Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-21 · Heft 26 (21.6.1847) · p. Seite 398

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 26 (21.6.1847)
Date
1847-06-21
Page
Seite 398 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225497-3225524--08665-3239491
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

398 ahn sprach Nichts, es war ihm genug, diesen frisch belebt zu sehen. 10. Die Intrigue. Die Juden hatten einen Bundesgenossen gewonnen, wo sie es sich nicht träumen ließen. Die Diplomatie jener Zeit ging ihre Wege nicht gerade — ob sie es heute thut, wissen wir nicht — sie Lauerte im Dunkeln, bis sie ihres Fanges gewiß worden; sie erfaßte irgend ein äußerliches Moment, irgend einen günstigen Zufall, um aus einem dünnen Faden ein starkes Seil zu drehen, das sie dem Gegner um den Hals schlinge, und ihn so zu Boden stürze. Der Gesandte überbrachte der Fürstin Mutter in feierlicher Auffahrt ein eigenhändiges, höchst verbindliches Schreiben der Marquise von ...., welche damals den König von Frankreich beherrschte, nebst ausgezeichneten Gobelins, zu denen die Marquise noch eine selbstgearbeitere Stickerei hinzugefügt. Die Fürstin war höchst erfreut; sie hatte schon langst nach solcher Auszeichnung getrachtet. An der Freude der Mutter ergötzte sich der edle Sohn, welcher wahrend seines frühem Mißgeschickes in der Mutter die einzige Stütze gefunden. Aber vom glänzenden Hofstaat der Fürstin Mutter fuhr der Gesandte Ln unscheinbarem Gewände und fremder Kalesche zu dem Sekretär des Ministers, mit dem er oft schon verhandelt hatte. Eine goldene Tabatiere, die er auf den Arbeitstisch des Sekretärs legte, als ein Angeld zu größerer Belohnung, stimmte diesen günstig, und bald hatte der Gesandte eine langst erwartete Abschrift von Dokumenten in Händen, welche den Minister stark kompromittirten, und die Gewißheit feindlicher Ränke gegen Frankreich gaben. Es war eine Zeit nämlich, wo an dem Hofe, von welchem wir sprechen, die französische Partei die Herrschaft an sich gerissen. Der Fürst selbst neigte sich ihr am Meisten zu, da ec sowol von gegnerischen Herrschern in seiner Jugend hintenangesetzt worden, am Hofe Ludwigs XIV. aber einen schmeichelhaften Empfang erfahren hatte, als auch in der französischen Bundesgenossenschaft eine starke Stütze für den schwankenden und in dem letzten Jahrhundert sehr geschwächten Staat suchte. Der Minister war seinem Herrn in diesen Sympathieen scheinbar eifrig gefolgt, obgleich er unter dessen Vorgänger den p.schm Interessen ergeben war, und durch seine Hand waren mit unserm Gesandten die Verhandlungen günstig beendet worden, welche eine Prinzessin dieses Hauses dem französischen Throne sehr nahe gestellt. Nachdem aber die französischen Gunstbezeugungen ziemlich erschöpft waren, und da der französische Einfluß ihm bei seinem Fürsten zu überwiegend zu werden drohte: hatte er heimliche Verbindungen mit der p.schen Regierung anzuknüpfen sich gestattet, welche damals eine Koalition gegen Frankreich zu Stande zu bringen suchte. Mit Freuden war man dem einflußreichen Minister entgegengekommen, und hatte seinen Eröffnungen einen großen Werth beigelegt. Um seinem Uebertritt desto größeres Gewicht zu verschaffen, hatte er den Namen seines Fürsten hineinzustreuen sich nicht gescheut. Da er aber das gefährliche Spiel nicht ohne Rückhalt zu unternehmen wagte, hatte er sich den Eintritt in den p.schen Staatsdienst für den unglücklichen Fall ausbedungen. Es war ihm darüber ein Dokument ausgestellt worden, und von diesem hatte sein Sekretär eine Abschrift zu nehmen gewußt, und sie dem französischen Gesandten theuer verkauft. So war der treulose Betrüger derselben Schlinge verfallen, die er seinem Fürsten gelegt, und der Verrath strafte sich durch Verrath. Aber Eines war dem Gesandten noch nicht klar: warum der Minister die Juden so außerordentlich verfolgte? Daß er, blos um in den Besitz der Tochter des Rabbi zu kommen, sammlliche Juden aus dem Lande treiben sollte, schien ihm ein zu großes Werk für so kleinen Erfolg zu sein. Höchstens konnte er ihm, dem Wüstling, die Einkerkerung des Rabbi deshalb zutrauen. Aber diese schien wieder eine zu schlaue Maßnahme zur Verfolgung der Juden zu sein, als daß er dieser nicht noch einen weitern Grund zuschreiben sollte. An einen wirklichen Judenhaß im Minister wollte der Gesandte auch nicht glauben: denn die Zeit hatte die Leidenschaften auch in Religionssachen so weit verflacht, daß sie zwar zu Bedrückungen und Beschränkungen hinreichten, nicht aber zu so schnöder Ausrottung mit Stumpf und Stiel. Dieses eine Glied fehlte ihm daher noch in der ganzen Kette, um gänzlich gewaffnet dem Gegner entgegenzutreten, und nicht mit gebrochener Lanze vom diplomatischen Turnier zurückkehren zu müssen. Joseph wurde deshalb beschieden, und ihm die Wichtigkeit dieses Zwischenfalles deutlich gemacht. Joseph dachte nach, und bald ward es ihm klar, daß man hier zu der Quelle

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.