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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-05 · Heft 28 (5.7.1847) · p. Seite 433

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 28 (5.7.1847)
Date
1847-07-05
Page
Seite 433 (sequence 17)
Language
German
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433 Willens, das ganze Unheil diesem dennoch zuzuschreiben. Die Taschen, um das Strafgeld zu bezahlen, waren verschloffen. Kaum aber hörte Rebekka davon, als sie diese Verlegenheit ihrem Vater mittheilte, der sofort die Summe auszuzahlen befahl. So verließ der Rabbi, einen Monat später als der Minister, den Kerker, aber mit der Anweisung, gleich diesem das Land zu verlassen, jedoch erst binnen vierzehn Tage. An einem Abend in der Dämmerung brachte ein Detachement Polizisten den Rabbi aus dem Gefangniß an die Thüre seines Hauses, hier wurde ihm das ihn betreffende Erkenntniß übergeben, und er betrat frei seines Hauses Schwelle. Kaum hatte die Pforte geknarrt, als drei Gestalten dem Rabbi entgegenflogen — es waren sein Sohn, sein treuer Schüler und — seine Tochter. Kaum hatte der Greis diese Letztere erblickt, als er sich hoch aufrichtete, ihr entgegentrat, mit der einen Hand die Anderen abwehrend, mit der linken das Haupt seiner Tochter emporrichtend. Einen langen, bang forschenden Blick that der beängstete Vater in das Antlitz der Tochter — aber nur ein freudiges Roth überflog ihre Wangen, und sie konnte ihr Auge stolz zum Vater erheben und seinen Blicken begegnen. Sie hatten sich verstanden, Vater und Tochter, in einem einzigen Blicke, und nun breitete der Greis seine Arme aus, um seine Kinder an seine Brust zu drücken. Worte des Entzückens wurden gestammelt, Laute des Dankes zum Herrn gesandt, Thranen rollten über die Wangen der Drei — ein Vierter aber schluchzte und heulte, und war dem Rabbi zur Seite fast auf die Knie gesunken, und hatte dessen Kleid gefaßt, und hielt es mit krampfhaft geschlossenen Händen — es war die lange Gestalt des alten Bachur. Als aber die ersten Momente des Wiedersehens vorüber waren, traten sie säwmtlich in das Gemach des Untergeschosses, Der Rabbi bat sie, eine kurze Zeit ihm zu gestatten; er schritt in sein Studierzimmer, wo er den Folianten noch aufgeschlagen fand, von dem er abberufen worden. Hier wandte sich nun der Rabbi nach der Morgenseite, und seinem Herzen entrang sich der feurigste Dankpsalm zum ewigen Erlöser, zum Retter Israels, der zu dem Unheil spricht: „Bis hierher, und nicht weiter!" Als er befriedigt zu seinen Kindern zurückgekehrt war, ließ er sich von ihnen die Räthsel lösen, die noch in den letzten Ereignissen für ihn bestanden, da er im Kerker Nichts von Dem erfahren, was außerhalb des Gerichtes vorgegangen. Mit welcher Beseligung blickte der Rabbi auf seinen männlich kräftigen Sohn, in dem er das Werkzeug der Vorsehung, sie und die ganze Gemeinde zu retten, erkennen konnte. Seine edlen Züge, seine bedeutende Gestalt, seine schöne Sprache, der Geist und das Herz, die aus Allen hervorblickten. Alles Dinge, die in der tiefen Trauer bei jenem Begegniß im Kerker dem Vater entgangen waren, oder wenigstens nur als dunkeles Gefühl sich ihm ausgedrängt hatten — diese traten ihm jetzt unmittelbar zum Bewußtsein und an's Herz und er hob das thränenvolle Auge verstohlen zum Himmel auf, als ob er den Geist seiner vorangegangenen Gattin zum stillen Zeugen seines Glückes heranriefe. Während nun Sara von häuslichen Geschäften hinausgerufen wurde, berichtete Joseph nun auch in der Kürze, was dieser begegnet. Sie war vom Minister auch nach dem Ueberfall durch den langen David dreist in jenem Lustschloß gefangen gehalten worden. Die edle Jungfrau widerstand allen Bewerbungen und Reizmitteln ihres Entführers; als er ansing, seine Härte sie fühlen zu lassen und ihr den Aufenthalt in seinem Schlosse durch tausend Kränkungen unsäglich zu verbittern, ihr immerfort die höchsten Genüsse versprechend, wenn sie sich ihm ergäbe, wachte sie fast Tag und Nacht, um nur der Gewalt und List nicht zu erliegen. Endlich hob er an, ihr vorzuspiegeln, daß die Rettung ihres Vaters und aller ihrer Glaubensgenossen von ihr allein abhänge, schilderte das Schicksal derselben mit gräßlichen Farben, und bot ihr die Befreiung der Ihrigen als Preis ihrer Liebe an. Aber die Jungfrau blieb fest: ihr Vater würde jedenfalls vorziehen zu sterben, als sie entehrt zu wissen, und ihre Religion verböte ihr, sich der Schande preis zu geben, sei es auch um des höchsten Preises willen! Da, in den höchsten Nöthen, wandte sich das Schicksal, und krönte die Tugend des heldenmüthigen Mädchens mit Sieg. Gleich nach dem Sturze des Ministers, verschaffte der Gesandte dem Jüngling einen Polizeibefehl; das Gitter des Lustschlosses öffnete sich, und ließ ein glückliches Geschwisterpaar hindurch zur Freiheit. Jetzt war es, wo Joseph feierlich zu seinem Vater trat, und sprach: „Vater! Nun harret noch Einer auf Deine Rückkehr, noch Einer auf Dein Wiedersehen — auf daß seine Seele aller Bürden frei sich zu dem Urquell erhebe, von dem sie gekommen! Es ist keine Stunde des Gerichtes, die gefeiert werden soll, sondern 28**

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