Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1847)
- Date
- 1847-07-26
- Page
- Seite 475 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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475 sowol aus der Stadt als aus naher und weiter Ferne folgten in feierlichem Zuge der Leiche zum Grabe, wo der aus Breslau hierher geeilte Rabbiner Herr vr. Geiger die Trauerrede hielt. Dieser Leichenzug wie überhaupt die Theilnahme, die sich allgemein kund gab, war zum Lobe des Hingeschiedenen viel beredter — als ein kurzer Nekrolog dies zu thun vermöchte. Friede seiner Asche. J. D. Magdeburg, 5. Juli. Die Gemeinde in N a ck e l im Großherzogthum Posen hat an den Papst eine Dankadresse gesandt, auf die Nachricht, daß derselbe eine Kommission ernannt habe, um die elende Beschaffenheit des Ghetto zu untersuchen, nachdem die dortigen Juden in einer Bittschrift darauf aufmerksam gemacht. Wir haben eine Abschrift der Adresse mit Dank entgegengenommen. Wenn uns aber der Gegenstand keineswegs schon eine solche Adresse hervorzurufen geeignet erscheint, indem der bisdasige Schritt Sr. Heiligkeit nur noch der geringste ist, und es vielmehr eine Grausamkeit gewesen wäre, ihn nicht zu thun, so können wir um so weniger uns bewogen fühlen, die Adresse in diesen Blättern zu veröffentlichen, als mehrere Passagen der Adresse uns gar nicht als solche erscheinen, wie eine jüdische Gemeinde zu sprechen hat. Redakt. Posen, 7. Juli. Die hiesige jüdische Korporation hat an die vom Landtag zurückgekehrten Deputirten Oberbürgermeister Geh. Reg.-Rath Naumann und Rittergutsbesitzer Reg.-Rath Szumann Dankadressen gerichtet. Münster, 3. Juli. Auch von den hiesigen Israeliten soll Protest gegen die ministerielle Verdächtigung der nationalen Gesinnungen der preußischen Juden erhoben werden. Magdeburg, 11. Juli. (Privatmitth.) In diesen Tagen legte eine westphälische Gemeinde (.X. bei II.) uns die Frage vor, wie es, wo der dreijährige Zyklus eingeführt, die zweiten Festtage aber beibehalten sind, mit dem min rmsMJ zu halten sei, das die Gemeinde jährlich feiern will? Unsre Ansicht gaben wir dahin zu erkennen: das allerdings das rib noch ein ganz anderes Verhältniß als die anderen „zweiten Festtage" hat, indem das jährliche rib nicht erst mit den anderen „zweiten Festtagen" falle, sondern schon bei Einführung des dreijährigen Zyklus sich von selbst aufhebe. Ist es aber bei einer Gemeinde eine Bedingung sino gua non, so giebt es nur zwei Auswege. Entweder es wird das, als was es als Festtag von Beginn an gegolten — nämlich der zweite Tag Schmini Azeres — weshalb es im ivin^p und in der nbon nur heißt: rnasn rn mown öra Mtn, und dem “nasia dasselbe Stück vorgelesen wird — es verliert dann zweimal Alles, was es als rib bezeichnet, und ist lediglich Wiederholung des rib — (außer dem so wie am zweiten Peßachtage auch der saa nicht wiederholt wird;) und erst im dritten Jahre tritt es als n'b ein. Oder man behält es immer als n'b, indem man an diesem Tage in sbstrsoto unsere Verpflichtung, die Tora zu lesen, und darin niemals stille zu stehen, feiernd begeht. Dann aber müßte man das Stück von n^uttna zuerst und nanan nsn nachher lesen, um, diese als Anfang und Ende der Tora lesend, an das ursprüngliche Gesetz, die Tora alle sieben Jahre am Sukkotfest zu lesen, zu erinnern.*) Magdeburg, 11. Juli. (Privatmitth.) Es ist immer zu verwundern, welche eigenthümliche Stellung man in Deutschland den Juden gegenüber einnimmt. Wo es darauf ankommt, seine Freisinnigkeit zu dokumentiren, steht man nicht an, der Juden zu erwähnen und auf die ihnen eingeräumte Stellung hinzuweisen — sobald es aber gilt im Allgemeinen einen entscheidenden Schritt vorwärts zu thun, häuft man die scheinbaren Gründe, womit man die Zurückhaltung beschönigen will. In demselben Berlin, wo man vor Kurzem die Juden von den Lehrstühlen der Universität zurückgewiesen hat, hat man offiziell die Freisinnigkeit der Akademie damit erwiesen, daß sie seit 5 Jahren einen Juden unter ihren Mitgliedern zählt. In der Sitzung der Akademie am 9. h. zur Leibnitzfeier hielt Geheimrath Böckh als Sekretär einen Vortrag, worin er unter Anderm sagte: „Die Akademieen hatten heut am Allerwenigsten auf ein ausschließliches Glaubensbekenntniß hinzuarbeiten, und die berliner Akademie, die es sich schon vor 5 Jahren zur Ehre gerechnet, einen jüdischen ausgezeichneten Ge- *) Auf der zweiten Rabbinerversammlung kam dieser Gegenstand zur Sprache, s. Protokolle S. 131.