Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1847-06-21 · Heft 26 (21.6.1847) · p. Seite 397

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
11 (1847)
Issue
Heft 26 (21.6.1847)
Date
1847-06-21
Page
Seite 397 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225497-3225524--08664-3239490
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

397 vielleicht zu einem wirkungsreichen Beistände zu bewegen in einer Sache, die Ew. Exzellenz sonst so ferne liegt-" „Nun, stolzer Jüngling! Sie machen mich begierig — — an meiner Bereitwilligkeit zweifeln Sie nicht! Was ist es, worin ich Ihnen dienen könnte?" Zagend begann Joseph: „Es wird vielleicht das Gerücht zu Ihnen gedrungen sein, daß man darauf ausgeht, die Judengemeinde dieser Stadt zu vertreiben. Ohne Unterschied der Schuld oder Unschuld, ohne Berücksichtigung des Alters und Geschlechtes will man sie dem Elende der Verbannung preis geben. Und um hierzu einen scheinbaren Vorwand zu haben, hat man meinen ehrwürdigen, unschuldigen Vater, den Rabbi, eingekerkert; er soll wider die Christen ein Buch geschrieben haben, darin er, Allen offenbar, den Glauben der Heiden besprochen hat; er soll einem ungerechten Urtheil zum Opfer fallen, um die Schuldhaftigkeit aller Glaubensgenoffen zu erweisen... „Das ist ein hartes Geschick..." sprach zögernd der Gesandte. „Ja, noch mehr Frevelthat hat man verübt," fuhr Joseph fort, „ein Mann, der hier im Lande allmächtig ist, hat meine arme, schuldlose Schwester mit Gewalt entführt, und auf ein Landhaus gebracht, um sie..." Er vermochte nicht weiter zu sprechen. „Und wo ist der Mittelpunkt dieses Unheils zu suchen?" frug der Gesandte. „Wo anders, gnädiger Herr, als in dem Lüstling, der meiner unglücklichen Schwester nachgestellt? Es fallen alle diese Begebenheiten zu nahe zusammen, als daß es sich nicht verrathen sollte. Man hat den gerechten Sinn unsers Landesvaters umstrickt, daß er in den Juden eine Quelle des Unheils für seine christlichen Unterthanen, und in ihrer Verbannung eine billige Strafe erblickt. Wohl haben sich einige verbrecherische Glaubensgenoffen zu Werkzeugen des Verrathes hingegeben, aus irgend einer schnöden Ursache ... aber diese sind zu ohnmächtig, als daß man den Urheber nicht höher suchen sollte...." „Ein guter Diplomat waren Sie..schaltete der Gesandte lächelnd ein. „O Herr! Ein Diplomat! Das Mißgeschick macht frühzeitig zum Diplomaten — und müssen wir Juden nicht geborne Diplomaten sein — denn welche Waffe bleibt uns sonst übrig.... Weh uns!..." „Und was soll ich hierin thun?" frug der Gesandte. „Retten, helfen! gnädiger Herr," siel Joseph schnell ein, indem er einige Schritte näher trat. „Menschen, unsäglich unglückliche Menschen vom tiefsten Verderben retten! Einen unschuldigen Greis, ein reines Mädchen, mich vom Untergang erlösen.... O Herr, ich war in Frankreich ... mehrere Jahre ... ich habe es kennen gelernt, das schöne Land — und ob auch da meine Glaubensgenoffen hart bedrückt sind, ich weiß es, nur das Gesetz ist dort drückend, die Menschen nicht mehr; die Menschen wissen, daß wir Alle eines Gottes Kinder und Geschöpfe sind! Wo wäre ein Franzose, den man umsonst zur Rettung Unschuldiger aufriefe, Gefesselte zu befreien, Gestürzte aufzurichten.... Herr, Sie sind Franzose — und darum ruf ich Sie auf.... Siesirrd, ich will es sagen. Sie sind durch Gottes glückliche Schickung mir Dank schuldig ... bezahlen Sie mir diese Schuld." „Ja, Sie sollen mich nicht vergebens aufsordern, junger Mann ..." sprach, in Nachdenken versunken, der Gesandte. „Ha, der Herr Graf soll mich nicht umsonst hinter's Licht zu führen versucht haben.... Die p.sche Subsidie soll ihm theuer zu stehen kommen.... Gut, junger Freund! Ich kann Ihnen Nichts sicher versprechen; Sie haben mir eine schwere Aufgabe auf die Schultern gelegt; aber ich will versuchen ... und", er richtete sich in die Höhe, „wenn der Gesandte Frankreichs Etwas versucht, so kann es nicht ganz ohne Erfolg bleiben.... Aber vor Allem —Stillschweigen, völliges Stillschweigen gegen Jedermann. Sie dürfen mich nicht kennen; so wie Sie irgend meinen Namen nennen, bin ich meines Versprechens quitt. Hören Sie ... und nun, erzählen Sie mir Alles bis aufs Geringste." Wir wollen den Leser nicht mit dem aufhalten, was ihm schon bekannt ist. Mit bebendem Herzen berichtete Joseph alle Vorgänge, so viel er nur wußte. Der Gesandte hörte aufmerksam zu; er verlor kein Wort; aber vergebens lauschte Joseph den unbeweglichen Zügen seines Zuhörers irgend ein Zeichen der Hoffnung oder des Zweifels ab. Nichts verrieth sich auf dem Antlitz des Mannes. So wie er geendet, winkte ihm der Gesandte mit kurzer Verbeugung zum Abschiede, und verbot ihm selbst das Wiederkommen, bis daß er ihn bescheiden ließe. Dennoch trug der Jüngling ein Herz voll freudiger Hoffnung davon. Wenn der Unglückliche sein Herz ausgeschüttet hat, so hofft ec schon. Sein Antlitz blühte neu auf, sein Auge leuchtete wieder. Aber vergebens bestürmten ihn Onkel und Base mit Fragen. Er antwortete Nichts, und verwies sie nur auf den Höchsten, der dem Bedrängten seine Hilfe verheißen. Der lange Bachur heftete lang seinen Blick auf den Sohn seines Lehrers,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.