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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-28 · Heft 27 (28.6.1847) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 27 (28.6.1847)
Date
1847-06-28
Page
Seite 402 (sequence 2)
Language
German
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402 ihrer Entstehung verdoppelt worden, daß unser Kultus mit einem Worte so viele menschliche, bald gute, bald verdrießliche Modifikationen erfahren hat: so wird man einsehen, daß es gestattet ist, ohne die Grundlehrcn zu berühren, diese Verbesserungen der äußern Form fortzusetzen. Das Gegentheil verlangen, das würde voraussetzen, die Orthodoxie erlaube nur die Hinzufügung, nicht aber die Abschaffung, was uns zuletzt zu Festen von einem Monat Länge und zu Gottesdiensten von einer ganzen Woche Dauer führen würde." — Der Artikel resultirt: „Die wahrhaft religiöse Partei, d. h. die größte Zahl der Israeliten, fälschlicher Weise in Reformisten und Orthodoxe klassisizirt, wollen eine würdige und für sie erbauliche Religion, ausführbar und ehrwürdig für ihre Kinder, und die, mit einem Wort, sich vor Freunden und Feinden sehen lassen kann. Um zu diesem Resultat zu kommen, muß man sich nicht auf Worten und Phrasen festrammeln, muß man nicht mit Bannern von bemaltem Papier sich schmücken: sondern man muß die verschiedenen Fragen studiren, welche sich an das ernste Ziel, das wir so eben bezeichnet, knüpfen, an der kräftigen Organisation unsres religiösen Gebäudes arbeiten, es mit Institutionen umgeben, die fähig sind, es aufrecht zu erhalten — statt den Säbel in die Faust zu nehmen, und seine Zeit zu verlieren, im Namen phantastischer Prinzipien gegen eine Armee von Gespenstern zu kämpfen." Deutschland. Aus Württemberg, 10. Juni. (Privatmitth.) Herr Kollegialassessor vr. Weil hat ein Dankschreiben an die Gemeinden erlassen, welche sich an dem Ehrenpokal betheiligt hatten. Es heißt darin: „Auch jetzt noch, verehrter Herr und Freund, kann ich an Sie und diejenigen Glaubensgenossen, die Sie bezüglich Ihrer Mitwirkung zu dem Ehrengeschenke vertreten, nur Worte voll Beschämung, nicht aber des Dankes richten. Mehr noch als die Herrlichkeit des Pokals erfüllt mich die tiefe Bedeutung seiner Symbole mit diesem Gefühle. Denn blicke ich auf die wundervolle Statuette unsres großen Lehrers Moses, welche den Knauf des Pokals bildet, so muß ich mir selbst sagen: der göttliche Mann, wie die heilige Schrift, wie Hunderte von Millionen Menschen seit mehr als dreitausend Jahren, wie die Weltgeschichte für alle Zeiten ihn nennt, so lange sie die Thaten der Vorzeit lehrt — hat sich und sein Leben und seinen gotterfüllten Geist hingegeben seinem Israel, wie magst du, der Geringsten Einer von den Streitern für die Reinheit und die Anerkennung des durch ihn zur Erde herabgebrachten Glaubens, das Standbild des erhabensten Lehrers der Menschheit anders denn demüthigen Gemüths anschauen? — Die.entschwundenen Heiligthümer unserer Vorväter, die heilige Lade, welche die Tafeln enthielt, die zum Gesetz der Welt geworden, mit den vor der Schechina betenden Cherubim, die in frommer Auffassung den Pokal verherrlichen, — nimmer würde ich mich würdig erachten, diese heilige Darstellung zu hüten, noch mein Haus solche zu bewahren, hätte nicht der selbst eigene Wille der ganzen Gemeinde Israels in unserm württembergischen Vaterlande es so gewollt. Die Engelvköpfe, die Glaubenshelden, Streiter für die Sache des Herrn, die Medaillons der Erzväter, welche die Verbrüderung Israels, Noas und seiner Söhne, welche die Verbrüderung aller Menschen andeuten, — alles das geordnet zu einem wundervollen Ganzen. Eure sinnvolle Liebe ist über die Grenzen der Anerkennung weit hinausgegangen und mir zur Beschämung geworden!" Den Rabbinen ist folgender Erlaß zugekommen: „Die königl. Oberkirchenbehörde an das RabbinaM. bl. Nachdem Se. königl. Maj. für gut gefunden hat, das aus Anlaß der gegenwärtigen Zeitverhältniffe ein allgemeiner Bettag in den Kirchen des Landes gehalten werde, so hat man für die israelitische Kirche des Landes Sabbat den 19. Juni dieses Jahres zu diesem Zwecke bestimmt. Der Rabbine wird an diesem Tage über den auch für die übrigen Kirchen vorgeschriebenen Texte Klagelieder Jeremias 3, 22. 23. („die Güte des Herrn ist, daß wir nicht gar aus sind. Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu und deine Treue ist groß.") eine Predigt halten und nach derselben das beifolgende Gebet sprechen und die Vorsänger seines Bezirks anweisen, das Gleiche zu thun; die Abhaltung desBettags ist den vorhergehenden Sabbat, den 12. Juni, von der Kanzel aus anzukündigen. Stuttgart, den 31. Mai 1847. Auf Verwendung der königl. Oberkirchenbehörde

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