Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 30 (19.7.1847)
- Date
- 1847-07-19
- Page
- Seite 464 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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464 allgemeiner werde, die Israeliten durchdringe und belebe und auch durchFakta sich realisire, nach den jedesmaligen zeitlichen und örtlichen Umstanden undVerhältnissen. Dieses ist vorzüglich die Aufgabe der jüdischen Geistlichen, Lehrer und Vorsteher. Es darf sie nicht verdrießen, wenn sie hie und da noch von vorn anfangen müssen, um allmälig und stufenwcis zum Fortschritt zu führen, so wenig wie jeden Lehrer, der mit seinen Schülern auf diese Weise verfahren muß. Sprünge und zu rasches Verfahren entbehren jeder festen Grundlage und führen nur zur Halbheit und Ungründlichkeit. Es darf sie ferner nicht verdrießen, wenn dieser Geist noch nicht sogleich verstanden und aufgefaßt und die Unwissenheit und Bornirtheit sich ihm entgegenstellt, — so wenig wie jeden Lehrer, den seine Schüler nicht sogleich verstehen. Sie müssen vielmehr, so wie diese, ihre Lehren so oft wiederholen, die verschiedenen Methoden unermüdet versuchen und anwenden, mit Berücksichtigung der verschiedenen Auffassungsgaben und geistigen Anlagen, bis sie verstanden werden und festen Boden gewinnen. Es darf sie endlich nicht abschrecken, wenn dieser Geist sich noch nicht in der Wirklichkeit Bahn gebrochen, wenn er in seiner Realisirung vielfach gehemmt wird. Er muß vielmehr immer wieder von Neuem offenbart und in seinem Glanze und seiner Herrlichkeit gezeigt werden, bis er erleuchtet und erwärmt und die Schwierigkeiten besiegt hat. Das endliche Ziel, was erreicht werden soll und muß, müssen diese Männer sich klar und deutlich bewußt und hierüber mit sich selbst einig seien. Und dieses ist kein anderes, als unsere Religion von ihrer Starrheit, in der sie lange versank, zu befreien und sie flüssig zu machen, daß sie wieder eine Religion des Gemürhs und Geistes werde und nicht aus bloßen Thaten bestehe, so daß sie wieder das Innerste des Menschen belebe und heilige und zur Wcltreligion werde, wozu sie bestimmt ist. 1») Daß die Theilnahme an den religiösen Verhältnissen immer zunehme und der Jndifferentismus stets mehr schwinde. Dieses bewirken am Besten Vereine, Genossenschaften und Zusammenkünfte im Interesse der religiösen Angelegenheiten. Diese sind die geeignetsten Mittel, um die verschiedenen, auch den verschiedenen Ansichten huldigenden Individuen für das Judenthum zu begrüßen und sie zu diesem zurückzuführen. Sie machen auch den Boden urbar für die zeitgemäßen Reformen, die bisher aus Mangel an Theilnahme nicht recht gedeihen konnten. — Mögen diese daher auch verschiedene Wege einschlagen und scheinbar auch verschiedene Resultate erzielen wollen, ja sogar zu destruktiv zu verfahren scheinen, — sie haben Alle dennoch jetzt schon die gemeinsame gute Folge gehabt, größeres und allgemeineres Interesse für das Judenthum erregt zu haben und führen sie zuletzt zu einem und demselben Ziele, in und zu welchem sie sich ausgleichen und vereinigen werden. Sie Alle haben daher ihre Berechtigung in sich selbst und in der Geschichte des Judenthums, die Jedem Analogien darbietet und all das, was sich gewaltsam von ihr losreißen will, von selbst in der Zukunft nicht bestehen läßt. Diese und noch Andere mögen daher in Frieden neben einander bestehen und in ruhiger und würdevoller Haltung sich zu berichtigen und zu verständigen und somit am Ende auch zu vereinigen suchen. — Es kann daher auch nur gewünscht werden, daß das noch junge Institut der Rabbinerversammlung noch ferner fortbestehe und ihm die Theilnahme des intelligenten Theiles, durch das leider nur zu voreilige und einseitige Auftreten gegen die dritte Versammlung nicht entzogen werde. Es ist merkwürdig, daß dieses Institut nun von den drei verschiedenen Richtungen angefeindet und verdächtigt wird. Zuerst von den streng Stabilen, alsdann von den mäßig und zuletzt von den zu rasch fortschreiten Wollenden. Die ersten Beiden hat es nun glücklich überwunden und besiegt und wir erwarten und hoffen, daß es auch über die dritte Klippe glücklich kommen werde, zumal diese Männer, die so ungerecht gegen es verfahren sind, intelligent genug sind, um ihr Unrecht bald einzusehen, so wie auch, daß sie hierdurch gegen ihr eigenes Interesse gehandelt haben und werden sie sich daher bestreben, das wieder gut zu machen, was sie verdorben haben. — Wir schließen für jetzt diese kurzen Betrachtungen mit dem Wunsche, daß sie etwas zur Verständigung und zur gerechten Würdigung der verschiedenen Richtungen beitragen möchten. K. Berlin, 26. Juni. (K. Z.) Die ständischen Verhandlungen über die Judenfrage haben die hiesige jüdische Bevölkerung in eine außerordentliche Bewegung versetzt, die wol noch lange nach den verschiedensten Seiten hin nachwirken wird und schon jetzt