Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 27 (28.6.1847)
- Date
- 1847-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. SV XI. Jahrgang. Allgemeine Zeitimg des Judcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von BaumgärtnerS Buchhandlung zu Leipzig. (Mit königl. sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 28. Juni 1847. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Tblr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22z Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Zeitungsnachrichten: Frankreich:Straßburg. Deutschland: aus Württemberg, Hamburg (Schluß). Preußen: Jastrow. Oesterreich: Pesth, Wien, Groß-Kanischa. Belletristisches: Der Rabbi und der Minister. Eine Novelle ans dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten. Frankreich. Skraßburg, 6. Juni. Die No. 4 der Pure Verite enthält einen sehr vernünftigen Artikel über „Reformer" und „Orthodoxen". Anknüpfend an den übertriebenen, und doch nur um Worte sich drehenden Streit, der sich in Frankreich um die im Namen des Zentralkonsistoriums bei der Installation des Großrabbinen gehaltene Rede des Herrn Cerfberr erhoben hat, ironisirt er die pomphaften Ausdrücke von Reform, Reformer, Reformator, die sich die Israeliten jetzt so leichten Kaufs an den Kopf werfen, von Konservativen, Orthodoxen, die stolz sich angeeignet werden — während die vorhabenden Bestrebungen mit einer wirklichen „Reformation", wie z. B. der Luthers, Gott sei Dank! gar Nichts gemein haben. „Wenn ihr also weder die kirchliche Autorität abzusetzen, noch die Grunddogmen zu ändern, noch sämmtliche Traditionen des Kultus zu unterdrücken habet — warum dann die etlichen, sehr wohlthätigen Verbesserungen, welche der gewöhnlichste Menschenverstand verlangt, Reform nennen? Warum Reformatoren, Reformisten einige unsrer alten Religion wahrhaft ergebene Männer betiteln, die sie nur von einigen mehr oder weniger veralteten Lappen befreien wollen, ohne irgend eine Lust zu haben, eine neue Religion fabriziren zu wollen?" Man verbanne also daS zweideutige Wort „Reform", und wende nur „Verbesserung, Reorganisation" an, damit nicht unnöthiger Weise in fromme Seelen Unruhe geworfen, und den mehr oder weniger aufrichtigen Bigotten ein willkommener Vorwand zur Beunruhigung gegeben werde. Auch das Wort „orthodox" erscheint ihm nur eine falsche Nachahmung des Christenthums, um hohle Ideen zu verbergen. In der christlichen Kirche hat der Name „Orthodoxer" einen wesentlichen Sinn, denn da giebt es eine kirchliche Autorität, an deren Ausspruch gehalten werden muß, sestgestellte Dogmen, die die Kirche als Grundlage ihrer Gemeinschaft angenommen, ohne sie der Kritik der Vernunft anheim geben zu wollen. „Aber man begreift, daß es ganz anders in einer Religion sein muß, wo, wie in der unsrigen, die Grundlage und die Lehrsätze von natürlicher Evidenz sind, wo der Kultus nur die Weihe, das Symbol des Glaubens ist. Wenn man bedenkt, daß unser Ritual dem hebräischen Alterthum gänzlich unbekannt war, daß von 100 Gebeten (irora) es nicht zwei giebt, die aus einer Zeit herrühren, daß unsere Festtage seit