Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 29 (12.7.1847)
- Date
- 1847-07-12
- Page
- Seite 449 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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449 unsrer Zeit so sehr widersprechende, anstößige Sitte, mit bedecktem Haupte zu beten, abschaffte. Wie liebevoll und belehrend er dabei verfährt, zeigt uns auf der einen Seite der Umstand, daß es Jedem gestattet ist, mit oder ohne Kopfbedeckung zu erscheinen, auf der andern Seite seine kürzlich bei Nasse in Soest erschienene Predigt: „Das unbedeckte Haupt", deren einfache und gediegene Haltung nicht minder seinen versöhnlichen Charakter, als seine tüchtigen Kenntnisse darthut. Ferner hat Herr H. durch ein Rundschreiben an alle Vorsteher seines Bezirks eine Petition bei dem vereinigten Landtage um bürgerliche Gleichstellung und Ordnung unserer Kultusverhältniffe befördert, wie er denn mit den westphälischen Abgeordneten dicserhalb in fortwährendem Briefwechsel steht. Nicht blos wir Israeliten, sondern noch vielmehr die Behörden und christlichen Mitbürger wissen ein so anhaltendes, trotz Undank und Verleumdung fortgesetztes wohlthätiges Wirken zum Heile Israels und der Menschheit wohl zu schätzen. (Der vielen Wohlthaten nicht zu gedenken, welche Herr H. in diesem Nothjahre heimlich und öffentlich gethan und befördert hat.) Je seltener die Männer unter uns sind, namentlich unter unseren „Reichen", die mit beispielloser Begeisterung und Hingebung, mit unsäglichem Opfer unausgesetzt ein hohes Ziel verfolgen, wie Hellwitz, um so bedauernswerther, wenn gegen solche Einzelne in so geachteten Journalen, wie die Allg. Ztg. des Jud., aus Schlupfwinkeln stumpfe Pfeile des Obskurantismus abgeschickt werden dürfen. Es thut wahrlich Noch, solche Kräfte, wie Hellwitz, durch gebührende Anerkennung nur noch mehr zu gewinnen, statt kleinlichen Anreizungen Raum zu geben. Darum halte ich es auch für überflüssig, jedes Fädchen derartiger Gespinnste zu zerreißen; der Korrespondent möge seine verrostete Lanze cinstecken, sie berühren den Angegriffenen gewiß nicht, noch weniger vermögen sie den ruhigen Beobachter der Begebenheiten, welcher das Gute und Edle freundlich aufnimmt, wo und wie er es findet, in seiner wohlbegründeten, längst festwurzelndcn Gesinnung der Hochachtung gegen Herrn Obervorsteher Hellwitz irre zu machen. *) Ein Freund der Wahrheit. *) Wir haben, der Unparteilichkeit wegen, diese Erwiderung, deren einzelne Satze wir nicht alle billigen können, ausgenommen, müssen aber diese Sache nunmehr auf sich beruhen lassen. Redakt. Literarische Nachrichten. Leipzig, 20. Juni. Von den hier erschienenen Vorlesungen des Dr. Philipps 0 n: „Die Entwickelung der religiösen Idee im Judenthume, Christenthume und Islam" (Baumgartners Buchhandlung. 24 Ngr.) erscheint binnen Kurzem eine französische Uebersetzung zu Paris. Mergdebuvg, 25. Juni. La semaine israelite ou le moderne. Entretiens de Josue Hadass avee sa famille sur les Saintes-Ecritures. Imite de PHcbreu par A. Ben Baruch Crehange. Deuxieme edition ornee de 16 jolies gravures dessinees par Beäuge. 2 Vol. Paris, eliez J’auteur. 1847. Wenn den deutschen Schriftstellern der Ruhm gründlicher Gelehrsamkeit, sorgfältiger Forschung, kritischer Befähigung und philosophischer Schärfe auch in der neuern Zeit vorzugsweise gehört: so ist hingegen der Geschmack, die Eleganz, die Leichtigkeit der Form, die Gefälligkeit der Darstellung ein Eigenthum der Franzosen. Wie viele biblische Geschichten, Bibelauszüge rc. sind in Deutschland auch für die israelitische Jugend erschienen — ahn wie wenig schmackhaft sind sie zubereitet; wie leuchtet aus ihnen nur der Ernst des Lernens, nicht aber die ansprechende Anmuth hervor, welche nöthig ist, um den Weg zum jugendlichen Gemüthe zu finden. Wir wollen den Leser mit Wenigem einen Beweis geben. Wenn uns eine neue biblische Geschichte u. dgl. zugesandt wird, so kostet es uns immer einige Ueberwindung, daran zu gehen. Es ist dasselbige, was wir schon unzählige Male vor uns gehabt. Schnell sucht man einen Ueberblick von dem Gange, den der Vers, genommen, zu gewinnen, .und dann — wird's bei Seite gelegt. Als wir die vorliegende Semaine israelite in die Hände nahmen, erwarteten wir ein Aehnliches. Aber kaum hatten wir einige Seiten gelesen, als uns die Darstellung so fesselte, daß wir die Lektüre einige Stunden fortsetzten, und von Zeit zu Zeit wieder aufnahmen. Dieser Umstand spricht für den Reiz, den der Vers, seinem Werke zu geben gewußt, und der für eine Jugendschrift unentbehrlicher ist, als wir in Deutschland wenigstens in den Schriften als nothwendig bewahren. Der eigentliche Stoff des Werkes ist die Tora. Der Vers, behandelt nun denselben nach den 54 Sidrot, und läßt eine zahlreiche Familie jeden Freitag den Inhalt einer Sidra gesprächsweise besprechen. Man beginnt mit der Absingung eines paffenden Psalms,