Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-26 · Heft 31 (26.7.1847) · p. Seite 482

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 31 (26.7.1847)
Date
1847-07-26
Page
Seite 482 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225497-3225529--08754-3239583
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

482 obrigkeit, gegen Rabbiner Löw und mich voll sei. Sollte sich jenes Blatt in ordentliche Hände verirrt haben, so bitte ich Folgendes zu berücksichtigen: L Ist hier durchaus von keinen religiösen Kämpfen die Rede. Hier herrscht ein Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei; zwischen Rohheit und guter Gesittung, zwischen guter Kindercrziehung und der bisher größtentheils stattgehabten Verwahrlosung — endlich zwischen dem herkömmlichen Schachergeiste und einem zu erweckenden Sinn für Thätigkcit, Redlichkeit, Tugend und Vaterlandsliebe. Kein Wunder also, daß hier grad- und rechtdenkende und wahrhaft fromme Orthodoxe die eifrigsten Anhänger Löw's sind — und daß Menschen, die als Fluch der menschlichen Gesellschaft betrachtet werden, die ohne Gott und Glauben umherwandclnd, als Spieler und Wüstlinge, als blasi'rte Thoren und gesinnungslose Geizhälse markirt sind, zu Rabbiner Löw's wüthendsten Feinden gehören *). II. Die hiesige Grund obrigkeit hat blos den traurigen Zustand der hier großentheils überhandgenommenen sittlichen Verwahrlosung beherzigt — und war es der Gerechtigkeit gegen sich und ihre übrigen hier lebenden Unterthanen schuldig, für eine bessere moralische Pflege Sorge zu tragen**). Daß sie die Anstellung Löw's, welcher früher in einem nachbarlichen Komitate 6 Jahre als Rabbiner fungirte und die humansten Bestrebungen faktisch bewies — unterstützte, war Nichts als nöthig; ob sie darin gefehlt, daß sie *) Wehe diesen Menschen, wenn man den Schleier von ihren schändlichen Umtrieben und Hanthierungen ziehen möchte! **) Man höre doch das Schreiben, welches Se. Exzellenz unser gnädigster Grundherr einige Wochen nach der Aufnahme Löw's an diesen in ungarischer Sprache richtete: „Ew. Hochwürden Herr Oberrabbiner! Ihren wcrthen Brief habe ich mit Freuden empfangen; und nachdem in Folge verschiedener angenehmer Nachrichten, die mir Ihren werthen Namen bekannt machten, mir auch Ihre Person interessant wurde, erwarte ich sehnsuchtsvoll Ihre baldige Ankunft, theils um Sie kennen zu lernen, rheils daß Sie das von meinen israelitischen Unterthanen ausgesteckte, lodenswerthe und humane Ziel befördern mögen, und wenn — woran ich gar nicht zweifle — bei dem in die Person Ew. Hochwürden des Herrn Obecrabbiners und Ihre großen Fähigkeiten gesetzten Vertrauens auch meine Hoffnung in Betreff der zweckmäßigen Erziehung und des Religionsunterrichtes der Kinder meiner sich nicht früher erkundigte über das was Löw als Kandidat gegessen, und an welchen Tagen er sich rasirt habe, ist noch zu entscheiden. Jedeswegs mögen die ungarischen Juden, welche an dem kaiserl. königl. wirklichen Geheimrath, Kämmerer und Obergespan Graf Karl Esterhazy einen so warmen Anwalt hatten, diesem dieses kleine Versehen zu Gute halten. III. Was herumbettelnde papaer Juden, zur leichtern Bettelei, von dem Märtythum schwatzen, das sie hier zu bestehen haben, ist erlogen. Hier wurde seit mehreren Jahren nur ein Jude, wegen Ausartung gegen eine ihn vorgeladene höhere Gerichtsbarkeit, mit 5 Stockstreichen bestraft; übrigens wurde weder Stock noch Karbatsche über einen hiesigen Juden geschwungen. IV. Was die mannigfachen Jnvektivcn gegen meine geringe Person betrifft, bin ich wahrlich nicht würdig, mit solchen gottgefälligen Bestrebungen wie die hiesigen sind, auf gleiche Art und Weise — gekreuzigt zu werden. — Wollte Gott, daß ich wirklich so viel zu den hiesigen guten Bestrebungen beigetragen hätte, wie man mir im Zionswächter vorwirft! V. Uebrigens mögen die Freunde Löw's beruhigt sein. Seinen Geist vermag Nichts einzuschüchtern und seinen Fleiß Nichts zu schwächen. Eben kommt sein zweites Heft der „ungarischen Synagoge" in die Presse und noch im Laufe dieses Jahres werden seine „Talmudische Studien und Kritiken" erscheinen, wo sich die obskuren Nabbinen Ungarns überzeugen werden, daß Mangel an talmudischem Wissem nicht der Fehler Löws sei, über welchen sie mit Recht zu klagen hätten! Moritz Feitel. Rechnitz, im Mai. (Privatmitth.) Der hiesige Rabbiner hat eine Leviratsehe ohne erlaubt, und das betreffende Paar, welches sich an viele Rabbiner bereits vergeblich gewendet hatte, selbst kopulirt. Die übrigen Rabbiner Ungarns sind darüber sehr erisraelitischen Unterthanen in Erfüllung geht: werde ich mich freuen, und stets Theil nehmen an der Fördederung des Erfolges Ihrer eifrigen Bemühungen. Der ich übrigens mit Vertrauen und Achtung verbleibe Ew. Hochwürden des Herrn Oberrabbiners wohlwollender Graf Esterhüzy, Karl, Obergespan. Papa, am 4. Juli 1846."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.