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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-05 · Heft 28 (5.7.1847) · p. Seite 434

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 28 (5.7.1847)
Date
1847-07-05
Page
Seite 434 (sequence 18)
Language
German
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434 eine Stunde der Versöhnung und der Gnade. Mein Rabbi, der mich die Wege der Wahrheit zuerst beschreiten lehrte, mein Vater, der mir stets hohes, erhabenes Lehrbild war, sicher sind' ich Dich auch hier sonder Aufschub und Zögern — es ist Mendel, der sterbende Mendel, der Deiner harret, der von Tag zu Tage an Kraft verlor, und deffen Geist fast nur noch durch die Erwartung in seiner Hülle zurückgehalten wird, daß Du das Wort der Verzeihung zu ihm sprechest. Heute, wo Du der Freiheit wiedergegeben worden, mußt auch Du ihm die Freiheit ertheilen!" Joseph hatte bis dahin den Namen des ehemaligen Freundes, der den Rabbi so grausam verrathen, zu nennen vermieden, und da ihm dieser nun so plötzlich genannt wurde, sprang der Greis erregt auf. Aber die Worte seines Sohnes gaben ihm Zeit, sich zu sammeln, und kaum hatte Joseph ihm das Nähere mitgetheilt, als der edle Greis voll Feuers winkte: der alte Bachur brachte schnell, wie ehedem Stock und Hut herbei. Die folgende Minute traf den Rabbi am Arme seines Sohnes durch die Straßen der Stadt zum Hause Mendels eilend. Nun weißt Du, mein Leser, wie unser Rabbi aus dem Kerker der rothen Kammer in die Todtenkammec seines reuevollen Feindes gekommen. Als der Greis, allein, ohne Begleiter, in das Zimmer des zum Sterben hingesiechten Mannes trat, streckte dieser ihm die abgemagerten Hände flehend entgegen. Der Rabbi trat festen Schrittes zu ihm, ergriff die Rechte des Kranken, senkte sich zu ihm nieder, und küßte ihn — ein Thränentropfen entrann seinem Auge und rollte auf das Antlitz des Sterbenden. Dieser aber weinte wie ein Kind, und umfaßte seine Hand, und murmelte viele Worte der Bitte um Vergebung, viele Worte der Selbstanklage und der Reue. Der Rabbi beschwichtigte ihn, aber es ließ Mendel nicht ruhen, bis er ihm sein ganzes Herz ausgeschüttet und Alles, selbst mit immer mehr versiegender Kraft und stockender Zunge ausgesprochen. Wir wollen einen Schleier werfen über diese erhebende Stunde, was Mendel dem Rabbi offenbarte, wie dieser mit Begeisterung die Tröstungen der Religion vor ihm entfaltete, und die alte talmudische Verheißung, „daß der Tod versöhnet", ihm in's Herz senkte. Mendel fühlte sich erquickt und erhoben, und die Bitterkeit des Sterbens war von ihm genommen. Nachdem noch der Rabbi an seinem Lager gebetet, ließ er Joseph und Rebekka eintreten. Sie mußten dicht an ihn herantreten; dann vereinigte er ihre Hände, und legte seinen Vatersegen auf ihre Häupter. Wenige Stunden nach dieser letzten Handlung seines Lebens wandte sich Mendel auf die Seite, streckte seine Füße aus, und — entschlief sanft. Bald hatte der Rabbi seine Angelegenheiten geordnet; er verließ mit seinen Kindern, zu denen sich jetzt Rebekka zählte, Stadt und Land, wo er gelitten. Nicht lange, und wir sehen ihn auf dem, damals bedeutendsten und angesehensten Lehrstuhle zu Krakau, wo er in hohem Alter, von Enkeln noch umringt, verstarb. Daß der alte Bachur mit ihm gezogen, die Tage der Verbannung, so wie der Ehren mit ihm theilte, und wenige Wochen nach dem Tode seines Lehrers verblich — wir brauchen es kaum zu bemerken. Joseph erwirkte es, daß ihm sein Grab zu Füßen des Rabbi bereitet wurde. Der Dücherhändler Baruch aber mit seiner Ehehälfte ging den Weg alles Fleisches in aller Stille, der französische Gesandte mit Gattin und Kind nicht minder, aber im Glanze der Welt. Joseph folgte seinem Vater in seinen Ehren — aber sein Ruhm reichte nicht an den seines Vaters, da ec aus jener Drangzeit seiner Jugend eine tiefe Abneigung gegen das Abfassen von Schriftwerken in sich nicht überwinden konnte, die den Flügelschlag seines Genius lähmte, sobald er die Feder zur Hand nahm. So ist von allen Personen, die wir hier nannten, nur der Name des Rabbi Jom Tob Haller mit Ruhm auf die Nachwelt gekommen, wenn der geschichtskundige Leser die kleine Veränderung, die wir in Name und Lebenszeit des Rabbi uns gestattet haben, übersehen will. Ludwig Philippson. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1'/iNgr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Bekanntmachung. Die hierorts in Erledigung gekommene Vorsangerstelle, mit welcher ein fixer Gehalt von 175 Ft. und außer freier Wohnung noch mehrere Akzidenzien verbun-

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