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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-12 · Heft 29 (12.7.1847) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 29 (12.7.1847)
Date
1847-07-12
Page
Seite 439 (sequence 3)
Language
German
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439 12, 49. 4 Mos* 15, 15. 26. 29.); und „lieben sollst Du den Fremdling, wie Dich selbst" (3 Mos. 19, 33. 34. 5 Mos. 10, 19.); und „Du sollst den Fremdling nicht bedrücken und nicht beschränken, auf daß er nicht schreie zum Ewigen Deinem Gotte, über Dich" (2 Mos. 22, 20. 22* 23, 9.); und die Ränder Deiner Felder, die Nachlese Deines Weinbergs, und der Ertrag des siebenten Jahres, und die zweiten Zehenten des dritten Jahres gehören dem Fremdling, wie dem einheimischen Dürftigen — und wie die Gesetze der tha tkräftigen Liebe noch weiter heißen. Uns aber nennt man Fremdlinge, um einen Vorwand, eine eitle Entschuldigung zu haben zur Beschränkung, um zweierlei Recht und zweierlei Gesetz zu haben, Eines für den Nichtjuden, und Eines für den Juden! Wohl aber, m. Fr., wir wollen nicht schreien zum Ewigen — trnba bant^ ns irnba N'rn — „Gott sah die Söhne Jisraels, und Gott wußte" (2 Mos* 2, 25.). Wir sind gegangen und wollen gehen, wohin uns Gott sendet; wir haben uns nicht gefürchtet, und wollen uns nicht fürchten; „denn Gott ist mit uns, uns zu retten" — inwb b^ -!pn „ich wache über mein Wort, es zu vollführen" (Jirm. 1.). II. Aber dann, meine Fr., wenn man an uns selbst, an unsre Person als Juden nicht mehr konnte— dann hat man nach dem gegriffen, was höher steht als wir, was unser Kleinod, unser ganzer Schatz und Ruhm ist, nach unsrer Religion, nach dem Judenthume. Man hat gesagt: der Geist, welcher aus diesem strömet, sei nicht der Geist, der beseelen muß den Menschen, um ihn Theit nehmen zu lassen am Staate, an dessen Heil und Dienste; man hat gesprochen von einem andern Geiste, der allein befähige zur Erziehung der Juden, zur Pflege der Humanität, zur Entwickelung der Menschheit. Also hat man dem Judenthume in's Angesicht geschlagen. Aber wie? redet denn das Judenthum ein Anderes, als N1272 'in ntia „was der Ewige geboten"? Ist es nicht das Judenthum, welches stehen blieb bei dem, „was Gott geboten", und eben darum Nichts hinzugefügt wissen wollte? Man erkennet die Quellen des Judenthums als göttlich an, und der Geist, der aus ihnen strömet, soll ungöttlich, wider das Heil der Menschheit gerichtet sein? Kann das Wort des Herrn heut anders sein, als gestern, heut für, gestern wider das Recht und die Wahrheit laufen? Aber man kennt den Geist des Judenthums gar nicht, aber ihn zu verurtheilen, maßt man sich an. Welches ist der wahrhafte Geist des Judenthums? Er verkündet und bekennet: daß einst eine Zeit kommen werde, in welcher alle Menschen den einigen Gott erkennen und anbeten werden; eine Zeit, in welcher Gerechtigkeit der Gurt der Erde, Friede der Bund der Menschen sein werde. Er verkündet und bekennet: daß die Menschheit zu dieser Zeit sich entwickele und ihr immer mehr nahe, bis daß sie sich erfüllet. Er verpflichtet jeden Israeliten, dieser Zeit zuzustreben und seines Theiles für sich und Andere nach Kräften zu wirken, daß sie komme (u£n wnpb). Das Judenthum sagt nicht: das Heil ist gekommen, sondern: es wird kommen. Das Judenthum sagt nicht: nur mein Bekenner gehört diesem Heilsbunde an, sondern alle Menschen, sofern sie den einigen Gott, den Schöpfer Himmels und der Erden, erkennen, und nach Recht und Liebe streben. Also gerade das Judenthum erkennet die Entwickelung des Menschengeschlechtes gleichwie als Glaubensartikel an; gerade dieses fordert auf und begeistert zur Wirksamkeit für diese; gerade dieses flehet die Blüte des Menschengeistes in dem Streben nach dem Ziele allgemeiner Erkenntnis und allgemeiner Liebe. Wo ist hier eine Beschränkung der Juden auf sich selbst? Wo eine Trennung des Juden vom Menschen? Der wahrhaft jüdische Geist flehet in jedem Mitmenschen einen Mitbruder des himmlischen Reiches, das kommen soll, einen Mitstrebenden, einen Miterreichenden. Der wahrhaft jüdisch e Geist siehet inderFortbildung der Menschheit seine Erfüllung und seine Vollendung. Wohl, m. Br.! So wahr dieser Geist der allein göttliche ist, welcher den Menschen in seinem Streben durch das kurze Erdenleben beseelen muß — so wahr dieser Geist im Judenthume wahrhaft ist und wirkt — so wahr wollen wir uns nicht fürchten, sondern das reden, „was uns Gott geboten" — denn dazu sind wir gesendet. Ob man unfern Glauben schmähet: wir wollen ihn festhalten; ob man unser Bekenntniß hintenansetzet: wir wollen ihn über alle Erdengüter setzen; ob man unfern Geist leugnet: wir wollen ihn hegen und pflegen! “’-an rvranbi br-n m^bi nsaa ra*b tarn ^nra irars ynan b3 b2 ntörtt „Siehe, ich mache Dich heute zu befestigter Stadt, zu eiserner Säule und zu eherner Mauer auf der ganzen Erde" (Jirm. 1.) III. Nein, Israeliten! Wir können nicht sagen zum Herrn: •'raa „jung bin ich noch" — denn wer wäre älter als Israel auf Erden? Wir können nicht sagen zum Herrn: -Di: ab „ich weiß nicht zu reden" —

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