Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 29 (12.7.1847)
- Date
- 1847-07-12
- Page
- Seite 448 (sequence 12)
- Language
- German
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448 Stadtverordneten-Stellvertreter (alle drei Juden und Mitglieder der Gesellschaft der Freunde). Das sind schöne Zeichen, wann der Bürger seinen jüdischen Mitbürger gleichstellt und gleichachtet! Königsberg, 13. Juni. (Brem. Z.) Heute sollte der erste Sonntagsgottesdienst der jüdischen Gemeinde stattsinden. Ich schrieb Ihnen, daß die Polizei ihr anfängliches Verbot zurückgenommen; sie hat es jetzt, unter Androhung von 50 Thalern Geldstrafe, erneuert. Der Gemeindevorstand wollte den ganzen Hergang, also das Verbot, die Erlaubniß, das erneute Verbot veröffentlichen. Die Zensur strich aber die zwischen beiden Verboten liegende Erlaubniß, so daß der Artikel sinnlos wurde und daher zurückgezogen ward. Der Vorstand hat nunmehr eine Beschwerde bei der Regierung eingereicht. Berlin, 28. Juni. Was nicht Alles möglich ist. Die Verhandlungen über das Judengesetz auf dem Landtage haben selbst zu einem diplomatischen Zerwürfniß geführt zwischen Preußen und — der Türkei. Unseren Lesern wird bei der Lektüre der Landtagsverhandlungen nicht entgangen sein, daß der Minister v. Thile bei Gelegenheit der Berathung über den Judengesetzentwurf sich einmal des Ausdruckes „türkisches Unwesen" bedient hat. Wie wir aus zuverlässiger Quelle vernehmen, hat diese Aeußerung dem am hiesigen Hoflager akkreditirtcn türkischen Gesandten, Chevket Bey, Veranlassung gegeben, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten eine Beschwerdenote zu übergeben. Aus Westphulen, im Mai. (Eingesandte Erwiderung.) Zur Widerlegung des in No. 19. d. Bl. gegen den Herrn Obervorsteher Hellwitz gerichteten Artikels aus Westphalen bedarf es wahrlich keiner großen Beweise, sondern nur einer Hindeutung auf die so heftig angegriffene, keinesweges aber entkräftete Schrift: „Herr O. B. H. und die Rabbinerversammlung." Es ist ein arges testimonium paupertatis für die Letztere, wenn zur Rechtfertigung ihres Verfahrens ihre Verth eidiger zur Verkleinerung der Verdienste der Gegner ihre Zuflucht nehmen müssen. Verkleinern und in den Staub ziehen läßt sich aber bekanntlich das Höchste, und durch die ironisch sein sollende, verstümmelte Aufzählung alles dessen, was Herr Hellwitz bisher gethan, hat der Einsender den Verfasser der gerügten Broschüre, die keinesweges eine Mystifikation, ganz und gar nicht widerlegt, und Jeder, welcher die Persönlichkeit nur von Ferne kennt, begreift leicht, aus welcher Quelle diese hämische Jnvektive geflossen sein muß. Schreiber dieses ist weder mit dem Autor des Schriftchens, den er nicht einmal ahnet, identisch, noch will er alles von diesem Gesagte rechtfertigen, aber jeder Mestphale weiß, was wir an unserm Hellwitz besitzen,-und das natürliche Dankgefühl veranlaßt ihn zu diesen Zeilen. Vorab hatte der „Unparteiische" Recht, die ehrenvolle Persönlichkeit Hellwitzens dem Leser vorzuführen, damit diese ermessen können, wen die Rabbinerversammlung ausgeschlossen, besonders da dessen theologische Befähigung und seine Beamtung als Prediger in Zweifel gezogen wurde, dafür die biographische Skizze, nach deren Lesung sich Jeder selbst sagen mußte, daß der Exkludirte würdig genug sei, daß aber nach dem mitgetheilten, durch Aktenstücke belegten Thatbestande Herr Hellwitz bei viel geringeren Verdiensten und Fähigkeiten, zu Sitz und Stimme ebensowol berechtigt war. Darum hat auch namentlich in unsrer Gegend das Schriftchcn überall „nicht als Mystifikation" freudige Sensation erregt und das Verfahren der Versammlung Mißbilligung gefunden. Wie der Verfasser in den Besitz der veröffentlichten Briefe und Aufsätze gelangt, das sagt er selbst; er nennt sich einen Freund Hellwitzens, den er fünfMonate später besucht, als solcher Freund konnte er aber in der Sache selbst wol unparteiisch sein. Keinesfalls war die R. V. im Rechte, Herrn H., der sich rechtzeitig gemeldet, und seine Qualifikation glänzend nachgewiescn, von ihren Berathungen auszuschließen, und wenn sie es war, so ist gewiß das Wie dieser Ausschließung tadelnswerth. Wir wollen hier nicht aus die höheren Verdienste und die allgemeine Anerkennung des Obervorstehers zurückkommen, aber selbst auf die Gefahr hin, ebenfalls als Panegyriker verschrieen zu werden, und der Bescheidenheit des Belobten zu nahe zu treten, dürfen wir dem größern Publikum die neuesten Ereignisse nicht verschweigen. Der Gemeinde Soest, deren Synagoge erst renovirt wurde, schenkte Herr H. vor Kurzem eine Orgel und suchte durch ein konsequentes Fortschreiten der Umbildung und Verbesserung des Gottesdienstes den Schluß zu geben, indem er die veraltete, dem Geiste