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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-07-05 · Heft 28 (5.7.1847) · p. Seite 419

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 28 (5.7.1847)
Date
1847-07-05
Page
Seite 419 (sequence 3)
Language
German
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419 stenthum hat Produkte, die dem allgemeinen Stnatsleben unsrer Zeit diametral widerstreben. Mit dem asketischen Geiste der Klöster, mit den Gesetzen Hildebrands, mit der Suprematie der Kirche über den Staat, mit dem gesammten kanonischen Rechte laßt sich kein neuerer Staat vereinbaren; und sollte aus diesen Quellen der christliche Geist fließen, so ließe sich kein neuerer Staat damit erhalten. Wie man aber christlicher Seits diese abgethan zu haben glaubt, ohne das Ehristenthum verdrängt zu haben: so wird man auch uns zugestehen müssen, daß wir allerhand geschichtliche Ueberbleibsel abthun, ohne unser Judenthum aufgegeben zu haben. Wenn aber der Mosaismus uns immer wiederholt zuruft: ein Gesetz, ein Recht soll dem Einheimischen wie dem Fremden sein; wenn er uns vorschreidt: Liebe den Fremden, wie dich selbst; wenn er uns zum Gesetze macht: die Ecken deiner Aecker, die Nachlese deiner Weinberge und Oelbaume, der Ertrag des siebenten Jahres rc. rc. gehören dem Fremden wie dem einheimischen Armen, an deinen Freudenfesten nehme der Fremde denselben Antheil an deinen Mahlen rc.; wenn der ProphetJecheskel vorschreibt: so du dein Land vertheilst, soll der Fremde gleichen Antheil vom Lande erhalten, wie du; wenn das Judenthum diese Gesetze vorschrieb im eigenen Lande — wenn der Prophet Jirmeja befiehlt: strebe nach dem Heile des Staates, wohin der Herr, dein Gott, dich führet, denn sein Heil ist das Deinige, bete für ihn zu Gott^ dem Herrn! — wo waren im Judenthum, im wahren Judenthum die Hinderniffe, für Staat und Vaterland zu wirken nach allen Kräften? Wenn das gesummte Judenthum eine Zeit verheißt, wo die Erkenntniß Gottes, wo Gerechtigkeit, Liebe und Frieden allgemein sein und alle Menschen „ln einen Bund", „einen Jeden unter dem Schatten seines Feigenbaumes", vereinigen werden; wenn es Jeden seiner Bekenner verpflichtet, für diese Zeit zu wirken, und seines Theils an deren Verwirklichung zu arbeiten — wie sollte der jüdische Geist den Juden nicht befähigen, der Gesellschaft zu dienen mit Gut und Blut? Dies ist das Judenthum — Recht und Barmherzigkeit allen Menschen — dies ist der jüdische Geist — Eckenntniß und Friede für alle Menschen — und diese Lehre und dieser Geist halten den Vergleich mit allen Lehren und Geistern aus, die aus der Geschichte zitirt werden können. Freilich ist dies kein Schachergcist, kein Wuchergeist, kein Geist der Hartnäckigkeit rc., wie man beim Juden allerhand Gespenster zu beschwören beliebt — aber es ist auch nicht der Geist der Kreuzzüge, nicht der Geist der Auto da Fo's, der Spanier in Holland und Amerika, nicht der Geist, der die Juden zu Märtyrn machte rc. Nein! wir Allesammt müsten die Vergangenheit beruhen lassen auf sich, und für das Leben nicht den Tod einschmuggeln, um den Gegner für unbefähigt zu erklären. Wir müssen uns halten an den lebendigen Geist der Gegenwart, und daran haben wir Juden einen vollen, thatkräftigen Antheil! Wie die Verhandlungen des vereinigten Landtages über das Judengefetz vor uns liegen, sind sie im Ganzen nur — christlich-theologische Diskussionen. Vom theologischen Standpunkt wurde der Staat begriffen, wurde das Bürgerthum abgegrenzt, wurden die Bestimmungen getroffen. Wie hierbei in den Einzelheiten verfahren wurde, hat von Vinke in Betreff der Professuren treffend bezeichnet. Niemand trat auf, und sagte: Neben dem Ehristenthum lieget noch ein anderes, das niemals übersehen werden darf — das Menschenthum; das Menschenthum mit seinen unveränderlichen Rechten, die keine Religion, kein Glaubensbekenntniß aufheben kann. Welche Religion es sei, sei es Ehristenthum, sei es Judenthum, sofern sie diese Rechte des Menschenthums vernichten will, darin ist sie im Argen, und dahin wäre sie zu rektifiziren. Ja, Niemand war es, der im vollen Sinne und mit ganzer Kraft diesen Satz aussprach und geltend machte. Und weil diese Stimme schwieg, konnte eS nicht anders kommen. Wolan, ihr Preußen israelitischen Glaubens! Seien wir nicht entmuthigt! Die Sphäre des Staatsdienstes, die ständischen Rechte, die Bildung der Jugend sind uns verschlossen; dafür ist uns das Volksleben, das städtische, das gewerbliche und frei wissenschaftliche Leben unverkümmert geblieben. So sind diese es, auf welche alle unsere Kräfte wir werfen wollen, in welche wir mit vollem Geiste und Tüchtigkeit eintreten wollen! Hier wollen wir arbeiten, rastlos, voll Eifers, voll humanen Geistes; dies sei unsre Arena; hier wollen wir uns auszeichnen und hohe Ehren erlangen! Dann können wir ruhig sein,.und das Ziel ist unverloren. Preußen israelitischen Glaubens! Man ist nicht säuberlich mit unsrer Religion umgegangen; unser Glaube ist gefchmahet und hintenangesetzt worden; es ist überall nur gesagt worden: hierdurch und dadurch können wir die Juden zu Christen machen — auch das beirre uns nicht! Gerade darum immer mehr Treue und Anhang-

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