Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 30 (19.7.1847)
- Date
- 1847-07-19
- Page
- Seite 462 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Ref. Sperling: Ich glaube, daß nur im Allgemeinen die Gründe der Minorität angegeben werden dürfen. Es ist nicht möglich, Alles, was die einzelnen Redner gesprochen haben, aufzunchmen. Marsch all: Soll dieser Punkt als erledigt angesehen werden? (Allgemeines Ja!) Abg. v. Thadden: Selbst auf die Gefahr hin, daß der Passus, der von dem Abgeordneten der Ritterschaft von Sachsen als solcher bezeichnet ist, daß er aus dem Entwürfe fortbleiben sollte, — dann erst recht durch fällt, wenn ich ihn — mit meiner geringen parlamentarischen Gewandt heit — unterstütze.... (Allgemeines stürmisches Gelächter.) so trage ich dock darauf an.... (Die letzten Worte werden durch Bravorufen und Getrommel übertönt.) daß dieser Passus zur Abstimmung gestellt wird, da wir in der Gegend, in der ich sitze, nicht gehört haben, daß er zur Frage gestellt war. Abg. v. Auerswald: Ich bemerke, daß ich Seitens der Majorität manche Bedenken gegen das Gutachten zu erheben hätte, welche ich aber bei einer so bedeutenden Arbeit, die in so kurzer Frist vollendet sein mußte, kaum mich berechtigt halte zu erheben, und wobei ich zugleich doch darauf aufmerksam machen muß, daß vielleicht noch in keinem Gutachten in so reichhaltigem Maße auch der Gründe der Minorität gedacht worden ist... (Einige Stimmen: Sehr richtig!) und ich glaube, daß die Bedenken, welche die Majorität haben könnte, sich wol bei der vollen Anerkennung, die der Herr Referent der Minorität hat zu Theil werden lassen, mit den Bedenken der Letztem werden kompensircn lassen. (Bravo.) Ref. Sperling: Gern und mit Ueberzeugung bekenne ich, daß jedes andere Mitglied der hohen Versammlung im Stande gewesen wäre, die Aufgabe glücklicher zu lösen, als ich. Ich habe mein Möglichstes gethan. Ueber seine Kräfte ist Niemand verpflichtet. Dem geehrten letzten Sprecher danke ich für die mir seinerseits gewährte Schonung. Marsch all: Wenn weiter keine Bemerkung gemacht wird, so ist der Entwurf als genehmigt anzusehen. —. Zur Geschichte des Gesetzentwurfes ist auch diese Debatte nicht unwichtig. Von der Mosel, im Juni. (Privatmitth.) Die Stürme und Wogen im Gebiete des Judenthums scheinen jetzt ausgetobt und sich gelegt zu haben; der gewaltigen Fluth scheint Ebbe und dem heißen Kampfe, welchem Verketzerung und Verdächtigung von der einen, Arroganz, Verhöhnung und Selbstvergötterung von der andern Seite zu Waffen diente, — Besonnenheit und Ruhe gefolgt zu sein. In der That war dieses Jahrzehend bisher schon sehr reich an Ereignissen, Bewegungen und Kämpfen im Judcnthume, die den größten Einfluß auf dessen weitere Entwickelung und Fortbildung gewiß ausüben werden. Es eröffnete die Reihe mit dem Streite über das Hamburger Gebetbuch, ihm folgte die breslauerRabbbinerangelegenheit, wobei die freie Forschung im Judenthume gefährdet ward. Hierauf trat der Reformverein zu Frankfurt a. M. auf und es entstand ein Kampf über seine Prinzipien und die Beschneidung. Diesem folgte die erste Rabbinerversammlung zu Braunschweig und deren Verdächtigung von den 77 oder 116 sogenannten Rabbinen. Hierauf die Genossenschaft für Reform des Judenthums zu Berlin, die zweite und dritte Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M. und Breslau, welche alle große Bewegung und An- und Aufregung verursachten und vorzüglich war es die letzte Rabbinerversammlung, die von der entgegengesetzten Richtung, als die erste, mit großer Bitterkeit angefeindet wurde. Wahrlich, viele, sehr viele und sehr wichtige Ereignisse in einem so kurzen Zeiträume und können wir keinen andern, der ihm hierin gleichkömmt! Dieser Zeitraum hat viele bleibende und dauernde Momente aufzuweisen, wie fast noch keiner vorher! Wenn nun auch die Akten noch nicht geschlossen sind, der Kampf noch lange nicht beendigt ist, es auch nicht sein kann und soll, es daher sehr schwierig, ja fast unmöglich ist, jetzt schon alle diese Ereignisse nach ihren Folgen zu beurtheilen: so dürfte es doch nicht unerheblich sein, den momentan eingetretenen Waffenstillstand zu benutzen, um die jetzt schon in's Leben getretenen Resultate zu überschauen, und einzusehen, wie diesen gemäß in der Zukunft zu wirken, zu schaffen und fortzubauen sei. 1. Resultate. a) Als erstes und wichtiges Resultat erkennen wir den Sieg des religiösen Fortschrittes. In all den oben angeführten Ereignissen, welche gewaltige Kämpfe hervorriefen, hat immer die den Fortschritt vertretende Richtung den Sieg davon getragen, und — was noch mehr ist — ihre Prinzipien und An-