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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-05 · Heft 28 (5.7.1847) · p. Seite 432

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 28 (5.7.1847)
Date
1847-07-05
Page
Seite 432 (sequence 16)
Language
German
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482 wiederholt ihn aufforderte, seine Vertheidigung zu führen, sich zu rechtfertigen, schwieg er. In sich fühlte er, daß, da er die heimlich geführten Verhandlungen nicht ableugnen konnte, es ihm noch mehr schaden würde, wollte er die Bekenntnisse Mendels und des langen Davids als einseitig verwerfen. Der Fürst befahl, ihn in ein Gefangniß der rothen Kammer, dicht neben dem des Rabbi, zu werfen. Hier sollte er die Verzweiflung kennen lernen, die er ohne Zögern in so viele Herzen gestreut, ohne die lindernde Empfindung zu haben, sein Mißgeschick unverdient zu tragen und auf die Hilfe eines gerechten Gottes bauen zu können. So saßen dicht neben einander, nur durch eine Kerkerwand getrennt, der Rabbi und der Minister im Gesangniffe. O, hattest Du, mein Leser, einen Blick werfen können in beide Zellen — hattest Du gesehen, hier einen ehrwürdigen Greis, der, einem verfolgten Geschlechts angehörig, der Kränkung und des Hohnes, des Kummers und der Entsagung von Jugend auf gewohnt, von seinem Lehr- und Ehrenstuhle in die dunkle Nacht des Kerkers hinabgeftiegen war, mit der Freudigkeit, um seinen Glauben zu leiden, fast mit dem Drange, für ihn zum Märtyrer zu werden, voll Zuversicht auf seine Unschuld, voll Vertrauens auf seinen erlösenden Gott, voll Demuth vor dem göttlichen Verhängniß, das aller Orten und Zeiten zum Segen wirke — dort einen kräftigen Mann, der aber zertrümmert worden von dem Sturze, in den ihn eigener Fehl von der Sonnenhöhe des Glückes geschleudert, der gewohnten Genüsse beraubt, statt der Ehre die Schande, statt des Glanzes die Dunkelheit sein Theil, vom Ersten zum Letzten hinabgedrückt, und in ihm Alles hohl und leer und nichtig und ausgebrannt, keinen .Halt bei sich, keinen Halt bei den Menschen, keinen Halt bei Gott, vergebens den Geist um Hilfsmittel zerknitternd, verzweifelnd, fluchend sich und Allen — fürwahr, Du hattest erkannt, „daß die Tugend dennoch kein leerer Wahn", daß die Gottseligkeit dennoch das sicherste Mittel der Erhaltung, der Weg, der zum Heile führet! Aber sie saßen nicht lange neben einander. Der Fürst wollte die Sache des Ministers, den Verrath in den höchsten Regionen uud seine Täuschung nicht anhängig und öffentlich machen. Nach wenigen Tagen, wo der ehemalige Minister nur die Qualen der Angst durchsühlen sollte, wurde er in einen Wagen gebracht, an die Grenze gefahren, dort ausgesetzt, und so, aller Ehren, Würden und Güter beraubt, der Verbannung übergeben. Gedenken wir hier nur mit Wenigem seines fernem Schicksals. Zu stark war er und seine Unterhandlung kompromittirt, als daß er es wagen konnte, bei der p...schen Regierung auszutreten. Er trieb sich eine Zeit lang im Elend umher, bis er bei einem Verwandten eine kärgliche Zuflucht fand, die ihn um so bitterer seine ehemalige Höhe empfinden ließ. Sein Name trat nicht wieder aus der Dunkelheit hervor, die auch die Zeit und den Ort seines Todes umgiebt. Leicht war es dem Fürsten, sich wegen der Juden zu entschließen. Das Verbannungsdekret war noch nicht veröffentlicht, und konnte so schnell vernichtet werden. Der Fürst hatte eine Lehre mehr bekommen, daß man sowol Büchern als Menschen nicht unbedingt trauen dürfe. Die judengehassige Schrift verlor sich wieder in den Staub der Bibliothek — aber ihre Zustände zu verbessern, hatte er dennoch zu viel Vorurtheil zurückbehalten. Sie lebten unter seiner Herrschaft — wie unter den Regierungen der früheren Fürsten, so gut oder so schlecht sie konnten. Anders war es mit dem Prozeß des Rabbi. Auch hier bewährte es sich, daß, wer einmal zum Werkzeug einer großen, allgemeinen und Übeln Angelegenheit gemacht worden, auch wenn jene beseitigt worden, schlecht wegkommt und zuletzt den Druck und die Bürde allein davonträgt. Die Anklage des Rabbi war einmal beim Gerichtshof anhängig gemacht und ein Urtheil, das auf lebenslängliche Haft lautete, gefallt worden. Konnte man den Fürsten von der Unschuld des Rabbi dennoch nicht überzeugen, oder scheute er den öffentlichen Skandal, er kassi'rte das Urtheil nicht, und die Bemühungen des Gesandten konnten nur eine Revision des Prozesses erlangen. Die zweite Instanz ließ die Zurücknahme der Denunziation von Seiten Mendels nicht gelten, da das Motiv nicht klar sei, und übrigens die Denunziation des flüchtig gewordenen Dajan vollgiltig bleibe, fällte aber, da der Beweis nicht vollständig sei, das mildernde Urtheil der ewigen Verbannung des Rabbi aus dem Lande und einer Amende von 10,000 Reichsthalern. Als man den Fürsten um Gnade anging, antwortete er bitter: Der Jude habe doch kein Vaterland, also sei es dem Rabbi gleichgiltig, wohin er seinen Stab setze, und die Strafgelder würden die Juden leicht für ihn bezahlen können. Zu Letzterm schüttelten die Gemeindevorsteher freilich das Haupt. In der Freude, von dem großen Schlage, der sie Alle bedrohte, befreit zu sein, hielten sie das Unglück, dm Rabbi zu verlieren, für gering, ja, sie waren fast

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