Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1847)
- Date
- 1847-07-26
- Page
- Seite 476 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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476 lehrten zu ihrem Mitgliede zu erwählen, habe dadurch bewiesen, daß sie mehr mit der Zeit vorgeschritten sei, als Manche sonst glauben wollten." Also hier haben die Juden als Zeichen der Freisinnigkeit dienen müssen, während man sie sonst zurückstößt!-In einer Zeitung lasen wir so eben bei Gelegenheit einer der so häufig vorkommenden Veruntreuungen von Seiten eines Staatsbeamten eine Wehklage anstimmen über die Korruption, unter der die europäischen Staaten jetzt so vielfach leiden. Uns erinnert dies lebhaft an die jüngsten Verhandlungen, wo die Juden vom Staatsdienste ausgeschlossen werden sollten, weil sie von dem konfessionellen Geiste nicht erfüllt seien, der dazu benöthigt wäre! Nun, diese Korruption der Staatsbeamten, welche nach den Tabellen des preußischen Ministerii schon den 33sten Richter, den 3Ssten königl. Richter, den 18ten Privatrichter, den 29sten Subalternbeamten beim königl. Gericht, den 17ten Justizkommissarius, den 52sten Referendarius in Untersuchung brachte, ist unter der Aegide dieses Geistes erstanden, und die Juden haben keinen Theil daran! Berlin, 14. Juni. Die Voss. Ztg. enthält einen schönen Artikel von dem Veteranen der deutschen Literatur Theodor Heinsius unter der Aufschrift: „Vaterland — Geburtsland", der folgendermaßen lautet: „Es ist seltsam, daß Deutsche noch jetzt über den Begriff Vaterland (patria) streiten. Wir stellen es hier zusammen mit Geburtsland, weil beide Wörter häufig dasjenige Land bezeichnen, in welchem man geboren ist. Bei den meisten Menschen ist das Geburtsland auch wirklich das Vaterland, aber nicht bei allen. Wer, als Sohn einer in Deutschland ansässigen Mutter, auf einer Reise derselben in Paris oder Rom geboren wurde, kann Frankreich oder Italien nur sein Geburtsland nennen; er muß Deutschland als sein Vaterland betrachten, weil es der Wohnsitz seines Vaters ist, wohin er mit der Mutter z:-»ückkehrt, wo er nun gepflegt, erzogen und gebildet wird, und vaterländische Rechte und Pflichten hat. So stellt sich also der Begriff Vaterland viel höher, da er uns an den Wohnsitz unserer Väter, an ihre und unsere Freuden und Leiden der Jugend und des Mannesalters erinnert. Ob unsere Urväter in Zion, London oder in einem andern Auslande einst gelebt, und in Berlin als Kolonisten eingewandert sind, ändert in dem Begriff Nichts. Der in Warschau oder in Berlin ansässige Jude betrachtet also Polen oder Deutschland mit Recht als sein Vaterland, wenn er auch neben dem Polnischen oder Deutschen Hebräisch versteht, eben so wie die aus Frankreich vertriebenen Protestanten (Refugies), die in Brandenburg und Sachsen ausgenommen wurden, sich nicht mehr als Franzosen, sondern als Deutsche betrachten. Viele von uns mögen Voreltern gehabt haben, die den Slaven des Mittelalters angehörten, und als Kriegsgefangene von Deutschen zu Sklaven (welches Wort davon abstammt) gemacht wurden. Sollten sie darum Sklaven sein? Unsere Juden, die als Söhne, Enkel und Urenkel ihrer deutschen Väter unter uns leben, dürfen sich also das Recht, Deutschland, für dessen Freiheit und Selbstständigkeit auch sie geblutet, ihr Vaterland zu nennen, nicht nehmen lassen. Mögen sie, durchdrungen von deutscher Gesinnung, fortfahren, auch deutsche Treue für König und Vaterland zu bewähren, und ihre Vaterlandsliebe stets durch die That zu zeigen!" Krefeld, 15. Juli. (Privatmitth.) Heute überreichte eine Deputation, an deren Spitze der Herr Oberrabbiner Bodenheimer stand, im Namen der hiesigen israelitischen Gemeinde dem Landtagsabgeordneten Herrn v. Beckerath in dankbarer Anerkennung seiner edlen Bemühungen um die Emanzipation der Juden die hier unten folgende Adresse, welche, mit sinnreichen auf Goldgrund gemalten Randsymbolen reich geziert, auf Pergament von dem bekannten Levy Elkan kalligraphirt ist, und sich in einer ebenso kunstals geschmackvollen silbernen, goldverzierten Kapsel von gothischer Form befindet: Ein denkwürdiger Tag, der vor vier und dreißig Jahren ein gedrücktes aber großes Volk zum Kampfe um den Besitz wahrer Freiheit begeisterte, der jetzt ein Versprechen, das treue Unterthanen als Kleinod bewahrten, in Erfüllung brachte und durch das königl. Wort eine neue Aera für die kräftige und segensreiche Entfaltung des Staatslebens begründete, strahlt einer Sonne gleich in den Annalen Preußens. Um des Thrones Stufen versammelten sich die Auserkornen, mit echtem Patriotismus im Herzen, um der Krone in den schwierigsten Fragen aus den Quellen der Wissenschaft und Erfahrung Rath zu ertheilen. Unserer