Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-26 · Heft 31 (26.7.1847) · p. Seite 477

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 31 (26.7.1847)
Date
1847-07-26
Page
Seite 477 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225497-3225529--08749-3239578
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

477 Vaterstadt gereicht es aber zum besondern Stolze, Sie, hochverehrter Kampfer für Wahrheit, am Firmamente dieser hohen Versammlung als Stern erster Größe leuchten zu sehen. Sie haben Angesichts der Majestät — ein würdiges Beispiel männlicher Charakterstärke — das Gegebene mit dem Versprochenen geprüft, den Werth des Geschenkes nach Verhältniß seiner harmonischen Uebereinstimmung mit dem Gesetze erachtet und im milden Tone eines Jsokrates Ihre Ueberzeugung ausgesprochen. Ihre Rede hat sich mit der ganzen Fülle des Gemüthes über das nothwendige Erforderniß einer vollkommenen Staatseinheit und Wichtigkeit des gegenseitigen Opferbringens ergossen und mit wahrhaftem Liberalismus strebten Sie, die ärmere Klaffe des Volkes von mancher schwerlastenden Bürde zu befreien. Nicht nur Deutschland blickt auf dieses edle Streben, auch Europa's Auge ist darauf gerichtet und seine Flaggen verkünden es fremden Zonen. Aber wie ein sanftes Windessäuseln der Aeolsharfe harmonische Laute entlockt, so melodisch klangen unsers Herzens Fasern, als der Hauch Ihrer Worte über Menschenrecht, Menschenachtung und Menschenliebe sie anfächelte; als Sie — eine Feuersaule in der Wüste — reich ausgestattet mit erhebenden Empfindungen, die das Menschengeschlecht mit warmer Theilnahme umschließen, das Prinzip des christlichen Staates bekämpften, in die Gefühle und Leiden eines Familienvaters eindrangen, dem beim Abschiede von den Seimgen der Trost ermangelt, seine Kinder in den Reihen anderer Landeskinder zu sehen; als Sie später —ein Verdienst, das Ihre Beredtsamkeit sich schon in den Provinziallandtagen um unsere Glaubensgenossen erworben — bei Berathung des Gesetzentwurfes über unsere Verhältnisse, der so manches wohlerworbene Recht absorbirt, dem Taucher ähnlich, aus den Tiefen humaner und philantropischer Ideen eine Perle an's Licht förderten, die den großen Namen „Emanzipation" trägt. Erlauben Sie daher, edler Mann, daß wir uns Ihnen mit gerührtem und dankerfülltem Herzen nahen. Genehmigen Sie mit diesem schwachen Zeichen unserer nie erlöschenden innigsten Dankbarkeit zugleich die Versicherung, daß unseren Nachkommen, die doch mit göttlicher Hilfe, nach endlicher Verscheuchung mittelalterlicher Vorurtheile durch das Helle Licht der Aufklärung, einmal das Glück haben werden, die Früchte Ihrer liebevollen Anstrengungen zu ärnten, der Name von Beckerath ewig theuer sein wird und daß einst die Geschichte der Israeliten, die neben jeder Trauerweide einen Schutzengel gefunden, ihren Pinsel in die schönsten Farben taucht, wenn sie Ihr erhabenes Bild zeichnet. Die Mitglieder des israelitischen Konsistoriums und der Gemeinde zu Krefeld. (Folgen die Unterschriften.) Die herzliche und ergreifende Erwiederung des Herrn v. Beckerath wagen wir nicht in verstümmelter Fassung wiederzugeben und beschränken uns daher auf die wenigen, ungefähr so lautenden Worte: „Das glänzende Geschenk, welches Sie mir jetzt überreichen, nehme ich nur in dem Sinne an, daß es meinen Kindern, welche, wie ich gewiß hoffe, die Zeit erleben werden, wo die Konfession keine bürgerliche Beschränkung mehr begründet, zur Erinnerung diene, daß ihr Vater einst für die Gleichstellung der Israeliten sprach und kämpfte." Stettin, 10. Juli. Den Landtagsabgeordneten der Provinz Pommern, welche die Emanzipation der Juden beantragt und unterstützt haben, und zwar den Herren Graf von Schwerin, von Gottberg, von Puttkammer und Ritter wurden von Seiten der hiesigen jüdischen Gemeinde vor einigen Tagen Dankadressen übersandt und resp. durch Deputationen überreicht. Koblenz» 13. Juli. Gestern Morgens fanden sich bei dem Abgeordneten unserer Stadt, Herrn Caspers, die Vorstandsmitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde nebst deren Prediger ein, um ihm für die bei den Emanzipationsverhandlungen bewiesene Thätigkeit die herzliche, dankbare Anerkennung der Gemeinde zu bezeugen. Herr Caspers, welcher Mitglied der Abtheilung gewesen war und sowol in dieser Eigenschaft, als auch durch seine Voten in der Plenarversammlung gegen die bekannte, dem Entwurf zu Grunde liegende Staatstheorie auf das Energischste protestirt hatte, erwiderte in entsprechender Weise und unter Hinweisung auf den baldigen vollständigen Sieg der Rechtsidee die Ansprache der jüdischen Bürger.— Die hier erscheinende „Rhein- und Moselzeitung" macht heute ein anderes Dutzend ihrer Artikel, welche gegen die zu Gunsten der Juden gefaßten Beschlüsse des vereinigten Landtags gerichtet sind, voll. Welche 31*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.