Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 32 (2.8.1847)
- Date
- 1847-08-02
- Page
- Seite 490 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225530--08763-3239593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
490 Sonderbar ist's hier, daß gerade Gemeindemitglieder, von denen man erwarten durfte, sie würden freudig die Hand zum Ausführen intelligenter Umwandlungen bieten, daß gerade diese nicht allein indifferent zuschauen, sondern überall hemmend und erschwerend in den Weg treten. Wie sehr dieser Fortschrittseifer selbst von Nichtjuden gewürdigt wird, bewies der auf Schloß Filehne wohnende Graf v. Blankensee, der zur Renovirung des Innern der Synagoge eine ansehnliche Schenkung an baarem Gelde machte und außerdem, nachdem er sich von der zweckmäßigen Verwendung des Gegebenen überzeugt, eine fernere Unterstützung zusicherte. Mögen denn auch die übrigen Juden des Herzogthums Posen sich bestreben den Vorwurf von sich abzuwälzen, den man noch in jüngsten Tagen an hoher Stelle ihnen gemacht, nämlich daß sie an Intelligenz und in moralischer Beziehung den anderen Juden des preußischen Staates nachständen, daß sie nicht würdig seien, solche Gleichstellung in den Rechten des Staatsbürgers zu erlangen als wie sie den übrigen Juden vindizirt wurde, und bald werden auch sie nicht länger verkannt und ausgenommen werden in die väterlichen Arme des Staates, der ihnen Vaterland ist, und gerne werden auch sie dann aufhören zu beten: •'?at .-(■nin J. H... n. Königsberg, 11. Juli. (Privatmitth.) In der hiesigen Zeitung ist folgende Erklärung erschienen: Zur Verständigung. In No. 153. d. Ztg. ist, dem Inhalte nach, ein von Herrn Dr. Goldsch eider (No. 143. d. Voss. Ztg.) erlassener „Aufruf an die Juden des preußischen Staates" mitgetheilt, den auf dem hohen' Landtage von einer Seite geäußerten Ansichten gegenüber, sich insgesammt dahin zu erklären, daß ihr religiöser und namentlich messianischer Glaube mit ihren vaterländischen Pflichten in keine Art von Kollision trete. Es bleibt natürlich einem Jeden anheimgestellt, jenem Aufrufe Folge zu leisten. Doch möchten wir glauben, daß es, wo die Thal spricht, keiner Erklärungen und Worte' bedürfe. Wir wurzeln in diesem Lande, in diesem Volke. Wir wünschen ja eben volle Theilnahme an allen seinen Lebensmomenten, an seinen Arbeiten und Pflichten, und haben uns stets bereit gezeigt, die Ehrenämter, die man uns anvertrauete, gewissenhaft zu verwalten. Viele von uns dienen unter Preußens Fahnen und haben mitgekämpft in seinen Schlachten, begeistert und todesmuthig folgend dem Rufe seines — unseres Königs. Wir weihen unsere Kinder Berufsarten, welche sie diesem Lande allein und nicht etwa für Palästina brauchbar machen sollen. Auch die strengste Kontrolle kann uns nirgend ein Zurückbleiben in der Vaterlandsliebe Nachweisen, dessen wir uns in unserer innersten Seele schämen würden. Die dogmatisch-messianischen Verheißungen des Judenthums, in Betreff einer idealen Zukunft — wann vielleicht die Zivilisation auf ihrem langsamen Umzuge von Osten nach Westen, sich zugleich gen Norden und Süden ausbreitend, wieder zu den blühenden Ländergebieten Asiens gekommen sein wird, von welchen sie vor Jahrtausenden ausgegangen — da vor Allem die Hunderte von Heidenvölkern gesittigt und „voll sein werden die Lande der Erkenntniß des Ewigen, wie Wasser das Meer erfüllen", da „alle Völker zum Berge Gottes hinströmen", „ihre Schwerter in Pflugschaaren verwandeln und nicht mehr den Krieg lernen werden", da die ganze Erde ein Bund der Liebe sein, „der Wolf bei dem Lamme weilen, der Säugling an der Höhle der Natter spielen wird", Jes. 2, 2. ff., 11, 6. ff. vgl. Röm. 11, 13. ff. Diese Verheißungen sind (was der hochgestellte Mann der im Eingänge erwähnten Ansichten gewiß nur mit wohlwollender Befriedigung vernehmen würde) wesenlich keine anderen und haben keine andere Quelle, als die, an diesem Theile noch unerfüllt gebliebenen messianischen Verheißungen des Christenthums. Die Letzteren haben fast noch eine politischere Färbung, wenn die Wiederkehr Christi zur Gründung eines tausendjährigen (weltlichen) Reiches verkündigt wird. Offenb. Joh. 20, 4. vgl. 5, 9. 10. Matth. 19, 27. 28., 16, 27. 28., 26, 27—29., 24, 29. ff. Ist es wol nöthig zu erklären, daß kein vernünftiger Christ oder Jude sich, durch eine nahe Erwartung jener wunderbaren und räthselhaften Erscheinungen, die aus den jetzigen und natürlichen Völker- und Lebensverhältnissen gänzlich heraustretcn, in den Pflichten und Wünschen der Gegenwart wird irre machen lassen? Königsberg. Dr- Saalschütz, Pred. a. d. israel. Gemeinde. Berlin, 23. Juli. (Privatmitth.) Es hat sich in den Verhandlungen des Landtags herausgestellt,