date
1847-08-09
Page
Seite 501 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225497-3225531--08775-3239606
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

501 Ihre letzte Nummer sprach sich über eine Adresse der Gemeinde zu Nakel an den Papst aus. Ich kenne dieselbe nicht, und muß daher Ihrer Bemerkung trauen. Jndeß das Faktum selbst scheint mir den Stoff zu einer Beobachtung herzugeben, welche sehr erfreulich ist: ich meine, das große Interesse, welches jetzt die Juden von einem Ende der Erde zum andern für einander auf's Lebhafteste hegen und bethätigen, dieser Gemeingeist, der rege geworden, und von dem man vor einem Jahrzehend noch keine Ahnung gehabt. Was einer Gemeinde an einem Ende der Erde begegnet, regt im äußersten Winkel freudige oder mitfühlende Theilnahme bei einer andern an. Unzweifelhaft war das bedeutendste Mittel, diese Theilnahme zu wecken und zu nähren die Mg. Zeit, des Judenthums. Aber einmal geweckt und erstarkt kann es, immerfort wachsend, zu den schönsten Resultaten erwachsen. Denn man muß nicht vergessen, daß es sich hier um kein materielles Interesse handelt, sondern um bürgerliche und Gewissensfreiheit, so wie um eine neue Erstarkung des religiösen Bewußtseins in Israel, um das Bewußtsein einer Gesammtmission in der Weltgeschichte. Während sonst der Jude nur Jude war, weil er es einmal war — fühlt er sich jetzt als Glied einer Gesammtheit, die eine hohe Bedeutung für das ganze Menschengeschlecht hat. Als solches Glied leidet und erhebt er sich nicht allein in seiner lokalen Stellung, sondern leidet und erhebt er sich auch in Allem, was irgendwo seine Glaubensgenossen betrifft. Dies zu einem klaren Bewußtsein herauszuarbeiten, ist Ihnen in Ihren „Vorlesungen über die Entwickelung der religiösen Idee" sehr gelungen, so daß es zu wünschen ist, daß das Buch immer mehr in die Hände aller Glaubensgenossen gelange, namentlich der Jugend, die so gern im Rausche des Kosmopolitismus das Nächstliegende hohe Eigenthum übersieht und vergißt. Die Proteste gegen ministerielle Aussprüche über die Juden auf dem Landtage, die man hier entworfen, haben durch oberzensurgerichtliche Entscheidung die Druckerlaubniß nicht erhalten. Neustettin, 18. Juli. (Privatmitth.) Wenn wir in Ihrem Blatte seltener Berichte aus Pommern, und namentlich aus Hinterpommern lesen, so ist gewiß, der Ueberzeugung bin ich, weniger Ihr Blatt, als vielleicht der Mangel an Korrespondenten daran Schuld; aber auch, nicht der Mangel an Thaten für die Veredelung des jüdischen Gottesdienstes, oder gar für die Anerkennung der jüdischen Religion und deren Bekenner. Denn auch in Hinterpommern ist Bewegung, und wird gewirkt und geschaffet, wenn auch nicht immer davon Geschrei in die Welt geblasen wird. Wir wirken ruhig, wie es die Verhältnisse der so verschiedenartig ausgebildeten Bewohner Hinterpommerns gestatten, fort, und rühmlich bekannt ist, was schon in Stolpe, was in Köslin für den öffentlichen Gottesdienst gethan, als daß es hier noch erwähnt zu werden braucht, nur so viel zu Ihrer Nachricht, daß noch mit der alten Kraft und Ausdauer in Stolpe der Rabbiner vr. Klein, in Köslin der Rabbiner vr. Jolowicz für alles Gute wirken, und ihnen stete Anerkennung zu Theil wird. Aber auch auf kleinere Gemeinden wirkt dies Beispiel, und so haben wir schon im zweiten Jahre einen wissenschaftlich auf Universitäten gebildeten Rabbiner, welcher in der Synagoge unsrer kaum 40 Familien zahlenden Gemeinde deutsche, wahrhaft erbauende, Vorträge hält, — und ist auch der Gottesdienst noch der alte, so ist er doch durch unfern Rabbiner Victor seinem Barer) sehr wohl äußerlich geordnet, und mit deutschen Elementen verflochten, so daß kein Fremder unbefriedigt unsere Synagoge verläßt. Aber auch nicht lässig sind wir, wo es gilt, für die Erlangung des politischen Rechtes zu kämpfen. Dem Rabbiner vr. Klein zu Stolpe verdanken wir zunächst die Anregung unsrer Angelegenheit auf dem vereinigten Landtage durch einen hinterpommerschen Abgeordneten, den Herrn v. Gottberg auf Mahnwitz bei Stolpe. Mit wahrhaft fleißiger und rühmlicher Ausdauer verfaßte Herr vr. Klein eine Denkschrift für Herrn v. Gottberg, die mit so treffenden und schlagenden Gesctzesstellen ausgerüstet, einen auch viel weniger für das Recht Brennenden als Herrn von Gottberg für uns cinnehmen mußte, und durch eine andere Denkschrift mit dem Schillerschen Motto: „in seinen Göttern malt sich der Mensch", zeigt Herrvr. Klein, daß in der jüdischen Religion durchaus Nichts gegen den Staat und gegen anders Glaubende geboten, daß vielmehr die Liebe gegen jeden Nebenmenschen anbefohlcn wäre, und daß sammtliche in dieser Beziehung vorkommende Stellen des Neuen Testaments im Alten Testamente, und anderen älteren jüdischen Urkunden ihren Ursprung hätten. Einen für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.