Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 28 (5.7.1847)
- Date
- 1847-07-05
- Page
- Seite 428 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225497-3225526--08697-3239523- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
428 allergnädigsten Anstellung als Rabbiner dahier wurde mir von der höchsten Staatsbehörde zur Pflicht gemacht, „mit der konsirmirten Jugend an Sonntagen in der Synagoge Repetionen im Religionsunterrichte vorzunehmen", welche ich auch seit 1842 jedes Jahr mit dem ersten Sonntage nach der Konfirmation begann. Dieses Jahr ersuchten mich einige früher von mir konsirmirte Jünglinge, diese Sonntagsrepetitionen in einer solchen Form vorzunehmcn, daß auch sie ihre sehr löbliche Sehnsucht nach religiöser Belehrung und Erbauung befriedigen könnten, welches ich ihnen, da auch der israelitische Gemeindevorstand hierzu mich ausdrücklich aufmunterte, gern gewährte. Am 30. Mai c. begann ich, wie jedes Jahr, meine oben bezeichneten Repetitionen des Religionsunterrichtes in dem Johlson'schen Lehrbuch der mosaischen Religion, das bei dem hiesigen Religionsunterrichte eingeführt ist, aus welchem ich, wie gewöhnlich, die ersteren§§. in einem erläuternden Vortrage erklärte. Bei diesem Bortrage waren, außer vielen Gliedern der israelitischen Gemeinde, auch viele der christlichen Konfessionen anwesend, wodurch das Gotteshaus so ziemlich angefüllt war. Auch haben dieselben das Lied am Anfänge und am Schluffe der Religionslehre, das in früheren Jahren nur von den Kindern gesungen ward, mitangestimmt, wodurch die ganze Handlung einen feierlichem Charakter erhielt. Neu ist dieses Jahr demnach nur die größere Theilnahme an diesen Repetitionen, aber in keiner Hinsicht das Wesen derselben. — Einige wenige, bemittelte Gemeindegliedcr, welche auf manche unbemittelte Familien ihren Einfluß äußern und welche schon seit lange her eine jede Gelegenheit mit Freude begrüßen, die ihrem oppositionellen Wirken gegen den hiesigen israelitischen Gcmeindevorstand neue Stützen bietet, bemüheten sich nun, dieser sonntägigen Religionslehre als eines Mittels für ihr finsteres, fanatisches Treiben sich zu bedienen, diese unschuldigen Repetitionen auf die unwürdigste und gemeinste Weise zu entstellen und durch die niedrigsten Jntriguen jenes Gerücht von einer Verlegung des Sabbats aus den Sonntag zu verbreiten. Wer übrigens die Gesinnungsweise und die Bildungsstufe jener Zeloten kennen lernt, bereut cs, ihnen geglaubt zu haben. Dr. S. Formstecher, Rabviner. Hannover, 11. Juni. Die Kommission für Errichtung eines jüdischen Lehrerseminars zeigt an, daß das Ministerium des Innern abermals 808 Thlr. zu dieser Stiftung beigetragen, so wie, daß die hiesigen Juden, oder doch die meisten derselben, den vollen einjährigen Betrag des ihnen von jetzt an erlassenen Schutzgeldes (circa 100 Ld'or.) für denselben Zweck bestimmt haben. Strelitz, 13. Juni. Die Negierung von Mecklenburg-Strelitz hat ein Mandat erlassen, wodurch die bisher für die dortige Renterei erhobenen Judenschutzgelder von Ostern d. I. an nickt ferner erhoben, vielmehr die von den Kontribuenten seither unter dem Namen Schutzgeld geleistete Abgabe den betreffenden Gemeindckassen der Juden als neu hinzukommende Beiträge zugcwiesen werden sollen. Dagegen soll die seither aus dem Regierungsfiskus gezahlte jährliche Beihilfe von 130 Thlr. Gold zur Erhaltung der jüdischen Schule in Strelitz so wie eine den Juden für die Zukunft bereits zugesicherte jährliche Beihilfe zur Besoldung des neu anzustellcnden Landesrabbiners künftig von den betreffenden Judengemeinden selbst getragen werden, auch die Heranziehung der bisher militärsreien Juden zur Erfüllung der Militärpflicht gleich den übrigen Landesunterthanen Vorbehalten bleiben. Lübeck, 11. Juni. (Börsenh.) Wie man vernimmt, hat unser Senat sich in der letzten Zeit wiederholt mit dem Plan einer Verbesserung der bürgerlichen und gewerblichen Lage der Juden in unserm Staate beschäftigt, und darf in unseren Vcrhältniffcn schon das als ein Fortschritt bezeichnet werden, daß dem Vernehmen nach der Grundsatz der Zulassung zum Gewerbsbetrieb im weitesten Umfange Anerkennung gefunden hat, und daß es sich nur um die allerdings schwierige Frage handelt, wie dieser Grundsatz innerhalb unserer gegebenen zünftigen Verhältnisse zur Ausführung zu bringen sein wird. (Wie man sich erinnern wird, waren unter der französischen Herrschaft die Juden in Lübeck gleichgestellt, wurden aber 1813 daraus verjagt, so daß sie nur in einem und dem andern lübeck'schen Dorfe wohnen. Redakt.) Preußen. Königsberg, 10. Jun:. Unter den hiesigen Juden ist ein bitterer Haß und Streit ausgebrochen,