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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-05 · Heft 28 (5.7.1847) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 28 (5.7.1847)
Date
1847-07-05
Page
Seite 431 (sequence 15)
Language
German
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431 die nicht einen Juden haben, grassirte. So viel aber ist gewiß, daß die größten und reichsten Kornwucherer Ungarns und zwar die nicht blos wie die Juden das Getreide gekauft und es selbst theuer bezahlt haben, sondern die Produzenten desselben sind und es noch von der Ernte her liegen haben und doch kein Körnchen davon hergeben, um noch eine größere Theuerung herbeizuführen und an dieser dann sich zu bereichern, das sind zwei der höchsten Geistlichkeit angchörende Individuen. Indessen die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt man laufen, das ist so alte Regel, und auch bei uns laßt man jene ungeschoren und an den Juden macht sich überall der Pöbelhaß Lust, und in mehreren Orten kam es sogar zu förmlichen Aufständen und Dragonade gegen die Juden, echt a la Mittelalter. In Ujhely (trentschiner Komitat) sollen die Juden mehrere Tage hindurch sich in förmlichem Belagerungszustände befunden haben und die Kornhandler mußten vor der Wuth des Pöbels lange versteckt bleiben. — In Neusatz (barscher Komitat) schicken sie alle 2—3 Jahre einen oder zwei Rabbinen weg; da der gegenwärtige — Herr Hirschfeld, ein zwar bejahrter aber doch sehr liberaler und gebildeter Mann — schon fast 3 Jahre dort ist, werden von der allerlöblichsten Gemeinde bereits die nöthigen Vorbereitungen zu dem bevorstehenden großen Fest, zur Wegjagung des Rabbinen getroffen, indem bereits bei der hochlöblichen Statthalterei ein Prozeß gegen ihn angehängt wird. Er reiste, als er dies hörte, sogleich hierher, um hier selbst seine Sache zu führen und erstaunt nicht wenig, als bald darauf von seinem Weibe ein Brief ihm meldet, daß sie den Tag nach seiner Abreise das Quartier räumen mußte, weil schon ein neuer Rabbine dort einzog. Im mehrwöchentlichen Prozesse hat Herr Hirschfcld gesiegt, er reiste vergangene Woche zurück und der neue mußte Knall und Fall das Quartier räumen, weil der alte wieder zurückgekommen. Ist dies eine saubere Geschichte? Nicht gut genug für ein erstes Debüt? Und sie ist nicht bene trovato, sondern leider nur zu wahr!! — Der hiesige ehrwürdige Lokal-Oberrabbine, Herr Dr. Löw Schwab, arbeitet dem Vernehmen nach jetzt ein größeres Werk aus über die Frage der Emanzipation, welches er dem Landtag persönlich überreichen will, indem er die Versammlung der jüdischen Deputirten Ungarns in Preßburg besuchen, und während der Dauer des Reichstages dort verbleiben und die Handlungen derselben leiten wird. Wir können uns bei der Thätigkeit und dem Geiste, den Schwab tagtäglich bezeugt, hievon das Beste versprechen und gewiß wird auf diese Weise die Judenfrage reussiren. Viel Glück und Gottes Segen wünschen wir unserm edeln Vorkämpfer für sein heiliges Bestreben im Namen der gesammten ungarischen Juden. Herr Rabb. Kand. Einhorn, auch als Ihr Korrespondent rühmlich bekannt, predigt jetzt öfter in Ofen, und hat sich in Kurzem einen bedeutenden Ruf als Redner erworben. Durch seine Mitwirkung ist inbesonders auch die Pesther Zeitung von ihrem judenfeindlichen Charakter zurückgekommen. Belletristisches. Der Nabbi und der Minister. Eine Novelle aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. (Schluß aus No. 7. 9. 11. 13. 15. 17. IS. 19. 21. 2(1. 27.) ]2. Der Ausgang. Der Rabbi saß am Sterbelager seines ehemaligen Freundes, Mendel. Wie war er aus dem Kerker der rothen Kammer in die Todtenkammer dessen gekommen, der ihn in das Gefangniß gebracht? Laß es Dir erzählen, mein Leser. Als der Fürst die unwiderlegbaren Beweise von der Untreue und Bestechlichkeit seines Ministers erhalten — da sah er ein, daß er Frankreich Genugthuung, den Juden Ersatz, dem Verrather Strafe schuldig sei. Er befahl, den Minister vor sein Antlitz zu bringen, denn er, der tief Verletzte, wollte auch eine Befriedigung haben für das krankende Bewußtsein, so lange der Spielball eines hinterlistigen Mannes gewesen zu sein. Der Minister, der durch den ihm auferlegten Arrest schon in eine dumpfe Beängstigung geworfen worden, erkannte zitternd den Zorn auf dem Angesichte seines Herrn. Seiner Berrätherei bewußt, verlor sein Geist schnell die Spannkraft, mit der er sonst Herr der gefährlichsten Situationen wurde. Schweigend nahm er die bitteren Vorwürfe des Fürsten entgegen, schweigend blickte er auf die Dokumente, welche seine Schuld bewiesen — als der Fürst

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