Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 29 (12.7.1847)
- Date
- 1847-07-12
- Page
- Seite 446 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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446 Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, 25 Juni. In der Sitzung der Deputirtcnkammer vom 24. Juni erinnerte Cerfberr an die Behandlung der französischen Israeliten in der Schweiz und Herr Guizot erklärte, diese Frage beschäftige ihn jetzt und werde bei der in der Unterhandlung begriffenen Erneuerung der Verträge mit der Schweiz erledigt werden. Türkei. Nach Berichten aus Damaskus vom 10. Juni hat sich ein Vorfall dort ereignet, der zur Erneuerung von fabelhaften Gerüchten, jenen über den bekannten Pater Thomas ähnlich, hätte Anlaß geben können. Ein türkisches Weib hatte nämlich einen israelitischen Kleidertrödler bei einem Handel beschimpft, und da er Genugthuung darüber bei der Obrigkeit suchen wollte, so ward er vom Pöbel thätlich mißhandelt, dann der angeblichen Entführung eines Knaben beschuldigt und dem Gerichte überliefert. Alle Israeliten, die sich hierauf auf der Straße zeigten, wurden vom fanatischen Pöbel verunglimpft und mißhandelt. Dem thätigen Einschreiten des englischen Konsuls jener Stadt gelang es, der bedrängten jüdischen Gemeinde Schutz angedeihen und eine Unparteiische Untersuchung des Vorfalls vornehmen zu lassen. Nachdem daraus hervorgegangen war, daß zwei Individuen falsche Zeugenschaft gegen den jüdischen Händler abgelegt hatten, verurtheilte der Stadtgouverneur, Savfeti Pascha, den Einen zur Galeere, und ließ den Andern in ein Soldatenkorps aufnehmcn, während der Unschuldige augenblicklich auf freien Fuß gesetzt wurde. Holland. Amsterdam, 1. Juli. (Privatmitth.) Seit einiger Zeit treibt hier ein englischer Missionär, Pauli, sein Unwesen und sucht mit schweren englischen Pfunds einige jüdische Holländer, arme Schlucker, wegzukapern. Da ihm dies nicht viel lohnte, so suchte er es in's Große zu treiben, indem er in einem schändlichen Libcll „cko Waaraclitige Physiologie van Amsterdam" die Juden furchbar verleumdete, und sie aufforderte, ihm in den Schooß feiner Kirche zu folgen. Obgleich nun dergleichen Manövres hier ebenso erfolglos bleiben, wie anderswo, ohne daß die bezahlenden, noch die bezahlten Herren klüger werden; so galt cs doch, dem Schreier ein wenig auf das ungewaschene Maul zu klopfen. Dies geschah in einer so eben mit dem Motto zinu yb D-ia erschienenen, in englischer und holländischer Sprache zugleich abgefaßten Broschüre, die ich Ihnen anbei übersende. „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Hammer!" ist auch ein holländisches Sprüchwort, und so hat der Verfasser dieser Broschüre sich durchaus nicht in theologische Diskussionen eingelassen, sondern in derber, schlichter, aber schlagender Weise seine Meinung ausgesprochen. Er weiset auf die Verschiedenheit und gegenseitige Verurtheilung der christlichen Parteien und Sekten, auf die Unzulänglichkeit der gewöhnlichen Beweise, welche die Missionäre aus der Schrift hervorholen, und die nach den besten Exegeten durchaus nicht auf den Stifter der christlichen Religion gehen, auf die durchaus nicht geringere Moralität der Juden, die sittliche Reinheit der Rabbinen hin; er frägt, ob von den Juden etwa das viele Menschenblut auf Erden vergossen worden und werde? er deutet die unwürdigen Mittel an, welche bei der Proselytenmacherei angewendet werden, und fordert endlich den Gegner auf, daß die Bemühungen erst dahin gerichtet sein mögen, die edlen Vorschriften des Evangeliums von den Bekennern desselben vollführt zu machen. Dies, mit vielen treffenden Worten ausgeschmückt, ist der kurze Inhalt einer kleinen Broschüre, welche mehr als dickleibige Bände geschickt ist, den Gegner zum Schweigen zu bringen. Preußen. Berlin, 27. Juni. Bei der Fragestellung in der Kurie der drei Stände: „Sollen die Juden zu allen Staatsämtern zugelassen werden, mit Ausnahme derer, mit welchen eine Leitung oder Beaufsichtigung der christlichen oder Kultusangelegenheiten verbunden ist?" ergab sich folgendesStimmenvcrhältniß: Inder Rheinprovinz waren 48 Stimmen dafür, 11 dagegen, in der Prov. Preußen 48 St. dafür, 19 dagegen, in der Prov. Posen 25 St. dafür, 16 dagegen, in der Prov. Schlesien 31 St. dafür, 35 dagegen, in der Prov. Pommern 17 St. dafür, 23 dagegen, in der