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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-12 · Heft 29 (12.7.1847) · p. Seite 438

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 29 (12.7.1847)
Date
1847-07-12
Page
Seite 438 (sequence 2)
Language
German
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438 unsre Empfindlichkeit gewachsen. Was unsre Väter um so härter beengt und bedrängt gewesen, das hatte sie abgehärteter und weniger empfindlich gemacht. Je mehr wir aber, Ln unsrer Zeit, zum Höhenpunkt des Bewußtseins gelangten, je mehr wir fühlen, daß wir Menschen sind mit gleichen, angeborenen, untheilbaren Rechten, je mehr wir erkennen, daß unsre Religion das Höchste lehrt, was des Menschen Geist aufklärt, des Menschen Herz veredelt, und ihn hinleitet aus die Bahn der Gottseligkeit und Tugend, daß sie dreist hintreten kann „vor Könige und Völker" (Ps.): saget, was habet Ihr wider mich? und gab ich Euch nicht, dessen Ihr Euch rühmet und froh seid?-desto schmerzlicher empfinden wir, desto mehr zerreist es unser Herz, womit man unsre Religion schmähet, und womit die Gesellschaft sich an uns versündigt, indem sie unserm Streben Schranken, unseren Kräften Dämme setzt. Ja, oft können auch wir da zagen vor dem schweren Berufe, den der Herr uns auferlegte bei unsrer Geburt, oft, wenn wir auf unsere Söhne und Töchter blicken, können auch wir zurückschrecken vor der Aufgabe, welche die göttliche Vorsehung ihnen in die Wiege gelegt. Und darum thut es Roth, uns zuzurufen den Spruch des Herrn an Jirmejahu, uns an ihm zu stärken und aufzurichten: „Sprich nicht, jung bin ich, sondern wohin ich Dich senden werde, gehe, und was ich Dir gebieten werde, rede; fürchte Dich nicht vor ihnen, denn mit Dir bin ich, Dich zu retten! ist des Ewigen Spruch." I. Geliebte Brüder! Man hat zu uns gesagt: Fremdlinge seid Ihr in dem Lande, das wir bewohnen, Fremdlinge da, wo wir geboren sind, leben und streben — und doch sind wir nur hingegangen, wohin uns Gott gesandt! — Als Gott an dem Tage, den wir in der verflossenen Woche nicht unbedacht vorübergehen ließen (7iwrD y'fa), Jerusalem brechen und Israel in die Welt zerstreuen ließ, als er die großen Glieder unsres Stammes nach allen Ländern der Erde vertheilte — was anders konnte es sein, als eine neue göttliche Sendung: Ihr sollet nicht mehr dem Lande angehören, das ich eueren Vätern verlieh, sondern Ihr sollet, wohin ich Euch führe—wie der Prophet Jirmejahu im 29sten Kapitel saget — „Häuser bauen und Weinberge pflanzen" — also Euch heimisch niederlaffen — „das Heil des Landes suchen und für dasselbe beten zu Gott dem Herrn" — es also als Euer Land, als Euer Vaterland betrachten — „denn sein Heil wird Euer Heil sein" — also Ihr und es sollet mit einander verwachsen zu einem Heit, in einer Liebe und Treue! — Fürwahr, die Israeliten hatten nirgends als Israeliten hinzugehen gebraucht, wohin sie Gott geführt: denn nirgends hat man je ihnen eine Heimath versagt, wenn sie ihrem Glauben abtrünnig werden wollten. Aber gerade darin bestand die göttliche Sendung der Juden: daß sie als Juden hingehen sollten nach allen Ländern der Erde, und sich heimisch machen sollten als Juden in allen Landern der Erde, und ihr Vaterland finden sollten in allen Ländern der Erde als Juden. Denn wo wäre denn die Religion Israels gebunden an einen bestimmten Fleck der Erde? Und ob uns das Land unserer Vater stets ehrwürdig sein wird, dieweil wie von dannen unfern Ursprung leiteten, und weil allein es die Stätte der Anbetung gewesen „als Finsterniß die Nationen bedeckte" (Jes.) — 'irr •■om STrin ypat» (Pf.) — wie sollte die Religion, welche yi&o tnatü fimp „den Schöpfer Himmels und der Erden als alleinigen Gott verehret, gebunden sein an einen Landstrich, nicht umfassen alle Enden der Erde? — „siehe, die Himmel und der Himmel Himmel umfassen Dich nicht" (i Kön.): wie sollte dessen Anbetung ein Raum beschränken? — Und andrerseits. Wo der Mensch das Licht der Wett erblickte, wo er seiner Kindheit, seiner Jugend Tage verlebte in Freud und Leid, wo ec seinen Heerd gegründet, den Bund der Ehe eingegangen, wo er seiner Ettern Grab gegraben, seiner Kinder Wiege bereitete, wo er seines Lebens Kampfe gekämpft, Uebel erduldet, wo er gestritten, gerungen, gesiegt oder gefallen, ha, das Land, dessen Sprache seines Geistes Laute, dessen Lust seines Leibes Leben-wie könnte es anders als sein Vaterland sein, dem sein Herz gehört, seine Seele zugethan ist? Es kann ja gar nicht anders sein. Selbst wenn, wie es nicht ist, der Glaube den Juden nach dem fernen Asien allein weisen würde: als Mensch könnt' er nicht anders, als hier sein Vaterland finden. Das kann ihm Niemand rauben, und gerade wir, wir Juden sagen: Ihr, die Ihr saget, wir hätten kein Vaterland, Ihr müsset kein Vaterland haben, wenigstens kein Herz für Euer Vaterland haben — sonst könntet Ihr nimmer sagen: da sind Menschen, die haben, wo sie geboren sind und leben, kein Vaterland!- Und dennoch. Auch ganz abgesehen hiervon. Was spricht das Judenthum aus von den Fremdlingen im Lande? „Ein Recht, Ein Gesetz soll sein dem Fremdling wie dem Einheimischen im Lande (2 Mos.

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