Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1847)
- Date
- 1847-07-26
- Page
- Seite 483 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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483 bost und ist es das Glück unsers Rabbiners, daß er — kein Deutsch schreiben kann, sonst wären die Verfolgungen riesengroß. Literarische Nachrichten. N!ngdeburg, 9. Juli. Die Männer des Volks dargestellt von Freunden des Volks. Herausgegeben von Dr. Eduard Dutler. Frankfurt am Main. II. Band. 2. Lief. Es kann nur erfreulich sein, in dieser rüstig fortschreitenden Gallerie, in der vorliegenden Lieferung neben Papst Klemens XIV. (Ganganelli) und Herderauch einer Biographie unsers Rieß er, verfaßt von Jakob Weil, zu begegnen, und Beide so zu den Männern und Freunden des Volkes gezahlt zu sehen. Freilich läge die Frage nahe, sind auch diese Biographieen für das Volk geschrieben? so, daß sie die Männer, deren Thaten hier geschildert werden, und die Ideen, welche sie reprasentiren und tragen, auch in das Volk bringen? Allein die Beantwortung dieser Frage liegt uns nicht ob, und wir haben es hier nur mit der Gabe zu thun, welche uns Rießer's Leben und Wirken vorüberfühct. Um kurz zu sein, genügt es zu sagen: die 35 S. fassende Darstellung ist von einem Freunde, aber nicht von einem Schmeichler abgefaßt. Der Vers, wußte seinen Gegenstand von dem rechten Standpunkte zu erfassen. Nachdem er sehr treffend gezeigt, warum Rießer, obschon er nur für die bürgerliche Gleichstellung der Juden aufgetreten, dennoch mit Recht den Männern des Volkes zuzucechnen sei — „weil es nur ein Recht und eine Freiheit giebt" — bespricht er die in der Emanzipationsfrage hervorragenden Drei: Dohm, Börne und Rießer, zeigt gewandt und geistreich die Verschiedenheit ihrer Zeit und Wirksamkeit und schildert nun die verschiedenen Phasen, in welchen Rießer seine mannhafte Polemik bewahrte. — Gabriel Rießer ist zu Hamburg am 3. April 1806 geboren, studirte die Rechte in Heidelberg und Kiel, wollte sich in Ecsterer als Privatdozent habilitiren, wurde aber abgewiesen, durfte Anfangs auch in Hamburg als Advokat nicht praktiziren, privatisirte seit 1836 in Bockenheim, wurde 1849 öffentlicher Notar zu Hamburg, woselbst er seitdem lebt. Magdeburg, 11. Juli. Von den, gelegentlich des preußischen Gesetzentwurfs erschienenen Broschüren sind uns folgende zugekommen: 1) Welche Motive können dem neuen Judengesetze zu Grunde liegen? Von E. Waller. Zweite Auflage. Berlin, 1847. — 2) Der Entwurf einer Verordnung über die Verhältnisse der Juden in Preußen und das Edikt vom 11. Marz 1812. Von Moritz Veit. Leipzig, 1847. — 3) Offenes Sendschreiben an des Herrn Justizministers Mühler Exzellenz betreffend die Ergebnisse der Prozeßtabellen rc. Von S. Beer. Berlin, 1847. Die erste Schrift, in populärem Tone abgefaßt, sucht zu zeigen, daß aus der in dem Entwürfe angestrebten Jsolirung weder für Juden noch Ehristen Heil entsprießen könne, und daß nur Judenhaß in unsrer Zeit noch Beschränkungen auflegen könne. Form und Ausdruck sind oft ungelenk, obgleich manches schlagende Wort darin zu finden.— Die zweite Schrift geht nur speziell in das Spezielle ein; keine Erörterung des Allgemeinen, sondern nur umsichtige Kritik des Edikts von 1812 und des Gesetzentwurfs, Vergleichung Beider, und scharfer Nachweis, inwiefern Letzterer dem Erstem Schritt vor Schritt Raum abgewinnen will. Wir hätten an Form und Darstellung Manches auszusetzen, wenn nicht der momentane Nutzen die Hauptsache in ihr gewesen. Die Schrift wird, wenn ihre Bedeutung auch bald vorübergegangen sein wird, doch eine Wichtigkeit behalten — nämlich den bittern Moment in bet jüngst vorübergegangenen Zeit zwischen dem Bekanntwerden des Entwurfs und den Verhandlungen des Landtags zu ch arakterisiren. — Der Verf. der dritten Schrift bespricht nur einen Punkt, die von Mühler veröffentlichten Tabellen der Untersuchungen, bei denen die Juden so gravirt scheinen. In feiner und würdiger Weise zeigt er dem Minister: wie irrthümlich der seinen Berechnungen zu Grunde liegende Grundsatz ist, daß die Verbrecherzahl zur Seelenzahl im direkten multiplen Verhältnisse stehe. Ec zeigt es an Beispielen, da nach den Tabellen des Ministers der 30ste preußische Beamte in Untersuchung war, wahrend dies erst den 145sten Einwohner traf, am stollberg-wernigerodifchen Bezirk, wo schon den 9ten Einwohner eine Untersuchung betraf, an Preußen im Verhältniß zu Frankreich, wo dreimal weniger Einwohner in Untersuchung kamen. Er weiset hierauf nach, daß nur die Zu- und Abnahme der Angeschuldigten einen Maßstab für die zu- oder abnehmende Moralität darbietet. Und hier zeigen sich die Juden im günstigsten Lichte, denn es erweist sich nach den Tabellen, daß von 1833 bis 1836 die christlichen Verbrecher sich um V7 vermehrt haben, die jüdischen nuv