Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 32 (2.8.1847)
- Date
- 1847-08-02
- Page
- Seite 494 (sequence 10)
- Language
- German
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494 ihrer alten Lehre, in welcher der Stifter der neuern die Seinige keimen und wurzeln ließ, Nichts, gar Nichts, wir glauben vielmehr jedem Leumund, jedem ungewaschenen Verleumder, jedem nicht unterrichteten, übelwollenden Großprahler gegenüber ihr einen kleinen Dienst zu erweisen, wenn wir die Behauptungen eines Gutsbesitzers v. H., unterstützt vom Volkslehrer M—r offen hierher setzen, und wo sie's werth sind, beleuchten. Die Juden seien Wucherer und Geldmänner. Diese Phrase ist bereits zu abgedroschen, als daß wir auch nur eine Zeile auf eine Erwiderung verschwenden sollten. Die Juden seien stets feige gewesen. Wir dürfen hier nur auf das alte Testament, auf die Geschichtsschreiber der Römer verweisen, und können nur die gänzliche Unkunde solcher Thatsachen aufrichtig bedauern. Die eigene Lehre der Juden, die es gebilligt, daß sie die Egypter um ihr Silberzeug geprellt hätten, heiße somit P rellerei erlaubt. Da wir bei jenen Behauptungen gegenwärtig zu sein, nicht so glücklich waren, so wollen wir diesen, oft aus bloßer Unkunde, hier jedoch mehr als dreist und verwegen dahingeschleuderten Vorwurf, kurz in's Auge faffen. Zuvörderst ist das Buch, welches jene Thatsache erzählt, nicht Religionsbuch allein, sondern auch Geschichtsbuch. Es erzählt hier die Geschichte, die Historie der Befreiung vom Sklavendienste und des Auszuges aus Egypten. Gesetzt nun, was nimmer zugegeben wird, der Vorwurf enthielte Wahrheit, ein jüdisches Geschichtsbuch enthielte den Bericht einer verübten Prellerei, welche von den frühesten Ahnen begangen worden: wäre etwas Anderes als eben dieser offene Bericht, die Wahrheit und Geradheit, mit der der Geschichtsschreiber die Flecken seiner eigenen Nation offenherzig und treu erzählt, lobend anzuerkennen? Nun darf ich aber wol kühn die Frage aufwerfen, haben die Deutschen Aehnliches in ihrer Geschichte etwa weniger aufzuweisen trotz aller Biederkeit und Geradheit; haben es die Franzosen und Engländer, die Spanier und Italiener, und welche christliche Völker etwa nicht in weit üppigerer Fülle?! Wo aber wäre unter den Juden je Einer erstanden, welcher der christlichen Lehre und ihren Bekennern den Vorwurf der Prellerei gemacht hätte, sintemal und alldieweil es etwa christliche Völker, also Christen gewesen, die solche Frevel begangen! Nun aber verhält sich die Sache in facto ganz anders. Nirgend, behaupte und beweise ich mit dem Original dieser Stelle selbst, lastet ein solcher Vorwurf der Prellerei, des Betrugs auf dem Volke. Nur eine falsche Uebersetzung, nur der Mangel richtigen Verstehens und Auffassens, nur Vorurtheil waren es, die solche Deutung hineintragen konnten. Das ebraische Wort, von dem hier Alles abhangt, heißt im Text und ist gleichbedeutend mit dem lateinischen querere. Mit weit mehr Recht als in Diesem ein Bitten, ist hier vielmehr ein Fordern, ein Verlangen enthalten. Die Israeliten verlangten, forderten jenes Silber — und zwar als geringen Lohn für so lange geleistete Dienste. Daß es hier wirklich nur eine Forderung, kein Leihen war, wovon auch nicht ein Jota geschrieben, geht aus folgenden drei Gründen noch evidenter hervor: 1) Gott selbst, nach der Lehre desselben Buches das gerechteste, wahrste Wesen, das selbst jeden Betrug verpönt, gebietet Vers 2. Kap. 11. Buch 2 diese Forderung. 2) Mit besonderm Nachdruck wird zwiefach Vers 3. Kap. Hund Vers 36. Kap. 12 berichtet, daß vermöge besonderer Gunst von den Egyptern diese Forderung bewilligt ward. 3) Als die Verfolgung der Juden beschlossen, wurde nur als einziges Motiv die Entlassung aus dem Dienste erwähnt. Wäre Prellerei verübt worden, so würde V. 5. Kap. 14 dieses Motiv gewiß nicht gefehlt haben. Nirgend ist aber so etwas zu finden, zum Beweise, daß hier ein freiwilliges Gewähren einer geraden Forderung stattfand. *) *) Wir glauben den Leser nicht zu behelligen, wenn wir über diesen Gegenstand die Erklärung hierherstellen, die wir zu 2 Mos. 3, 21. 22. in unsrer „Israel. Bibel" Bd> 1. S. 313 gegeben. Es heißt dort: „Um die Voraussage der großen Anstrengungen, welche der Auszug aus Egypten kosten, die Schwierigkeiten, auf die er stoßen würde, zu mildern und gewissermaßen zu vergüten, wird schon hier erwähnt, was 11, 2. als Vorschrift, 12, 35. als Thatsache gegeben wird. Die Israeliten (denn 11, 2. wird es nicht blos Frauen aufgetragen) sollen von ihren egyptischen Nachbaren allerhand Kostbarkeiten fordern, und sie mit von dannen nehmen, so daß sie nicht leer und unbegütert herausziehen werden. Wir wollen hier nicht die vielen Vorwürfe erwähnen, die gegen diesen Umstand erhoben wurden, und die Augustin und Abenesra sehr schwach, da es „Gebot Gottes, nach dessen Ursache nicht weiter zu fragen," zurückweisen. Auch das kann nicht zur Berücksichtigung kommen, daß die Egypter schon um die Israeliten zu schneller Abfahrt zu bestimmen, gern Geschenke gaben, wie Josephus bemerkt. Auch das ist nicht hinreichend, was einige Neuere vorbrachten, daß die Israeliten für die zu verlassenden Ländereien, Häuser und andere Immobilien dadurch einen Ersatz hät-