Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 29 (12.7.1847)
- Date
- 1847-07-12
- Page
- Seite 450 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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450 der — in Mendelssohn's Weise — trefflich übersetzt ist. Dann wird der Inhalt der Sidra von Einem angemessen erzählt, ein Andrer streut an passender Stelle talmudische Erzählungen rc. ein, der Vater Betrachtungen und Erklärungen, Einige der Kinder werfen Fragen über den Gegenstand auf, die beantwortet werden. Zum Schlüsse wird die Haphtora entweder in gleicher Weise behandelt, oder in ihren prägnantesten Sätzen vorgetragen. Auf ähnliche Art sind auch die 5 Megillot eingestreut. Das Ganze ist in sehr eleganter, flüssiger Sprache, mit fruchtbaren, aber nicht langweilenden moralischen Betrachtungen durchflochten, und belebt so den Geschmack für religiöse Lektüre, der in unsrer Zeit so sehr gewichen ist, nachhaltig. Wir können daher das Weck, von dem zwei Ausgaben erschienen sind, eine Prachtausgabe in 5 Bänden mit 50 Zeichnungen zu 25 Fcks (6-/3 Thlr.) und eine wohlfeilere in 2 Banden mit 16 Zeichnungen und einer kleinen Karte zu 6 Frks (1 Thlr. 18 Ngr.), sowol als französisches Lesebuch in jüdischen Schulen, als auch überhaupt zur französischen Lektüre für die Jugend empfehlen, und glauben, daß es, in sprachlicher Beziehung, den Cuiilaume Teil von Florian, den Charles XII von Voltaire rc. zu ersetzen wol im Stande ist, in religiöser Beziehung aber zu gleicher Zeit sehr vvrtheilhaft wirken wird. Korrespondenz. Lübbecke, den 8. Juni 1847. Bericht über die 5. Konferenz der Lehrer des Furstenthums Minden, abgehalten am 1. und 2. Zurri c. zu Neukirchen bei Rietberg. Am 31. v. Mts. hatten sich bereits sännrttliche Theilnehmer an der vorbezeichneten Konferenz eingefunden. Sie wurden für die Dauer der Konferenz bei den jüdischen Familien untergebracht, allwo sie sich einer überaus gastfreundlichen Aufnahme zu erfreuen hatten. Am 1. Juni, Morgens 8 Uhr, begab sich die Versammlung in das dortige Schullokal, um die Prüfung der jüdischen Schule in den dem Lehrer vorher bezeichneten Gegenständen abzuhalten. Es wurde dort der Lehrer G. Schneidacher nebst seiner aus 25 Kindern bestehenden kombinirten Schule der Gemeinden Neukirchen und Rietberg angetroffen. Die Prüfung in Religion, bibl. Geschichte, hebräischer und deutscher Sprache dauerte bis 12 Uhr. Nachmittags 2 7* Uhr begab sich die Versammlung in die Wohnung des Lehrers, um über das in der Schute Gehörte die Diskussion zu eröffnen. Vorab wurde unter Leitung des Lehrers Kaufmann aus Bünde ein vierstimmiger Choral aus dem württembergischen Gesangbuche, „Das Amt der Lehrer, Herr, ist Dein", gesungen. Hierauf tauschten die Lehrer ihre Ansichten über den Befund der Schule gegenseitig aus, und nach mehrstündiger Debatte wurde nachstehende Erklärung abgegeben: Obgleich die dem Lehrer einige Tage vorher eingesandten Hauptthemata's, bestehend aus a) einer Katechese über die 5 ersten der 10 Gebote, b) einer Unterhaltung über die in den Büchern Samuel auftretenden Personen, für die Oberklasie seiner Schule berechnet waren, welche S. bereits seit einem Monate aus der Schule entlasten hatte, so zeigte sich doch bei der zweiten Klasse eine tüchtige Vorbereitung für die bezeichneten Gegenstände, was die Kinder durch ihre bestimmten, oft überraschenden Antworten bekundeten. Die Versammlung mußte dem Schneidacher das Zeugniß eines tüchtigen Katecheten geben, der auch bei den übrigen Pcüfungsgegenstanden nach einer zweckmäßigen und geistbildenden Methode verfuhr, und dessen Streben, Gründlichkeit mit Mannigfaltigkeit zu verbinden, sich überall dokumentirte. Wenn er im Laufe der Katechisation oft etwas unpopulär gewesen, so dürfte dieses wol seinem jugendlichen Eifer und seinem Interesse für die Sache zuzuschreiben sein. Am 2. Juni Vormittags 8 Uhr versammelten sich die Konferenzmitglieder abermals beim Lehrer Schn., um verschiedene pädagogische Gegenstände zu besprechen. 1) Es wurde der erste Bogen des von dem Lehrer Herrn Leesec zu Dülmen herauszugebenden hebräischen Elementarbuches, welcher in 10 Aufgaben das prädikative Satzverhältniß, so wie die ersten 3 Aufgaben des attributiven Satzverhältnisses enthält; ferner die hebräische Uebersetzung des ersten Kapitels des Buches Tobiä, welches als Anhang zu jenem Elementarbuche dienen soll, der Gesellschaft vorgelesen. Obwol man sich vor dem Erscheinen des ganzen Buches kein bestimmtes Urtheil über dessen Werth erlauben wollte noch konnte, so hielt man sich doch nach der aus den beiden Bogen gewonnenen Einsicht zu der Behauptung berechtigt, daß das Ganze, nach dem angelegten Plane durchgeführt, sowol dem Inhalte als der Form nach eine vorzügliche Arbeit werden müßte, weshalb man sich nach Vollendung des Werkchens des geistvollen Leeser sehnte, um es recht bald als eine neue und höchst er-