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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-19 · Heft 30 (19.7.1847) · p. Seite 466

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 30 (19.7.1847)
Date
1847-07-19
Page
Seite 466 (sequence 14)
Language
German
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466 fett und auch als Schriftsteller in seinem Fache hervorgetretcnen Bauinspektors Sachs, eines schon in sehr vorgerückten Jahren befindlichen Mannes von eben so originellem als liebenswürdigem Charakter. Dieser fand sich nun durch die Bemerkung des Herrn Landtagskommissars veranlaßt, sofort ein Lebenszeichen von sich zu geben, und begab sich nach dem Hotel des Ministeriums des Innern, um die Ankunft des Herrn v. Bodelschwingh abzuwarten. Diesem Letztem siel schon bei dem Eintritte in sein Vorzimmer die freundliche Greisengestalt auf, die ihn mit Begierde zu erwarten schien. Statt sich aber in der üblichen Weise zu erkennen zu geben, zog Sachs sofort eine kleine von ihm mitgenommene Schrift hervor, welche bei Gclegcnhenhcit seines vor einigen Jahren hier stattgesundenen Jubiläums herausgekommen ist. Diese mit einem unverkennbaren Titelbilde und mit der Unterschrift des Bauinspektors Sachs versehene Biographie hielt er dem Minister vor und fragte ihn, aus das Bild zeigend, wer das wol sei. Herr v. Bodelschwingh, nachdem er sich lächelnd von der Äehnlichkcit überzeugt hatte, nahm diese Demonstratio ad oculos mit größter Freundlichkeit auf, erkundigte sich, ob Sachs bei der jüdischen Religion geblieben, was dieser mit großer Lebhaftigkeit bejahte, und fragte ihn auch, ob er eine Pension vom Staate beziehe. „Allerdings" — antwortete der jüdische Bauinspektor — „aber so klein, daß ich cs Ew. Exzellenz wirklich nicht verdenken kann, wenn Sie an meiner Existenz gezweifelt haben'." Der Minister bat sich darauf die kleine Schrift zur Einsicht aus, um die so angenehm gemachte Bekanntschaft naher zu begründen, worauf Sachs sich mit der treuherzigen Versicherung empfahl, daß er nur deshalb gekommen sei, um dem Herrn Minister dieses kleine Andenken zu überreichen. Düsseldorf, 1. Juli. Die hiesige Zeitung berichtet Folgendes: Es soll wahr sein, daß dem Freihcrrn v. Vincke wegen seines auf dem Landtage den jüdischen Glaubensgenossen gemachten Vorwurfs, daß sie feige waren, nicht nur von hiesigen jungen Leuten jüdischen Glaubens, sondern auch von vielen aus Hamburg und noch anderen Städten Herausforderungen zugegangen seien, um dem pikanten Redner das Gegcntheil seiner ausgesprochenen Behauptung zu beweisen. —. (Wir halten dies nur für einen Puff. Jedenfalls wäre dies die unpassendste Weise, dem Herrn Landrath von Vincke die Unwahrheit seiner Verleumdung zu erweisen. Der Muth, der in dem Laufe einer Pistole liegt, oder auf der Spitze eines Degens ruht, ist der fraglichste Muth von der Welt, ist ein Muth, dessen sich jeder Raufbold rühmen kann. Der größte und unbezweiseltste Muth ist der Muth der Ueberzeuguvg, und diesen Muth haben die Juden seit mehr als drei Jahrtausenden, einer Welt gegenüber, erwiesen; siehabenihn auf eine solche Weise erwiesen, daß sogar der Muth, auf dem preußischen Landtage ungerechte Beschuldigungen gegen die Juden auszusprechen, dagegen sehr falb ist. Redakt. d. A. Z. d. Judenth.) Großbritanieu. London, 29. Juni. Die ministerielle Morning Chronicle versichert, das Gouvernement würde, falls Baron Rothschild und Herr Du. Salomons zu Parlamentsmitgliedern gewählt würden, die nicht zu rechtfertigende Ausschließung der Juden vom Parlament durch Vorlage einer bezüglichen Bill entfernen. Lord I. Ruffel hat übrigens schon versprochen, daß dies Anfangs der nächsten Session jedenfalls geschehen solle. —. 30. Juni. In der gestrigen Versammlung der Wähler der City von London in der London-Tavern traten Baron Rothschild und Sir George Larpent als Parlamcntskandidaten auf. Ersterer versprach der Handels- und Gewissensfreiheit und einer größern Verbreitung des Jugcndunterrichts das Wort zu reden und meinte, wenn die liberale Partei nur zusammenhalte (pulled together), so könne der Erfolg nicht zweifelhaft sein. —. Der Standard meint, man wolle jetzt die Judencmanzipation eben so erzwingen, wie die Emanzipation der Katholiken durch die weltberühmte Wahl von Cläre von 1828, in welcher O'Connell, als Katholik damals eben so wenig wie jetzt die Juden gesetzmäßig befähigt, im Parlamente Sitz und Stimme zu führen, doch zum Untcrhausmitgliede gewählt wurde. Deutschland. Darmstadt, 3. Juli. Der eben veröffentlichte Landtagsabschied enthält unter Anderm, daß das von beiden Kammern angenommene Gesetz über die Aufhebung der Artikel 7 bis 11 des kaiserlich französischen

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