Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 27 (28.6.1847)
- Date
- 1847-06-28
- Page
- Seite 413 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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413 12, Die Entscheidung. Die Flügelthüren zum fürstlichen Kabinet gingen auf, und der französische Gesandte überschritt die Schwelle, wie einen Rubikon. Er wußte, mit dem ersten Worte, das er ausgesprochen, mußte er — siegen oder fallen. Denn sollte der Fürst von der Schlechtigkeit seines Ministers nicht überzeugt werden, so mußte die Anklage den Fürsten veranlassen, auf Abberufung des Gesandten beim französischen Hofe zu dringen, welchem Verlangen dieser nicht abstehen konnte. Und dennoch war unser Gesandter auch durch seine Stellung zu dieser Anklage gezwungen, denn die geheimen Machinationen des Ministers gegen Frankreich ruhig mit angesehen zu haben, würde seinen Ruf und seine Stellung völlig gefährdet haben. In diesem engen Raume, denn der Fürst liebte eine edle Einfachheit, sollte sich also der Knoten lösen, das Schicksal entscheiden. Auf der einen Seite der kluge Minister, welcher durch früh erlangtes Vertrauen, genaue Kenntniß des Charakters seines Herrn und umsichtige Behandlung desselben einen unbegränzten Einfluß übte; auf der andern Seite der mit gewichtigen Dokumenten versehene, viel gewandte Gesandte eines mächtigen, befreundeten Hofes — wahrlich, zwei Ringer, die des Kampfes würdig; aber hinter dem Minister Falschheit, Verrath, Verfolgung eines wehrlosen Häufchens, Schandthat an einer unschuldigen, reinen Jungfrau —- hinter dem Gesandten ein eingekerkerter Rabbi, eine der Verbannung überantwortete Gemeinde; und inmitten der Fürst als Träger der göttlichen Gerechtigkeit und des entscheidenden Verhängnisses. Das war die Lage und der Moment, zu denen wir unsere theilnehmenden Leser bis jetzt geführt haben. Der Fürst kam dem Gesandten freundlich entgegen, und lud ihn zum Setzen ein, nachdem derselbe gegen den Fürsten einiger minder bedeutender Aufträge seines Hofes sich entledigt hatte. „Indem ich Ew. Durchlaucht/" hob nun der Gesandte an, „auf heute um eine persönliche Audienz angegangen, habe ich allerdings noch eine Mission im Auge gehabt, welche ich mit Ihrem Minister nicht behandeln konnte —" „Und diese wäre?" rief der Fürst verwundert aus. „Eine Mission," fuhr der Gesandte fort, „welche ich allerdings nur unmittelbar an die Person Ew. Durchlaucht richten konnte —" „Nun, mein Herr Gesandter, Sie machen mich begierig zu erfahren —" „Gnädiger Herr! Sie müssen heute gestatten, daß ein Diplomat seine ganze Diplomatie bei Seite läßt, daß er ohne Umschweife und Vorbereitung zu seinem, und zwar hochwichtigen Gegenstände ausgeht, um von Ew. Durchlaucht eigenster Einsicht ein offenes Urtheil zu erbitten —" „Sie wissen, Herr Marquis, daß ich gerade dies am Meisten liebe und stets wünsche —" „Ein Andrer hätte vielleicht schon lange einzelne Klagen vor Ew. Durchlaucht gebracht, um Mißtrauen in das Herz des gnädigsten Fürsten zu säen. Allein ich weiß, an wen ich mich zu wenden habe, an den edelsten und gerechtesten Herrscher, der alle Ränke verabscheut und nur die offene, freimüthige Aussprache beachtet, so wie überzeugende Gründe in Erwägung zieht, und nur solchen, nicht aber Vermuthungen und Voraussetzungen Werth beilegt —" „Wenn Sie, Herr Marquis, noch lange so fortsahren, so muß ich allerdings doch an Umschweife und Vorbereitungen Ihrerseits denken —" „Nein! Durchlaucht. Die Worte, die ich bis jetzt gebrauchte, sotten nur mein Verfahren im Voraus rechtfertigen, und mich vor dem Vorwurf schützen, als hatt' ich meinen gnädigen Herrn überraschen wollen. Denn Sie werden, Durchlaucht, allerdings finden, daß ich sehr geradezu gehe, indem ich bei Ew. Durchlaucht hiermit Ihren Minister, den Herrn Grafen von Senis, des treulosesten Vecraths gegen uns anklage-" „Was sagen Sie?" rief der Fürst wie angedonnert aus, und sprang auf. Auch der Gesandte erhob sich. „Ja, des treulosesten Verraths Ew. Durchlaucht Minister gegen uns, denn derselbe ist sowot gegen Ihren treuen Verbündeten, Frankreich, gerichtet, als auch hiermit gegen den Willen und wider alle Intentionen meines Fürsten, ohne Wissen Ew. Durchlaucht und doch in Ihrem Namen vollbracht-" „Sie finden mich allerdings ganz unvorbereitet für diese fürchterliche Anklage," sprach der Fürst mit bitterm Tone, „erklären Sie sich näher." „Durchlaucht, ist es Ihr Witte und Auftrag gewesen, daß Verbindungen und Unterhandlungen mit der p...schen Regierung angeknüpft werden, um in die Koalition einzutreten, welche sich jetzt gegen Frankreich vorbereitet? .. „Nimmermehr!../'