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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-28 · Heft 27 (28.6.1847) · p. Seite 414

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 27 (28.6.1847)
Date
1847-06-28
Page
Seite 414 (sequence 14)
Language
German
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414 „Durchlaucht, ist es Ihr Wille und Auftrag gewesen, daß diese Verhandlungen bereits zu einem gewissen Abschluß gebracht worden, und die Bedingungen festgestellt sind, unter welchen Sie sich der Koalition anschließen?..." „Fürwahr, das ist viel-ich habe ja erst vor Kurzem ein Pfand meiner aufrichtigen Gesinnungen gegen meinen Freund, Ihren Herrn, durch die Verheirathung der Prinzessin A. gegeben...." „Nun, so ist es Verrath und abermals Verrath- Doch ich fahre fort. Durchlaucht, könnt' es Ihr Wille und Auftrag gewesen sein, daß der Herr Minister vom Juden und Denunzianten Mendel zweimalhundertausend Thater für die Verbannung der Juden aus Dero Landen genommen?..." „Himmel, welche scheußliche Niedrigkeit!..." „Wohl, Ew. Durchlaucht, könnte es Jemand billigen, daß der Herr Minister die Einkerkerung des alten Rabbi benutzt hat, um seine einzige Tochter zu entführen, ihr Gewalt anzuthun in seinem Landhause?..." „Sie Haufen zu viel, Herr Gesandter, Eines wäre schon genug-aber Beweise, Herr Marquis, Beweise. .. „Ew. Durchlaucht fetzen richtig voraus, daß der Gesandte Frankreichs sich nicht zum Amte eines Anklägers erniedrigen werde, der nicht vollgiltige Beweise in seinen Händen hätte. Der Herr, den ich zu vertreten das Glück habe, würde es nimmer billigen, auch nur den Schatten eines Tadels auf Jemanden zu werfen, wenn es nicht in Vertheidigung der gerechtesten, zweifellosesten Sache geschähe.... Hier die Beweise... Und der Gesandte nahm aus seinem Portefeuille eine Anzahl Papiere heraus. „Dies, Durchlaucht, 'sind die Verhandlungen des Ministers mit der p...schen Regierung; Sie werden finden, daß er sich sehr vorgesehen, denn er beabsichtigt, in p...sche Dienste überzugehen. Dies ist ein Bekenntniß des Mendel, auf seinem Sterbelager abgesaßt, dies eine Aussage eines Schülers des Rabbi in Betreff der Tochter desselben." Der Fürst antwortete Nichts, setzte sich nieder, und las die Schriften sämmtlich auf's Genaueste durch. Der Gesandte begnügte sich in dieser Zeit, von der Seite den Eindruck zu beobachten, den die Lesung dieser Papiere auf den Fürsten machte. Als er vollendet hatte, wandte sich der Fürst wieder an den Gesandten. „Herr Marquis," sagte er, „lch kann Ihnen für die Führung dieser Angelegenheiten, für die Bemühung, die Sie übernommen, wie für den geraden Weg, den Sie eingeschlagen, nur danken. Daß meinem Herzen, meinem Vertrauen hiermit abermals eine tiefe Wunde geschlagen ward, kann ich nur andeuten; das Herz eines Fürsten muß hierauf stets vorbereitet sein, denn es ist sein Loos. Vor Allem ist es aber nothwendig, daß der Angeklagte selbst vernommen werde. Meine Strafe soll so groß sein, wie die Schuld; aber ich bin kein Freund der Kabinetsjustiz — der Verbrecher muß zuvor ganz enthüllt sein... „Allerdings, Durchlaucht," erwiderte der Gesandte, „ist es nur billig, den Minister zur Verantwortung zu ziehen, und ihn vor dem Urtheil zu hören. Aber Durchlaucht sehen selbst, mit welchem Manne wir es hier zu thun haben. Sein gewandtes Genie könnte tausend Auswege ersinnen, um die Einsicht zu verwirren. Jene Dokumente könnte er für untergeschoben erklären, die treubrüchigen Verhandlungen leugnen, das Bekenntniß des Mendel als eines falschen, reuigen Juden verwerfen, jene Aussage des Schülers für unerheblich zucückweisen — im Interesse der Wahrheit, wie in meinem eigenen als Klagers muß ich daher fordern, daß in der Abwesenheit des Ministers eine unerwartete Haussuchung stattsinde, um die authentischen Belege zu erlangen, die dem Verräther entgegen zu halten waren." „So unangenehm die Sache ist, so finde ich doch Ihre Forderung angemessen, und werde sofort das Nöthige anordnen. Der Minister befindet sich jetzt im Schlosse. Ich werde ihm ein Arrest beilegen, und einen Geheimsekretär zur Hausuntersuchung in aller Stille beordern. Da Sie bei dieser schwerlich als Vertreter Frankreichs zugegen sein wollen, so wähl' ich einen sichern Mann, der keine Kreatur des Ministers genannt werden kann." „Ich bin Ew. Durchlaucht für diese weisen Maßregeln zu innigstem Danke verpflichtet, und hoffe, Sie werden die unangenehme Empfindung, welche ich in Ew. Durchlaucht heute zu erwecken in die traurige Nothwendigkeit gesetzt war, nicht auf mir lasten lassen. ..." „Sicher nicht, Herr Marquis!.. Der Fürst bot dem Gesandten die Rechte zum Handkuß als Zeichen seiner Huld, und entließ ihn. Der Gesandte verließ befriedigt das Schloß, denn ec hatte so viele, nicht gerade vorzulegende Beweise für die Handlungsweise des Ministers, daß er an dem Ausgang nicht zweifelte.

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