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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-05 · Heft 28 (5.7.1847) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 28 (5.7.1847)
Date
1847-07-05
Page
Seite 430 (sequence 14)
Language
German
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480 den Wohlstand der böhmischen Judenschaft nach der bisherigen Erfahrung den nachtheiligsten Einfluß übt und nebenbei auch noch auf den armem Juden vorzugsweise lastet" wird gezeigt, wie die bisherigen Pächter dieser Steuer, die Sache so viel wie es ihnen möglich, verschlechtert und den Juden sauer gemacht. Diese beschlossen: I) auf die so wichtige Gnadenfrist und auf alle mit derselben verbundene Vortheile zu verzichten, und zwangen die böhmischen Juden durch sehr nahe liegende Drohmittcl, ihre Quoten auf einmal zu zahlen. 2) erhöhten sic die Beträge im Ganzen um 15V,000 Fl. K. M., um nach ihrem Vorgeben von den Zinsen die Beamten der jüdischen Steuerdircktion zu pensionircn, worauf diese aber gar kein Anrecht haben, und was höchstens mit einem Kapital von 40,000 Fl. zu bewerkstelligen war. Wie dies nicht allein höchst lästig und drückend, sondern auch nachtheilig für die Juden Böhmens ist, wird mit folgenden Worten dargethan: „Allein diese Herren sind nicht im Stande, allgemeine Angelegenheiten vom richtigen Standpunkte aufzufassen; ihr ganzes Verfahren bezeugt dies. Zwei Dritttheile der böhmischen Juden sind mittellos und leben von heute auf morgen, von der Hand in den Mund. Dennoch werden die jüdischen Gemeinden wegen ihrer angeblichen Reichthümer, die doch nur bei Einzelnen ihrer Glieder aufgehäuft sind, auf höchst unchristliche Weise angefeindet. Es ist nicht lange her, daß mittelalterliche Intoleranz, Mißgunst und Neid, die eben in jenem Wahne von dem Reichthume der böhmischen Juden ihre giftige Wurzel hatten, in Prag auf höchst rohe Weise zum Ausbruche gelangten. Und, diesen Thatsachen gegenüber, arbeiteten die hochweisen Pächter an der Befestigung jenes gefährlichen Wahnes, indem sie die Regierung mit den auf sieben Jahre vertheilten Abgaben in einigen Monaten überraschen und, zum Beweise, wie überreich die großentheils arme böhmische Judenschaft sei, noch einen Mehrbetrag von 150,000 Fl. hereinzubringen suchen." Da die böhmischen Juden kein Organ haben, wodurch sie diese Uebelstände, diese Uebergriffe zur Kenntniß der gerechten und wohlwollenden Regierung zu bringen vermögen, so schließt der Artikel: „Möge die wohlwollende Regierung, durch diese wahrhafte Schilderung aufmerksam gemacht, den Uebergriffen dieser Pächter ein Ziel setzen und die Armen auf dem Lande ihrem originellen Bedrückungssystem gnädig entziehen! Diese Leute haben sich, über das Maß des von der Regierung verlangten Steuerbetrages weit hinausgreifend, weder darum bekümmert, wie viel Steuern von den gedrückten Gemeinden erhoben werden sollen, noch sich daran gebunden, die Abgabenlast für sieben unsichere Jahre mit siebenfach gebotener Schonung der plötzlich so sehr angegriffenen Privatintereffen und unter der möglichst milden Form hereinzubringen. Sie haben die Reichen geschont, die Mittellosen bedrängt, und nach Prinzipien gehandelt, die lächerlich wären, wenn sie nicht die Seele mit tiefer Entrüstung erfüllten. Möge ihr Verfahren, zur Warnung der Regierungen, zur Schonung ohnmächtiger Staatsbürger, unsterblich werden!" Pestth, 7. Juni. (Privatmitth.) Was jetzt in aller Mund und Ohren ist, das ist die Theuerung. Die Juden Ungarns wurden von dieser allgemeinen Landplage sehr hart mitgenommen, was ganz natürlich, da der größte Theil derselben nur bemittelt, Viele ganz arm sind und also nur von der Hand in den Mund wie vom Zufall leben, was bei allgemeinen guten Zeiten und in gesegneten Jahren angeht, aber nicht in Zeiten der allgemeinen Theurung und Noch, wo selbst Reiche und Bemittelte alle Segel spannen müssen, um die gefährlichen Klippen des Mißgeschickes zu umschiffen und ihre Familien erhalten zu können. Zu unserm Lobe können wir es sagen, daß die reichen und bemittelten Juden sich recht freigebig zeigten und ungeachtet sie selbst viel gelitten, haben sie doch die Armen und Gedrückten ohne Unterschied der Konfession mit Geld und Viktualien möglichst unterstützt, wofür ihnen auch zu wiederholten Malen in verschiedenen vaterländischen Journalen von Privaten sowol als von christlichen Kommunen öffentlich gedankt wurde. Aerger aber als das Mißgeschick selbst, das doch immerhin vorübergehend ist und wie die Aussichten sich jetzt zeigen, bald verschwinden wird, fürchten wir, werden die Folgen desselben für uns sein, indem nämlich im Allgemeinen im Verlaufe des Winters und in Folge des Mißjahres die Judenfeindlichkeit ungemein gesteigert wurde, weil die meisten Kornhändler bei uns Juden sind und der Pöbel allgemein behauptete, die Theuerung sei von dem Wuchergeiste der Juden erkünstelt. Inwiefern dies begründet wissen wir nicht, glauben es aber nicht, da es keine Landsondern eine Weltplage war und auch in Ländern,

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