Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 27 (28.6.1847)
- Date
- 1847-06-28
- Page
- Seite 409 (sequence 9)
- Language
- German
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409 Thal! so lange es noch Zeit ist. Und das ist nicht mehr sehr lange! J. Elin. Wien, 1. Sunt. (Privatmitth.) Das hiesige israelitische Krankenhaus, von dem schon dadurch hier unsterblichen, wackern Oppenheimer gegründet, hat im Laufe der Zeiten viele zeitgemäße Veränderungen, Verbesserungen re. erlebt. Erst vor vier Jahren ward es wieder neu organisirt, und kann jetzt den Westen seiner Art an die Seite gestellt werden. Die gegenwärtigen Vorsteher sind: die HH. Leopold Edler v. Werthheimstein, ein Mann von bekanntem guten Klange, und Heinrich Sichrofsky, nicht minder für alles Humane und Edle stets begeistert. Beide Herren gehören auch zu den Vertretern der hiesigen Gemeinde. Die Verwaltungskommission besteht aus 7 Doktoren, und der Spitalvater, Herr A. Herrmann, sorgt wahrhaft väterlich für die Leidenden. Die Krankenzahl im Sahre 1846 war 634, außerdem wurde an 1458 Ambulanten ärztlicher Rath und größtentheils auch Arzneimittel ertheilt. Von den 60 größeren Operationen, die in diesem Sahre daselbst statthatten, wurden die 22 Augenoperationen von dem europäisch berühmten Herrn Professor Säger p. t., und 9 der bedeutendsten chirurgischen von dem in seinem Fache eben so großen und renommirten Herrn Professor Edler v. Wattmann p. t. ausgeführt. Es bedarf wol nicht erst der Erwähnung, daß diese großherzigen Männer und Wohlthäter der Menschheit für ihre mit dem schönsten Erfolge gekrönten Mühe keine Art Belohnung annahmen. Um so mehr ist es Pflicht, ihnen in diesem Blatte, das nach Ost und West, nach Nord und Süd geht, im Namen der Geretteten den ehrfurchtsvollsten, innigsten Dank auszusprechen. Die Gesammtausgabe des Snstituts betrug für das Jahr 1846 die namhafte Summe von 11,583 Fl. K. M. Ein würdiges Seitenstück zu einem Krankenhaus ist wol eine Kleinkinderbewahranstalt; darum auch über diese Einiges. Der um diese Art Anstalten in unsrer Monarchie hochverdiente Herr Soseph Wertheimer — auch auf literarischem und anderweitig humanistischem Gebiete rühmlichst bekannt — rief diese Anstalt in's Leben, in welcher jetzt bis 90 Kleine ihr harmloses, heiteres Dasein spielend nützlich verleben. Sollte ich einst so glücklich sein, wieder zum Kinde zu werden, ich gehe nur in diese Anstalt; zumal man selbst im heurigen, erschrecklich theuern Sahre nicht mehr als 20 Kr. sage zwanzig Kreuzer K. M. monatlich zu zahlen braucht, um dort täglich ein gutes Mittagessen zu erhalten. Keine Zauberei, nur — Wohlthätigkeit! Kewall. Groß-Kamscha, 5. Suni. (Privatmitth.) Allgemeine innige Betrübniß herrschte in unsrer Mitte, als der gegenwärtige papaer Rabbiner von uns schied; alle erdenklichen Mittel wurden fruchtlos angewendet ihn zurückzugewinnen, und Thränen schmerzlicher Wehmuth erpreßte dessen Abschiedswort aus den Augen aller Anwesenden. Nur der beruhigende Gedanke „8*0«'' *6 "o", daß es im Sn- und Auslande der Würdigen und Begabten Mehrere gebe, die für den Posten geeignet wären, flößte uns einigen Trost ein. Es hatte da das Ansehen, daß zu einer neuen Wahl sogleich wieder Vorkehrung getroffen werde. Allein dem geschah nicht also. Es ist beinahe ein Sahr vorüber und noch ist die Stelle erledigt, und es hat den Anschein, daß der Stand der Dinge noch längere Zeit in 8tstus guo verbleibe. Einige meinen, daß dies aus wohlweiser Ersparniß geschehe. Allein wer gewinnt dabei? Sehen wir uns etwa an Lasten erleichtert? Haben wir nicht nach wie vor dieselben Gebühren und Beiträge zu leisten? Ueberhaupt, wenn schon die Umstände irgend eine Einschränkung erheischen, wie dies zwar der Fall nicht ist, so kann, soll und muß dies auf eine andere Weise, nicht auf Kosten höherer, heiliger Snteressen erzielt werden. Auch sind die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde so übel nicht beschaffen, daß jener Kostenaufwand sofort nicht mehr sollte bestritten werden können. Andere behaupten daher, daß nicht ökonomische Rücksichten, sondern in jüngerer Zeit emporkeimender Sndifferentismus die Schuld dieser betrübenden Erscheinung trage. So dies wirklich sich also herausstellte, so wäre es heilige Pflicht der Bessergesinnten, dieser Natter alles sozialen und religiösen Lebens vereint entgegen zu treten. Der Sndifferentismus dringt in alle Verhältnisse nachtheilig ein. Er erzeugt bei Konferenzen jeglicher Art Seichtigkeit und Oberflächlichkeit des Urtheils. Er läßt Nichts reiflich erwägen, bespricht Alles nach einseitigen selbstischen Absichten. Er vernachlässigt die Erziehung und Sugendbildung; unter dessen Hauch welken die schönsten Blumen hin. 27*