Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1847)
- Date
- 1847-07-26
- Page
- Seite 478 (sequence 10)
- Language
- German
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478 fernere Schatze aus dem Schachte einer so gründlichen und so gediegenen Abneigung werden zu Tage gefördert werden, muß man abwarten; unsere Sradt ist unschuldig daran und halt treu zum Geiste des Rheinlandes und seiner Abgeordneten. Krefeld, 10. Juli. In der vorgestrigen Sitzung des Gemeinderaths erbat sich der vom ersten vereinigten Landtage zu Berlin zurückgekehrte Abgeordnete, der Gcmeindeverordnete Herm. von Bcckerath, das Wort und führte aus, wie dies nicht in der Absicht geschehe, den Ausdruck des Dankes für den ihm gewordenen theilnchmenden Empfang zu erneuern, da die in ihm erregten Empfindungen zu zart und zu tief seien, um eine Wiederholung des Ausdruckes derselben zuzulassen. Wenn er sich indessen der Ereignisse jenes Tages mit hoher Freude erinnere, so geschehe dieses nicht wegen der ihm erwiesenen Ehre, sondern weil alle Klassen der bürgerlichen Gesellschaft von einem einigen vaterländischen Gedanken sich durchdrungen gezeigt, dessen zufälliger Träger er gewesen und an welchen sie die schönsten Erwartungen für die Entwickelung unseres Gemeinwesens im engem und weitern Sinne knüpften. Herr von Beckerath nahm nun die einzelnen Positionen durch, für welche der Gemeinderath seine besondere Verwendung erbeten. Unter diesen war die dritte: Gleiche Berechtigung aller Staatsbürger ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntniß. Er sprach darüber aus: Hinsichtlich der gleichen Berechtigung aller Staatsbürger ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntniß sei begründete Aussicht vorhanden, daß der Grundsatz, der schon jetzt vielfach als richtig anerkannt worden, bei späteren Verhandlungen zur vollen Anerkennung gelangen werde. Deutschland. Aus Holstein, 1. Juli. In der letzten Verhandlung über die Emanzipation der Juden im altonaer Bürgcrvcrcin wurde von dem Vorsitzenden, Di-. Schubart, nach einer langem Diskussion die Frage zur Abstimmung gestellt: ob ein Komirö zurEntwerfung einer Petition an die nächste holsteinische Ständeversammlung um bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden gewählt werden solle? welche Frage mir allen Stimmen gegen eine einzige bejaht wurde. Zu Eomitömitgliedern wurden die HH. Zeise sen., Fabrikant und Ständeabgeordneter Wienbarg und Advokat Paysen bestimmt; da jedoch Herr Wienbarg wegen überhäufter Geschäfte die Wahl ablehnte, wurden die beiden anderen Komitömitglieder autorisirt, sich selbst durch einige dazu sich bereit findende Vereinsmitglieder zu verstärken. Oesterreich. Pesih, 15. Juni. (Privatmitth.) Aus T., einer bedeutenden Gemeinde des jenseitigen Donaukreises, schreibt mir ein gelehrter Freund unter Anderm: Die zweite Sonderbarkeit in unsrer Gemeinde ist, daß nicht leicht selbst eine viel größere Landgemeinde Ungarns mehr Intelligenz in ihrem Schooße birgt als die hiesige und dennoch geschieht für Reform und Fortschritt gar Nichts, und Gottesdienst, Erziehung, Wohlthätigkcitsanstalten liegen so sehr im Argen, wie cs in der orthodoxesten ungarischen Gemeinde nicht schlimmer aussehen könnte. Die hervorragenden Köpfe sind entweder über jede Reform hinaus, oder unter jeder Reform und daher dem vollendetesten (?) Jndifferentismus ergeben. Sic besuchen wol den sabbatlichen Gottesdienst, aber blos um in mehreren Gruppen Geschäftsangelegenheiten zu besprechen, sich Neuigkeiten zu erzählen oder sonst zu unterhalten. Sie üben insofern Einfluß auf die Gcmeindemitglieder, daß auch diese vom Beispiel ermuthigt sich erlauben, die Zereinonialgesetze zu übertreten, diese zu belachen, ohne an deren Stelle wenigstens die Moralgesetze zu setzen und so mit jedem Tage dem Heidenthum näher zu rücken. Der Rabbiner (eigentlich blos Substitut) läßt sie gewähren, ohne nur mit einem Worte diesem Treiben entgegenzutreten...Diese wenigen Zeilen geben ein wahrgetreues Bild von dem elenden Zustande der meisten ungarischen Land- und auch vieler Stadtgemeinden und enthüllen den wahren Grund, warum die Reform, die speziell jüdische wie die allgemein menschliche bei uns nicht gedeihet. So jung auch noch das Leben der ungarischen Judenheit ist, ich meine ihr Erwachen zum Bewußtsein und Wollen eines Bessern, sind wir doch schon überreich an Täuschungen und Enttäuschungen. Ich spreche hier nicht von den gehofften politischen Riesenfortschritten, wo der 1843/4 Landtag unseren Sanguinikern so arge Enttäuschungen brachte und wir fürchten sehr, daß der nächste Reichstag noch unbarmherziger mit ihren