Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1847)
- Date
- 1847-07-26
- Page
- Seite 474 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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474 und des preußischen Volkes stets segensreich — und uns ferner wohlerhalten bleiben! Das gebe Gott! Bromberg, im Juni 1847. Zm Namen und im Aufträge unserer und vieler anderen Kommunen des Regierungsbezirks Bromberg: Die Verwaltungsbeamten. Louisberg. H. Zacharias. Pleß, 1. Juli. JlüfroUßT am 12. Juni zu Breslau nach einem kurzen Krankenlager erfolgte Hinscheiden des allgemein geachteten Herrn Abraham Muhr aus Pleß, erlitt nicht nur diese Gemeinde, sondern sämmtliche Gemeinden Oberschlesiens einen sehr schmerzlichen, nicht leicht zu ersetzenden Verlust. Zu Berlin den 7. April 1781 geboren, kam der Verewigte im Jahre 1806 als Hauslehrer in das achtbare Haus des Herrn F. Skutsch in Pleß, in welchem er später als Buchhalter fungirte, ließ sich endlich daselbst häuslich nieder, wo er ungefähr 42 Jahre bis an seines Lebens Ende ununterbrochen gewohnt und für Stadt und Gemeinde mannigfach nützlich wirkte. Vielseitig wissenschaftlich gebildet — auch in der jüdischen Literatur heimisch, verband er mit einem glücklichen Gedächtnisse seltenen Scharfsinn und obschon als Geschäftsmann vielfach behindert, hing er doch an Wissenschaft und Kunst mit inniger Liebe, knüpfte mit Gelehrten gern Bekanntschaft an, und erfreute sich der Hochachtung aller derer, die ihn kannten und zu schätzen wußten. Was ihn aber besonder» ehrenwerth machte, war sein Biedersinn, sein liebenswürdiger, edler Charakter — der auch volle Anerkennung fand, indem ihm nicht nur das Vertrauen seiner Glaubensgenossen, sondern auch das seiner nichtjüdischen Brüder im höchsten Grade zu Theil wurde. So verwaltete er mit vieler Anerkennung das ehrenvolle Amt des Stadtverordnetenvorstehers, und wurde er erst vor Kurzem beinahe einstimmig zum Stadtrath gewählt; selbst in fernen Kreisen bei hochgestellten Männern genoß der Verewigte vorzügliches Vertrauen und seltene Achtung. Für Recht und Gerechtigkeit glühend, war er jederzeit bereit das gekränkte Recht in Schutz zu nehmen. In dieser Beziehung besonders wird dessen Verlust wie gesagt den Gemeinden Oberschlesiens gar lange fühlbar bleiben, denn wo es galt die Rechte des Judenthums wahrzunehmen, der Unbill, den engherzigen Interpretationen der Ausnahmegesetze, welche die subalterne Büreaukratie so gern ausbeutet, entgegenzutreten, da war es der Verewigte, der mit seltener Energie in die Schranken trat, mit der Macht des Wortes — das ihn in hohem Grade zu Gebote stand — kämpfte, mit einer Freimüthigkeit, wie nur glühendes Rechtsgefühl einzuflößen im Stande ist, und gar oft wurden diese seine Bemühungen von glücklichem Erfolg gekrönt, wodurch allein er sich belohnt fühlte. Leider war es ihm nicht beschieden, den Triumph der guten Sache, deren Vorkämpfer er stets gewesen, zu sehen, den Sieg zu sehen, welchen Wahrheit und Humanität über Vorurtheil und Intoleranz theilweise bereits davon getragen hat, und mit göttlicher Hilfe in nicht ferner Zukunft vollständig davon tragen wird. In religiöser Beziehung bewahrte der Hingeschiedene — obschon der rationellen Richtung ergeben — einen Fonds wahrhaft jüdischen Gefühls im Herzen. Fern von der Frivolität des sogenannten modernen Judenthums, das alles Altehrwürdige zu verunglimpfen und in den Staub zu ziehen sucht, hegte er vielmehr tiefe Ehrfurcht für die Altvordern, für die Lehrer des Talmuds und ehrte auch die strengste Orthodoxie, wo diese ehrlich und aufrichtig hervortrat. Leutseligkeit und Wohlthatigkeitssinn — der bei Weitem über dessen pekuniären Verhältnisse hinausreichte — bildeten den Schlußstein dieses schönen und edeln Charakters, der ihm Aller Herzen erwarb. Die Leiche wurde von Breslau nach Pleß gebracht und daselbst am 15. feierlich zur Ruhe bestattet. Sämmtliche Honoratioren der Stadt, Se. Hochgeboren den freien Standesherrn und Reichsgrafen v. Hochberg-Fürstenstein an der Spitze — die Militär- und Zivilbehörden, die Kollegia des Magistrats und der Stadtverordneten, so wie Deputationen der benachbarten jüdischen Gemeinden *), als eine zahlreiche Menschenmenge aus allen Ständen und allen Konfessioen *) Selbst die benachbarten österreichischen Gemeinden waren vertreten — sogar der Vorsteher der breslauer Gemeinde, Herr M. Schreiber, machte, dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen, die weite Reise nach Pleß.