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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-26 · Heft 31 (26.7.1847) · p. Seite 472

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 31 (26.7.1847)
Date
1847-07-26
Page
Seite 472 (sequence 4)
Language
German
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472 die Kirche nie vergessen, und müsse das Dasein der Kirche schützen. Das Christenthum spricht den Grundsatz der Liebe aus, aber es fordert diese Liebe nicht bis zu dem Grade, daß es sich dadurch selbst in seiner Waltung im Leben beschränken würde. Kaum war diese Theorie ausgesprochen, so sieten die Redner, welche nur darauf gewartet hatten, ihr bei. v. Manteuffel II. erklärte sich ganz einverstanden; das Iudenthum leugne die christliche Offenbarung. Er selbst sei aus einer Provinz, wo gar keine Juden wohnen, und man wolle daher diese gar nicht. Hansemann will dagegen den Staat ganz unabhängig von der Kirche haben, und fordert die Gleichstellung als einen Akt der christlichen Gerechtigkeit. Diergardt und Wächter ertheiten den Juden das Lob der Sittlichkeit, und verlangen, daß christliche Duldung geübt werde. Hierfür auch Steirowitz. v. Bismark unterschreibt das, was von der Ministerbank ausgesprochen ist, der Staat sei allerdings zur Realisirung der christlichen Lehre da, und wenn er eine religiöse Grundlage haben muß, so könne diese nur das Christenthum sein. Sei dies eine mittelalterliche Ansicht, so bekenne er sich offen zu ihr. Gier spricht über Lokales im Sinne der Emanzipation, v. Finkenstein hält die Emanzipation für einen Jrrthum, und will, daß die Juden Christen werden. Hierfür erklärt sich auch v. Manteuffel I. Kräftig bekämpfte es v. Saucken: der christliche Staat beruhe auf der reinen Christuslehre, die zu ihrer Grundlage hat Liebe und Duldung. Aus einseitiger Auffassung des Christenthums entstanden Glaubensverfolgungen. Die Juden seien keine Proselytenmacher, obschon sie so häufig bei christlichen Dienstboten Gelegenheit hätten. Wenn die Juden nicht emanzipirt würden, würde die Geldmacht bei ihnen immer mehr wachsen. Müller spricht sich gegen die Juden aus. Altenhoven findet, daß durch das starre Festhalten des Prinzips vom christlichen Staate viele Kräfte verloren gehen und viele Kämpfe hervorgerufen werden, Alle müßten vor dem Gesetze gleich sein. Greger schilt auf die Juden, die nur Geld erwerben wollen, um die Christen zu unterdrücken. Zuletzt sprach noch Referent Sperling; er führt aus, daß die bekannten Verbrechertabellen in Betreff der Juden irrthümlich sind; die Religion der Juden sei den Meisten so unbekannt, daß ihre Folgerungen auf falschen Prämissen beruhen. Getaufte Juden wären selten Christen und doch gute Beamte. Der Staat dürfe nicht nach der Religion seiner Mitglieder konstruirt werden; in der Konsequenz gelangte man sonst zu einem christlichen Staate im Staate, zu einem katholischen, evangelischen Staate. Hiermit war die allgemeine Debatte geschlossen. Man sieht, daß an diesem zweiten Tage das Prinzip des allgemeinen Menschen- und Bürgerrechtes aufgegeben worden, daß die Frage sich nur um den christlichen Staat drehete, den die Einen als allen andern Glauben ausschließend betrachteten, die Anderen als aus Liebe auch andere Glaubensgenossen duldend ansahen, und daß jetzt auch wacker auf die Juden geschmäht ward. Es hatten an diesem zweiten Tage 17 Redner gesprochen, von denen 10 für, 7 gegen die Gleichstellung das Wort geführt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Australien. Sydney, 19. Oktober. Nach dem Sydney Herald ist es entschieden worden, daß, da die neu erbaute Synagoge 5900 Pf. gekostet, die Israeliten 4900 Pf. aufgebracht haben, die fehlenden 1900 Pf. von Staatsseiken bezahlt werden sollen. Italien. Rom, 8. Juli. (Privatmitth.) Merkwürdig ist es, daß sich hier jetzt dasselbe Schauspiel zeigt, wie vor einigen Jahren in Stockholm. Die Regierung will den Forderungen der Gerechtigkeit in Betreff der Juden einige Konzessionen machen, und — das Volk ist dagegen. Die Regierung will das Ghetto öffnen, will die Juden aus dem Pferch erlösen, in das man sie eingezwängt hat, und das Volk will die Pforten geschloffen halten, ja, man hatte Mühe ihm zu wehren, daß nicht mit Feuer und Schwert dagegen gewüthet wurde. Ist das italienische Volk so dumm und roh, daß cs selbst diese Erleichterung seinen Mitmenschen mißgönnt? Durch den Vergleich, den ich voran gestellt, glaube ich den richtigen Gesichtspunkt getroffen zu haben. In dem Drange, welcher die Römer ergriffen hat und beherrscht, einen geordneten, repräsentativen Staat zu erlangen, an welchem dem Volke seine bestimmte Mitwirkung gesichert sei, will cs durchaus nicht solche halbe Maßregeln im Kleinen, die selbstständig Etwas zu verbessern scheinen, für

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